Potsdamer Konferenz

Winston Churchill, Harry S. Truman und Josef Stalin reichen sich währende der Potsdamer Konferenz die Hände

Nachkriegszeit

Potsdamer Konferenz

  • Vertreter der Alliierten beschließen gemeinsam, wie es mit Deutschland politisch und wirtschaftlich weitergehen soll
  • Nationalsozialistische Parteien werden verboten, die Demokratie wird eingeführt
  • Deutschland soll Reparationszahlungen leisten
  • Nach der Konferenz beginnt die Vertreibung Deutscher aus osteuropäischen Ländern



Im Sommer 1945 treffen sich Vertreter der Alliierten Großbritannien, USA und UdSSR, um über die Zukunft Deutschlands zu entscheiden. In den Verhandlungen wird klar, dass die ehemals Verbündeten nun Konkurrenten um die Vorherrschaft in Europa sind.

An der Konferenz nehmen teil: der sowjetische Herrscher Josef Stalin, der Nachfolger des im April 1945 verstorbenen US-Präsidenten Roosevelt, Harry S. Truman, und der britische Premierminister Winston Churchill, der nach den Wahlen Ende Juli von Clement Attlee abgelöst wird. In den Tagen vom 17. Juli bis zum 2. August 1945 suchen sie nach Leitlinien für die kommenden Jahre.

Politische Grundsätze

Bereits einige Monate zuvor, noch vor der eigentlichen Kapitulation, waren die Spannungen zwischen den neuen Großmächten bei der Konferenz von Jalta auf der russischen Halbinsel Krim spürbar gewesen. Allerdings hatte der damalige US-Präsident Franklin D. Roosevelt zu diesem Zeitpunkt noch auf eine weiterführende Allianz mit Stalin gehofft, vor allem in Hinblick auf die Auseinandersetzung mit Japan.

Roosevelts Nachfolger Truman geht in Potsdam deutlicher auf Distanz zu Stalin. Dennoch werden in dem Potsdamer Abkommen zahlreiche politische und wirtschaftliche Bestimmungen festgelegt, die die Nachkriegsjahre in Deutschland bis zur Teilung des Landes prägen werden.

Zumindest auf dem Papier herrscht Einigkeit darüber, Deutschland zu entnazifizieren und zu demokratisieren. In den amtlichen Verlautbarungen des Kontrollrats heißt es:

"Es ist nicht die Absicht der Alliierten, das deutsche Volk zu vernichten oder zu versklaven. Die Alliierten wollen dem deutschen Volk die Möglichkeit geben, sich darauf vorzubereiten, sein Leben auf einer demokratischen und friedlichen Grundlage von neuem wiederaufzubauen.

Wenn die eigenen Anstrengungen des deutschen Volkes unablässig auf die Erreichung dieses Zieles gerichtet sein werden, wird es ihm möglich sein, zu gegebener Zeit seinen Platz unter den freien und friedlichen Völkern der Welt einzunehmen."

Das Abkommen erklärt das Verbot nationalsozialistischer Parteien und Einrichtungen, setzt Verfahren gegen die nazistischen Kriegsverbrecher fest und fordert die Umerziehung der Deutschen:

"Das deutsche Volk muss überzeugt werden, dass es eine totale militärische Niederlage erlitten hat und dass es sich nicht der Verantwortung entziehen kann für das, was es selbst dadurch auf sich geladen hat, dass seine eigene mitleidlose Kriegsführung und der fanatische Widerstand der Nazis die deutsche Wirtschaft zerstört und Chaos und Elend unvermeidlich gemacht haben."

Die sowjetische Delegation am Verhandlungstisch

Die sowjetische Delegation am Verhandlungstisch

Wirtschaftliche Grundsätze

Die politischen Leitlinien des Abkommens werden in den kommenden Jahren im Prinzip umgesetzt, auch wenn sich etwa das Demokratieverständnis Stalins deutlich von dem der Amerikaner und Briten unterscheidet. Die wirtschaftlichen Bestimmungen, die das Abkommen postuliert, lassen sich in den Folgejahren dagegen nicht wie geplant umsetzen.

