Rom

Ein großer rechteckiger Platz mit Säulenhallen, Arkaden und einem Triumphbogen. Im Hintergrund zwei Hügel mit Tempelanlagen.

Antike

Rom

Viele verschiedene Einflüsse und Bauherren prägen das Bild des antiken Rom. Die Etrusker und Griechen bringen ihre Kultur, Baukunst und Philosophie in die Stadt am Tiber, die unterworfenen Territorien den notwendigen Tribut, mit dem die Stadt finanziert werden soll.

Stadtgründung aus politischem Kalkül

"Sieben, fünf, drei, Rom kroch aus dem Ei", heißt der Merksatz aus dem Geschichtsunterricht. Gemeint ist das Gründungsdatum 753 vor Christus. Archäologische Forschungen belegen, dass erste Siedlungen aber schon im zehnten Jahrhundert vor Christus auf zwei der sieben Hügel Roms entstanden sind.

Zuerst auf dem Palatin und dem Esquilin. Das Gebiet dazwischen ist sumpfig. 200 Jahre später wird ein weiterer Hügel bebaut: das Kapitol. Aus der Anhäufung ärmlicher Bauernhütten entsteht bis Mitte des 8. Jahrhunderts vor Christus schließlich eine kleine, mit Mauern befestigte Stadt.

Skulptur auf einem Sarkophag: Ein etruskisches Ehepaar

Zivilisation vor den Römern: Die Etrusker

Die Entwicklung zur Stadt ist allerdings nicht, wie es in der Legende heißt, auf Romulus zurückzuführen. Er spielt als erster römischer Herrscher wahrscheinlich keine Rolle. Es sind die Etrusker, die zu dieser Zeit über Mittelitalien herrschen und Rom zum strategischen Mittelpunkt Mittelitaliens ausbauen. Sie gestalten die Stadt nach eigenem und nach griechischem Vorbild.

Die etruskischen Herrscher bauen die sogenannte Cloaca maxima, ein Kanalisationssystem, um das Sumpfgebiet zwischen den Hügeln trockenzulegen und legen zu dieser Zeit schon den Hauptplatz der Stadt, das spätere Forum Romanum an. Es wird zum Ort der Heiligtümer, der Versammlungen und der Rechtsprechung.

Zentrum des Römischen Reiches

Auch in den nächsten Jahrhunderten wird die Stadtentwicklung nicht wie anderswo durch das florierende Handwerk und den Handel bestimmt, sondern durch die Politik. Rom ist größtenteils eine rein repräsentative Stadt, finanziert durch Kriegsbeute und Tribute.

Das ändert sich auch nicht mit der Vertreibung des letzten etruskischen Königs Tarquinius Superbus um 510 vor Christus. Rom wird nun Republik: Konsulat, Senat und Volksversammlungen bestimmen für Jahrhunderte die Politik.

In einer Landschaft mit Pinien und Mauerresten liegt die schnurgerade, mit großen rundlichen Steinen gepflasterte antike Strasse.

Wichtigste Fernstrasse der römischen Antike: Via Appia

Durch eine systematische Expansionspolitik werden immer mehr Gebiete in Italien unterworfen. Die Stadt Rom ist dabei der politische, gesellschaftliche und kulturelle Mittelpunkt eines immer größer werdenden Römischen Reiches.

Für den Ausbau der Metropole aber fließen die Gelder nach wie vor aus den unterworfenen Gebieten. Im Jahr 433 vor Christus wird auf dem Marsfeld der Apollo-Tempel errichtet und unterhalb des Palatin der Circus Maximus, zunächst noch als eine große Wiese, die von hölzernen Tribünen umrahmt ist.

Das Straßennetz wird ausgebaut: Die Via Sacra, an der man bis dahin die Toten bestattet hat, wird bis zum Forum Romanum weitergeführt und endet am Kapitol. Als Achse verbindet sie nun die wichtigsten Stadtzentren.

Das Forum Romanum wird zum Mittelpunkt der sternförmigen Ausfallstraßen. Die berühmteste, die Via Appia, führt Richtung Südosten bis ins heutige Apulien. 312 vor Christus wird das erste, 17 Kilometer lange Aquädukt gebaut. Ein Großteil der Bevölkerung wird jetzt nicht mehr mit dem verschmutzten Wasser des Tiber versorgt, sondern mit frischem Quellwasser.

Ein einheitliches römisches Stadtbild gibt es nicht, es ändert sich laufend. Die Stadt wird ständig saniert, alte Bauwerke werden abgerissen oder einfach überbaut. Die "ewige Stadt" ist in der Antike einer stetigen Modernisierung unterworfen.

Straßen, Brücken, Häfen und Kunstraub

Um 270 vor Christus wächst die politische und wirtschaftliche Bedeutung Roms zunehmend. Das zeigt sich im Bau neuer Anlagen und Gebäude. Auf dem Kapitol wird der Tempel der Juno Moneta mit einer Prägewerkstatt für Münzen errichtet.

Unbefestigte Straßen werden gepflastert und Brücken über den Tiber gebaut. Markthallen werden errichtet. Ein Staatsarchiv, das sogenannte Tabularium, entsteht auf dem Forum Romanum. Am Forum Boarium wird ein Handelshafen ausgebaut und am Marsfeld ein Kriegshafen.

Rekonstruktion des Kapitols mit Jupiter-Tempel.

Rekonstruktion des Kapitols mit Jupiter-Tempel

Repräsentative Gebäude werden von griechischen Architekten gebaut, wie zum Beispiel der erste Tempel aus Marmor, der den Göttern Jupiter Stator und Juno Regina gewidmet ist.

Da man den heimischen Marmor bei Carrara noch nicht entdeckt hat, importiert man das edle Material auf dem Seeweg aus dem eroberten Griechenland. Bei dieser Gelegenheit werden gleich etliche griechische Kunstwerke nach Rom verschleppt. Zum Wiederaufbau des ausgebrannten Jupiter-Tempels auf dem Kapitol werden sogar die Originalsäulen des Olympion aus Athen entwendet.

Mietskasernen, Zweck- und Prachtbauten

Mit den Eroberungen in Griechenland und Kleinasien wächst die Stadt um 200 vor Christus rapide an. Erste Mietskasernen entstehen. Hundert Jahre später plagen bereits sanitäre und verkehrstechnische Probleme die Stadt. Dazu kommen Brände, Hungersnöte, Überschwemmungen des Tiber und Wohnungsknappheit. Bau- und Mietspekulation verschlimmern die Situation.

Ein großes Eckhaus mit vier Etagen und zwölf Fenstern zur Vorderfront. Das Dach hat eine geringe Schräge. An das Gebäude schließt sich ein Platz und ein Gebäude mit Arkaden an.

Römisches Mietshaus aus dem ersten Jahrhundert nach Christus

Der römische Kaiser Cäsar versucht Mitte des ersten Jahrhunderts vor Christus, die Probleme durch Gesetze zu lösen. Pflasterung, Reparatur und Reinigung der Straßen werden geregelt. Die Nahrungsmittelversorgung wird sozial gerecht verordnet. Geringe Mieten werden für ein Jahr gestrichen, Mietzinsen generell gesenkt.

Die Verherrlichung der eigenen Person kommt bei so viel Sozialengagement aber dennoch nicht zu kurz. Feldherren wie Sulla, Pompeius und Cäsar lassen ihre Ruhmestaten durch repräsentative Prachtbauten verewigen.

Caesar lässt zum Beispiel neben dem Forum Romanum ein großes Gelände aufkaufen, um dort sein Forum Julianum zu bauen. Diese sogenannten Kaiserforen werden Tradition. Am prächtigsten erscheint das Forum des Trajan, das als letztes Kaiserforum 143 nach Christus fertig gestellt wird.

Stadtsanierung nach Cäsarenart

In der Regierungszeit von Kaiser Augustus zwischen 31 vor und 14 nach Christus soll die Stadt ein neues Gesicht bekommen. Der Kaiser reformiert die Verwaltung der Stadt, indem er sie in 14 Stadtviertel gliedert. Eine Berufsfeuerwehr wird aufgestellt und eine Wachtruppe von mehreren tausend Mann. Der Tiber wird reguliert, um die Überschwemmungsgefahr zu bannen.

Gemälde: Ein viergeschossiger elliptischer Bau mit einem arkadenartigen Basisbereich. Darüber in drei Etagen bogenförmige Fensteröffnungen.

Prachtwerk aus römischem Beton

Die sanitären Verhältnisse werden verbessert: Es entstehen erste öffentliche, beheizte Thermen. Für die geistige Bildung werden öffentliche Bibliotheken eingerichtet. Die Gebäudehöhe der Mietskasernen wird auf 20 Meter begrenzt. Schlachtvieh darf nur nachts durch die Straßen getrieben werden, um Verkehrsstaus zu verhindern.

Auch privater Wagenverkehr ist tagsüber verboten. Nur Baumaterial für öffentliche Gebäude darf transportiert werden. Der Circus Maximus wird im ersten Jahrhundert nach Christus erweitert. Jetzt bietet er rund 250.000 Zuschauern Platz, um Pferde- und Wagenrennen zu sehen. Ab 80 nach Christus können Gladiatorenkämpfe im Kolosseum auf rund 50.000 Plätzen verfolgt werden.

Kaiser Augustus rühmt sich, eine Stadt aus Lehmziegeln vorgefunden, aber eine aus Marmor hinterlassen zu haben. Tatsächlich lässt er 82 vorhandene Tempel restaurieren und mit Marmor verkleiden, aber der größte Teil der Bebauung ist nach wie vor aus Holz, wie der römische Geschichtsschreiber Publius Cornelius Tacitus berichtet. Der Vorteil: Holz sei leicht zu beschaffen, zu transportieren und zu bearbeiten.

Gemälde: Menschen retten sich aus der brennenden Stadt über eine Brücke in ein Boot.

Rom in Brand im Jahr 64 nach Christus

Der Nachteil: Holz brenne schnell und die Brände dehnten sich rasch aus. In der Tat: Die Mietskasernen sind nur in den unteren Etagen aus Stein gebaut, mit Anschluss an das Wasser- und Kloakensystem. Die oberen Stockwerke sind aus statischen Gründen in leichter Holzbauweise daraufgesetzt. Man lebt in ständiger Feuergefahr.

Kein Wunder, dass Nero im Jahr 64 nach Christus Gerüchten zufolge Rom so leicht in Brand stecken lassen kann. Sechs Tage lang steht die Stadt in Flammen. Von den 14 Stadtvierteln werden drei bis auf den Grund zerstört, sieben werden zu Brandruinen.

Sein vermeintlicher Hintergedanke: Er will die Stadt nach eigenen Plänen neu gestalten und dabei für mehr Sicherheit sorgen. Tatsächlich ordnet er die Verbreiterung der Straßen an, schreibt die Verwendung von feuerfesten Baustoffen und die Einhaltung von Häuserabständen vor.

Bestandsaufnahme öffentlicher Einrichtungen

In einem überdachten Säulengang sitzen Menschen auf einer langen steinernen Bank mit Löchern. Es gibt keine Trennwände dazwischen.

Öffentliche Latrine am Rande des Forums

In der Zeit Kaiser Konstantins, von 306 bis 335 nach Christus, hat Rom seine größte Ausdehnung erreicht. Es gibt elf Aquädukte mit einer täglichen Kapazität von mehr als einer Million Kubikmetern Wasser. Bei rund einer Million Einwohner ist das ein täglicher Pro-Kopf-Verbrauch von mehr als tausend Litern: genutzt für 1352 öffentliche Wasserstellen, 856 kleine Bäder und elf Thermen.

Es gibt 254 Großbäckereien, 290 Lagerhäuser, 1790 private Wohnhäuser, 46.602 Mietshäuser, acht große Plätze, elf Foren, acht Brücken, 190 Getreidespeicher, 254 Mühlen, 28 öffentliche Bibliotheken, 22 Zirkusanlagen, zwei Amphitheater, drei Theater, 36 Triumphbögen und 46 Bordelle.

Doch Rom hat längst nicht mehr die politische Bedeutung wie zu Zeiten von Kaiser Augustus. Die Dekadenz der oberen Schichten, innenpolitische Machtkämpfe und zahlreiche selbstsüchtige oder schwache Kaiser haben die Stadt heruntergewirtschaftet. Spätestens als Kaiser Konstantin im Jahr 330 seine Residenz nach Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, verlegt, beginnt der Niedergang der antiken Weltmetropole.

Weiterführende Infos

Autor/in: Bärbel Heidenreich

Stand: 20.01.2015, 12:00

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