Auschwitz

Drittes Reich

Auschwitz

Der Name "Auschwitz" ist Symbol geworden für die bis heute unfassbare fabrikmäßige Ermordung von Menschen. Von 1940 an bauen die Nationalsozialisten vor den Toren der polnischen Stadt Oswiecim ein riesiges Konzentrationslager. Dieses KZ wird Schauplatz des organisierten Massenmordes an den europäischen Juden. Nur wenige der in Auschwitz Inhaftierten haben überlebt.

Die Stadt Auschwitz früher und heute

Auschwitz ist der deutsche Name der polnischen Kleinstadt Oswiecim, die zwischen Kattowitz und Krakau liegt. Die Stadt hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Sie gehörte mal zu Deutschland, mal zu Österreich, mal zu Polen. Juden siedelten schon früh in Oswiecim. Die jüdische Gemeinde prägte über lange Zeit das Leben in der Stadt mit. Diese Welt ist für immer verloren gegangen.

Als Deutschland 1939 Polen angriff, war die Hälfte der Bevölkerung Oswiecims Juden. Heute gibt es in Oswiecim keine jüdische Gemeinde mehr. Auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers wurde 1947 auf Initiative überlebender Häftlinge das "Staatliche Museum Auschwitz-Birkenau" gegründet. Auch wenn die Deutschen noch kurz vor der Befreiung des Lagers alle Spuren zu verwischen wollten - zahlreiche Beweise und Zeugnisse ihrer Vernichtungsmaschinerie sind erhalten geblieben.

Auschwitz ist nicht das erste Konzentrationslager, das die Deutschen errichten. Dachau, Sachsenhausen, Buchenwald, Flossenbürg, Mauthausen und Ravensbrück existieren schon, als 1940 mit dem Bau von Auschwitz begonnen wird. Jüdische Bewohner aus Oswiecim werden gezwungen, das Lager aufzubauen. Zunächst ist es als Gefangenenlager für politische Gegner aus den eroberten Gebieten geplant.

Als Lagerkommandant ernennt Heinrich Himmler den SS-Hauptsturmführer Rudolf Höß, der vorher schon Blockführer in Dachau und Schutzhaftlagerführer in Sachsenhausen war. Unter seiner Leitung wird die Vernichtung der Juden systematisch betrieben. Doch schon lange bevor Auschwitz zum Massenvernichtungslager wird, ermorden Einsatzgruppen rücksichtslos Juden, Sinti, