Leben auf dem Bauernhof

Landwirtschaft

Leben auf dem Bauernhof

Gibt es ihn eigentlich noch – den guten alten Bauernhof mit Kühen auf der Weide, glücklichen Hühnern und Schweinen, die sich im Dreck suhlen können? Oder gibt es mittlerweile nur noch die riesigen Agrarbetriebe, die bloß durch Massentierhaltung wirtschaftlich sein können? Fakt ist: Der Beruf des Bauern ist ein Berufsbild im Wandel. Eines aber ist geblieben: Bauer sein bedeutet damals wie heute harte Arbeit und wenig Freizeit.

Kann man von der Landwirtschaft leben?

Deutschland ist ein Agrarland und der Anteil der Landwirtschaft an der wirtschaftlichen Leistung Deutschlands kein unwesentlicher Faktor. Es gibt bei uns etwa 283.000 landwirtschaftliche Betriebe (Stand 2014), die eine Fläche von 16,7 Millionen Hektar bewirtschaften. Nur zur Verdeutlichung - ein Hektar - das ist in etwa die Größe eines Fußballfeldes. Laut Deutschem Bauernverband bewirtschaften zwölf Prozent sogenannter Großbetriebe (größer als 100 Hektar) gut 57 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche. Doch was bedeuten all diese Zahlen? Dass man nur noch von der Landwirtschaft leben kann, wenn man groß genug ist?

Ein Traktor zieht einen Pflug über ein Feld.

Großbetriebe können erfolgreich wirtschaften

Ja und nein. Fakt ist: Je größer (oder spezialisierter) ein Betrieb ist, umso wirtschaftlicher lassen sich zum Beispiel Maschinen einsetzen oder ganze Arbeitsabläufe mechanisieren. Ernährte ein Landwirt um 1900 noch vier Menschen, waren es 1950 bereits 19, heute sind es 144. Bauernhöfe, so wie Städter sie sich ausmalen: Ein kleiner Gemischtwarenladen mit viel Zeit und jeder Menge Landromantik, das findet sich heute tatsächlich nur noch selten. Und wenn, dann wird der Betrieb vielleicht nur noch im Nebenerwerb betrieben. Das heißt, das Geld wird woanders verdient und die Landwirtschaft läuft nur noch nebenher.

Der Bauer als Manager

Ein Aufkleber mit der Auschrift 'Biogas' klebt auf einem Rohr im Technikraum einer Biogasanlage.

Viele Betriebe haben sich spezialisiert

Vollzeit-Landwirte von heute müssen flexibel sein, ihren Betrieb auf dem neuesten Stand halten und eventuell bereit sein, ihn der Wirtschaftlichkeit zuliebe auch umzustellen oder weniger lukrative Zweige abzustoßen. Im Prinzip müssen sie handeln wie Manager, denn das Berufsbild ist ungeheuer vielfältig und Anbaumethoden oder der Maschinenpark veralten beinahe so schnell wie die Software in der Computerbranche. Die Folge: Viele Betriebe haben sich spezialisiert, zum Beispiel auf Eier, Schweinezucht oder Getreideanbau, andere umgestellt auf den Betrieb von Biogasanlagen.

Problem: Kennzeichnung der Ware

Hergestellt wird in Deutschland im Prinzip alles, was so auf den Tisch kommt, also: Brot, Mehl, Zucker, Eier, Fleisch, Milch, Gemüse, Obst und vieles mehr. Wie viele der Lebensmittel, die wir einkaufen, tatsächlich noch aus Deutschland kommen, ist oft unklar. Durch die Europäische Union (EU) ist alles miteinander verknüpft und es wird sowohl im- als auch exportiert. Selbst für Leute vom Fach ist die Kennzeichnung der Waren nicht immer leicht zu entschlüsseln.

Wurst- und Fleischverkauf auf einem Wochenmarkt.

Kommt das Fleisch aus Deutschland?

Und immer mehr Verbraucher erkennen, dass sie zwar die Lebensmittel geschmacklich beurteilen können, aber nur noch wenig über die Herkunft, die Verarbeitung und die Lagerung der Produkte wissen. Verbraucher, die die Landwirte vor Ort unterstützen wollen, sollten möglichst regional - und das bedeutet auch saisonal - einkaufen.

Ein Beispiel: Steht auf der Verpackung “Schwarzwälder Schinken“ bedeutet das noch lange nicht, dass das Fleisch beziehungsweise das Tier, von dem das Fleisch stammt, aus dem Schwarzwald kommt. Es bedeutet lediglich, dass es in einem Räucherkamin im Schwarzwald hing. Ob das Tier in Italien oder Polen großgezogen oder in England geschlachtet wurde - das sagt diese Bezeichnung nicht aus.

Landwirtschaft und Tourismus

Doch nicht nur für die Erzeugung von Lebensmitteln ist die Landwirtschaft unerlässlich, mittlerweile werden auch jede Menge Biogas- und andere energieherstellende Anlagen von Landwirten betrieben. Außerdem hält die Landwirtschaft die Flächen, das heißt Weiden und Wiesen offen und prägt das Gesamtbild einer Landschaft - das ist gerade für die Tourismusindustrie ein wichtiger Aspekt. Wer geht nicht gerne Wandern, Mountainbiken oder Schlittenfahren im Allgäu?

Nicht zuletzt aus diesem Grund setzt sich gerade im Tourismussektor ein Trend durch, der immer bedeutender wird: Urlaub auf dem Bauernhof. Für Familien wohl die entspannteste Art, die freie Zeit gemeinsam zu genießen. Zurück zur Natur und den einfachen Dingen – und ganz nebenbei lernen Stadtkinder dabei auch noch, dass Kühe nicht lila sind und Milch nicht aus der Tüte kommt.

Autorin: Kerstin Eva Zeter

Stand: 15.01.2016, 09:28

Darstellung: