Konstantin der Große – Der erste christliche Kaiser

Büste von Kaiser Konstantin.

Christentum

Konstantin der Große – Der erste christliche Kaiser

Er ist als erster christlicher Kaiser in die Geschichte eingegangen und war eine der faszinierendsten, aber auch widersprüchlichsten Figuren des Abendlandes. Denn Konstantin der Große war der erste christliche Kaiser. Historiker sehen in ihm aber auch einen machthungrigen Politiker und rücksichtslosen Herrscher. Auch wenn die Motive von Konstantin bis heute nicht endgültig geklärt sind: Fest steht, dass er dem Christentum den Weg bereitet hat.

Schwieriger Start

Als Konstantin um das Jahr 280 im heutigen Serbien als möglicherweise uneheliches Kind geboren wurde, deutete nicht viel darauf hin, dass er einmal ein mächtiger Mann werden würde. Sein Vater Constantius Chlorus diente als Offizier im römischen Herr, seine Mutter Helena arbeitete wahrscheinlich als Magd.

Das Römische Reich wurde zu dieser Zeit wegen seiner Größe von vier Kaisern beherrscht (Tetrarchie). Constantius Chlorus, der Vater von Konstantin, diente sich im Heer nach oben, wurde zum Unterkaiser (Caesar) ernannt und verwaltete schließlich Gallien und Britannien.

293 kam Konstantin an den Hof von Diokletian nach Nikomedia (heute Ìzmit) in die heutige Türkei und wurde zum Offizier ausgebildet. Dort wurde er wahrscheinlich gegen seinen Willen festgehalten, denn es gab immer wieder Rivalitäten zwischen den einzelnen Herrschern. So sollte verhindert werden, dass Constantius Chlorus zu viel Macht an sich riss. Möglich ist aber auch, dass Konstantin aus pädagogischen Gründen dort untergebracht wurde.

Zwölf Jahre später floh er zu seinem Vater ins heutige England. Dort starb Constantius Chlorus im Jahre 306. Konstantin ließ sich von den Truppen, die hinter ihm standen, zum Kaiser des weströmischen Reiches ausrufen.

Dabei war er nach den Gesetzen der Tetrarchie eigentlich nicht der legitime Nachfolger. Denn das Amt des Kaisers wurde offiziell nicht an dem Sohn vererbt. Konstantin manifestierte seine Macht, indem er geschickt Allianzen schmiedete. Ein taktischer Schachzug war unter anderem die Ehe mit Fausta, einer der Töchter von Maximianus Herculeus, der zu dieser Zeit Kaiser von Rom war.

Konstantin kämpft um die Macht

Im Jahr 309 hatte das römische Imperium vier Kaiser: Im Osten regierte Galerius Maximus, im Westen herrschten Licinius und Konstantin und in Rom Maxentius. Auch Maxentius, der Sohn von Maximianus Herculeus, war wie Konstantin kein legitimer Kaiser nach tetrarchischem Recht.

311 starb Galerius, der ohne Nachfolger blieb. Doch einer von mehreren Herrschern zu sein, reichte Konstantin nicht. Er wollte das Reich allein regieren. Um sein Ziel zu erreichen, zog er im Jahr 312 nach Rom, das damals hinter dicken Festungsmauern lag.

Nach einer legendären und eigentlich aussichtslosen Schlacht an der Milvischen Brücke siegte er mit seinen Truppen gegen seinen Konkurrenten Maxentius. Vor dem Kampf soll Konstantin eine Vision gehabt haben. Demnach sei ihm am Himmel das Kreuz erschienen, das er daraufhin auf die Fahnen seiner Truppen aufbringen ließ.

Nach dem Sieg soll Konstantins sich auf den Christengott berufen haben. Er habe ihm den nötigen Beistand gegeben, so die Legende, die für viele Historiker allerdings unglaubwürdig ist. Denn ein heidnisches Heer sei zu dieser Zeit wahrscheinlich nicht bereit gewesen, im Namen des Christentums zu kämpfen.

In jedem Fall hatte Konstantin einen seiner härtesten Konkurrenten besiegt und musste sich die Macht von 313 an nur noch mit Licinius teilen, der über das oströmische Reich herrschte.

Licinius und Konstantin verabschiedeten das Mailänder Toleranzedikt. In diesem ließen sie festschreiben, dass der christliche Glauben mit dem römischen Glauben an viele Götter (Polytheismus) gleichgestellt wurde. 324 besiegte Konstantin auch Licinius und wurde alleiniger Herrscher des römischen Imperiums.

Gemälde von der Schlacht an der Milvischen Brücke.

Konstantin gewann die Schlacht an der Milvischen Brücke

Gläubiger Christ oder Machtpolitiker?

Es lässt sich nur schwer sagen, ob Konstantin im Laufe seines Lebens wirklich zum gläubigen Christen wurde. Möglicherweise hatte auch seine Mutter, die sich 312 zum Christentum bekannt haben soll, Einfluss auf ihren Sohn genommen.

Auch der christliche Rhetoriklehrer Lactantius war mit Konstantin bekannt. Allerdings wurde Religion zu Zeiten Konstantins anders interpretiert als heute. Der Glaube war damals keine Frage der inneren Überzeugung, sondern diente dem Staat als Überbau.

Möglicherweise wollte Konstantin mit seiner Hinwendung zum Christentum dazu beitragen, seine Macht zu manifestieren, indem er seinem Reich einen einheitlichen Glauben "verordnete". Denn die Christen im römischen Imperium hatten trotz aller Verfolgungen ihren Glauben nicht aufgegeben.

Sicher ist, dass in Konstantins Leben christliche Werte keine große Rolle gespielt haben. So soll er unter anderem für den gewaltsamen Tod seiner Frau, seines Sohnes, seines Schwagers und seines Schwiegervaters verantwortlich gewesen sein.

Doch dass Konstantin dem Christentum den Weg bereitet hat, steht außer Frage: Er stellte die christliche Religion mit dem Vielgötterglauben der Römer gleich. Außerdem räumte er den Bischöfen richterliche Befugnisse ein und legte den Sonntag als Feiertag fest. Und er gab den Christen Friedhöfe und Kirchen zurück, die ihnen die römischen Herrscher während der zahlreichen Verfolgungen weggenommen hatten.

Aus Byzanz wird Konstantinopel

Zu Konstantins Vermächtnis gehören auch viele Gotteshäuser, darunter so berühmte Bauwerke wie die Grabeskirche in Jerusalem. Wo sie steht, soll Jesus einst gekreuzigt worden sein. Die meisten Kirchen entstanden über den Gräbern von Märtyrern, darunter auch eine Basilika über der letzten Ruhestätte des Apostels Petrus, der spätere Petersdom.

Konstantin verfolgte noch ein weiteres Projekt. Weil er nicht in Rom residieren, sondern sich mit einer eigenen Stadt ein Denkmal setzen wollte, ging er nach Byzanz und gab der Stadt den Namen Konstantinopel. Auch dort, im heutigen Istanbul, ließ er Kirchen und andere Bauten errichten und wollte sich so unsterblich machen.

Im Jahr 337 starb Konstantin der Große, wie er auch genannt wurde, in Nikomedia. Glaubt man christlichen Quellen, so soll er auf seinem Totenbett den Bischof gerufen haben, um sich taufen zu lassen. Warum er sich erst kurz vor seinem Tod dazu entschieden haben soll, ist nicht überliefert.

Die Grabstätte des Kaisers liegt unter der Apostelkirche in Konstantinopel. Allerdings verschwanden seine sterblichen Überreste, als die Türken 1453 die Stadt eroberten. Heute wird Konstantin wegen seiner umstrittenen Geschichte ausschließlich in der Orthodoxen Kirche als Heiliger verehrt.

Die Grabeskirche in Jerusalem.

Die Grabeskirche in Jerusalem

Autorin: Christiane Tovar

Stand: 14.09.2017, 14:00

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