Polen

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"Gast im Haus - Gott im Haus" lautet ein alter polnischer Ausspruch. Die Gastfreundschaft der Polen ist sprichwörtlich. Darüber hinaus hat Deutschlands Nachbarland eine Menge zu bieten, das eine Reise wert ist: zerklüftete Gebirge und lange Strände, weite Seenlandschaften und unberührte Wälder, historische Städte, weltberühmte Sehenswürdigkeiten und kulturelle Höhepunkte. Kein Wunder, dass der Tourismus in Polen eine ständig wachsende Branche ist.

Zwischen Urwald, Strand und Gebirge

Platz, um den historische Gebäude stehen. Auf dem Platz sind viele Touristen und Künstler, die ihre Bilder verkaufen.

Die Danziger Altstadt

Wo in Europa kann man noch durch Urwälder streifen? Wo seltenen Vögeln wie Wachtelkönigen, Segenrohrsängern und Kampfläufern begegnen? Wo sind die Seen so groß wie ein kleines Meer und wo die Altstädte jünger als einige ihrer Bewohner? Polen bietet seinen Besuchern eine große Vielfalt: die Ostseeküste mit ihren hellen Sandstränden, die Seenplatten mit ihren fast 10.000 stehenden Gewässern, die hohen Gebirgszüge der Bieszczady und die scheinbar endlosen Wälder, in denen die Polen mit Leidenschaft Pilze suchen gehen.

Das Land ist mit seinen gut 312.000 Quadratkilometern Fläche nur rund ein Zehntel kleiner als Deutschland. Doch leben dort nicht einmal halb so viele Menschen. Insbesondere die Bergregionen dicht an der Grenze zur Ukraine sind kaum bewohnt, einsam und wild. Mehr als 20 Nationalparks schützen die natürliche Landschaft Polens und geben Besuchern mit zusammen 2500 Kilometern Wander-, Reit-, Fahrrad- und Wasserwegen Raum für Aktivurlaub.

Wenn Störche vom Telegrafenmasten grüßen

Die wohl bekannteste Region Polens ist das Land der großen Seen: die Masurische Seenplatte. "Es gibt sichere Hinweise in Masuren angekommen zu sein", schreibt Arno Suminski, gebürtig aus Ostpreußen, im ADAC-Reisemagazin. "Wenn die Kiefernwälder überhand nehmen, die Seen so zahlreich werden, dass man das Zählen vergisst, wenn Störche über die Landstraße streichen und klappernd von Telegrafenmasten grüßen, ist man in Masuren." Naturliebhaber kommen hierher, suchen Erholung, wollen sich bewegen oder beobachten, was die Natur ihnen zu bieten hat.

Ein breiter Fluss fließt vorbei an einer Burganlage.

Masurische Flussidylle mit Marienburg

Im "polnischen Amazonien", den Flussgebieten der Narew und Biebrza, etwa, ist eine einzigartige Vogelwelt zu Hause. Sogar Elchen kann man hier begegnen. Wildpferde, Bären, Wölfe, Biber, Luchse und Wisente leben im "Bialowieski-Nationalpark" in freier Wildbahn. Das Waldgebiet ist der größte europäische Urwald. Einst veranstalteten hier litauische Fürsten, polnische Könige und russische Zaren ihre Jagden. Heute darf man das Gebiet nur noch mit einem Fremdenführer betreten.

Auf Schatzsuche am Strand

Bereits aus dem alten Rom führten Bernsteinstraßen zur Ostsee. Der Schmuckstein aus versteinertem Harz, von dem es an der Ostseeküste besonders reiche Vorkommen gab, sollte jung, gesund und schön halten. Auch bei Fieber, Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen und Magenleiden sollte er helfen. Inwieweit der gelb-braune Stein all diese Fähigkeiten besitzt, ist ungeklärt. Wunderschön sind viele der Schmuckstücke aber in jedem Fall, die überall in Polen aus Bernstein gefertigt und zum Verkauf angeboten werden. An einsamen Stränden der Ostseeküste stehen die Chancen auch heute noch nicht schlecht, selbst kleine Brocken Bernstein zu finden. Die polnische Ostseeküste ist 528 Kilometer lang und auch wegen ihrer zahlreichen Kurorte gut besucht. Junge Leute feiern im Sommer Partys am Strand. Taucher können hier über 20 Schiffswracks betauchen.

Ein älteres Paar sitzt auf einer Bank vor einer niedrigen Mauer, dahinter liegt das Meer.

Erholung pur an der Ostsee-Promenade

Bei Wintersportbegeisterten haben die Skiorte in den polnischen Gebirgen wegen der guten Ausstattung und der verhältnismäßig günstigen Preise einen hervorragenden Ruf. Der Skiort Zakopane hat sich den Beinamen "Winterhauptstadt Polens" erworben. Auf einen Einwohner kommen dort im Jahr rund 300 Touristen.

Stadtjuwele und lebendige Museen

Extrem ist der Unterschied zwischen den grauen Betonklötzen der Vorstädte und den hervorragend restaurierten Altstädten. Dass viele davon lebendige Museen sind, hervorragende Kopien der Originale aus vergangenen Jahrhunderten, erfüllt viele Polen mit Stolz, andere aber auch mit kritischer Distanz. Die meisten Großstädte wie Warschau, Danzig, Breslau, Stettin und Posen lagen am Ende des Zweiten Weltkriegs in Schutt und Asche. Bei Warschau etwa hatte Hitler die totale Zerstörung befohlen. Andere Städte fielen den Kämpfen zwischen den abrückenden deutschen Einheiten und den vorstoßenden sowjetischen Truppen zum Opfer. Nach Kriegsende ließ die Regierung die Innenstädte nach alten Plänen wieder errichten.

Ein großer Platz, über den Menschen bummeln, im Vordergrund Markthallen, im Hintergrund eine Kirche.

Der alte Markt in Krakau

Der zeitgenössische polnische Schriftsteller Tadeusz Konwicki schrieb über die "Neue Welt" in Warschau: "Sie wurde plötzlich, im Verlaufe von zwei oder drei Jahren, zum lebendigen Abbild der Gemälde Canalettos." Des Malers also, dessen Stadtansichten heute im Königsschloss zu bewundern sind. Die einzige Ausnahme bildete Krakau. Die Stadt war bereits für die Sprengung vorbereitet. Doch in letzter Minute vereitelten die Russen das Vorhaben. 5500 heute denkmalgeschützte Gebäude blieben so erhalten. Krakau, nach einem mittelalterlichen Ausspruch "von allen Städten Polens die prächtigste", blieb bis heute ein städtebauliches Juwel.

Salzbergwerk, Kreuzweg und Holzkirchen

Warschau und Krakau zählen zu den insgesamt 13 Stätten, die die Unesco in Polen zum Welterbe erklärt hat. Dazu gehört auch Wieliczka, das älteste noch in Betrieb befindliche Salzbergwerk der Welt. Seit dem 13. Jahrhundert wird hier ununterbrochen Salz gefördert. Kalwaria Zebrzydowska, das zweitgrößte Marienheiligtum Polens mit dem nachgebauten Kreuzweg von Jerusalem, steht ebenso auf der Liste wie die Friedenskirchen Jawor und Swidnica, evangelische Kirchen aus Holz und Lehm.

Eisernes Eingangstor zum Konzentrationslager Auschwitz mit dem Schriftzug 'Arbeit macht frei'.

Unesco-Weltkulturerbe: Konzentrationslager Auschwitz

Auch Auschwitz-Birkenau, das Konzentrations- und Vernichtungslager der Nationalsozialisten, ist heute ein Unesco-Weltkulturerbe. Einige der Konzentrations- und Vernichtungslager, die die Deutschen in Polen während des Zweiten Weltkriegs errichteten, sind heute Gedenkstätten für die Opfer der grausamen Vernichtungsmaschinerie.

Politisierte Kunst und Kultur

Als eine Folge der Teilungen und der Fremdherrschaft, die Polen in seiner Geschichte immer wieder erdulden musste, war die polnische Kunst vielfach hoch politisiert. Schriftsteller, Maler, Regisseure und Komponisten griffen bewusst auf nationale Themen zurück, um ihren Anteil am Überleben Polens als Kulturnation zu leisten. Frédéric Chopin etwa kreierte seine ganz eigene Musiksprache, indem er Elemente der Volksmusik in seine Kompositionen einspann. Der Nationaldichter Adam Mickiewicz, quasi Polens Goethe, verfasste nicht nur romantische Poesie, sondern auch patriotische Dramen. Und Henryk Sienkiewicz schuf nicht nur fesselnde historische Epen, sondern erzählte auch über die großen polnischen Siege.

Ein schwarzer Musiker spielt Trompete.

Musiker beim Warschauer Jazz-Festival

Kunst und Kultur dienten in Polen wie eigentlich überall auf der Welt immer auch dazu, Stellung gegen politische Verhältnisse zu beziehen. Wie anders wäre es etwa zu erklären, dass ein Land, in dem Jazz lange Zeit vom kommunistischen Regime mit Restriktionen belegt war, heute über eine der lebendigsten Jazz-Szenen der Welt verfügt? Jährlich finden in Polen mehr als 40 Jazz-Festivals statt. Das bekannteste darunter ist das Warschauer Jazz-Jamboree, das alljährlich im Kulturpalast stattfindet, also ausgerechnet in dem ungeliebten Wahrzeichen der kommunistischen Ära.

Autor/in: Katrin Lankers

Stand: 19.02.2014, 12:00

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