Vor allem die in Potsdam betonte Absicht, Deutschland als eine wirtschaftliche Einheit zu behandeln, lässt sich durch die Spannungen zwischen den Westmächten und der Sowjetunion nicht realisieren. Die wirtschaftliche Trennung zwischen den verschiedenen Besatzungszonen wird zu einem Auslöser für die spätere Teilung des Landes.

Beschlossen wird in Potsdam die Auflösung kriegswichtiger Industrie in Deutschland und das Verfahren über die zu leistenden Reparationszahlungen des Landes. Im Prinzip lautet die Übereinkunft, dass die westlichen Alliierten und die UdSSR ihre Forderungen durch Entnahmen aus den jeweils eigenen Besatzungszonen befriedigen, ohne das Land wirtschaftlich auf längere Sicht zu ruinieren.

"Die Bezahlung der Reparationen soll dem deutschen Volke genügend Mittel belassen, um ohne eine Hilfe von außen zu existieren. Bei der Aufstellung des Haushaltsplanes Deutschlands sind die nötigen Mittel für die Einfuhr bereitzustellen, die durch den Kontrollrat in Deutschland genehmigt worden ist.

Die Einnahmen aus der Ausfuhr der Erzeugnisse der laufenden Produktion und der Warenbestände dienen in erster Linie der Bezahlung dieser Einfuhr."

Ursprünglich sollten die Zahlungen gleichmäßig verteilt werden, die Reparationszahlungen der sowjetischen Zone allerdings fallen schließlich wesentlich höher aus als die Zahlungen aus dem Westen. Schätzungsweise 14 Milliarden Dollar fließen aus dem Osten in die Sowjetunion, was sich später als gravierender Nachteil für die wirtschaftliche Entwicklung der DDR erweisen wird.

Pressefotografen und Reporter

Die Presse wartet gebannt auf die Staatschefs

Territoriale Grundsätze

Bei den in Potsdam beschlossenen territorialen Bestimmungen gaben die Westmächte ihre Zustimmung zur Ausweisung von Deutschen aus osteuropäischen Ländern:

"Die Konferenz erzielte folgendes Abkommen über die Ausweisung Deutscher aus Polen, der Tschechoslowakei und Ungarn:

Die drei Regierungen haben die Frage unter allen Gesichtspunkten beraten und erkennen an, dass die Überführung der deutschen Bevölkerung oder Bestandteile derselben, die in Polen, Tschechoslowakei und Ungarn zurückgeblieben sind, nach Deutschland durchgeführt werden muss.

Sie stimmen darin überein, dass jede derartige Überführung, die stattfinden wird, in ordnungsgemäßer und humaner Weise erfolgen soll."

Statt einer humanen Rückführung allerdings beginnt nach Potsdam der Terror einer brutalen Vertreibung für zwölf Millionen Menschen, von denen viele die Überführung nicht überleben.

Etliche der Potsdamer Artikel waren, vor allem in Bezug auf die territorialen Regelungen, nur provisorisch formuliert, in Hinblick auf einen erwarteten Friedensvertrag mit Gesamtdeutschland. Der kommt in den Nachkriegsjahren aber nicht zustande.

Erst mit Abschluss der "Zwei-plus-Vier-Gespräche" bekommt Deutschland einen Friedensvertrag, der wirksam wird mit dem Auslaufen der alliierten Hoheitsrechte am 3. Oktober 1990.

Grafik: Karte der Besatzungszonen nach dem 2. Weltkrieg

Aus Zonengrenzen werden Staatsgrenzen

Autor: Malte Linde

Weiterführende Infos

Stand: 05.05.2017, 15:00

Darstellung: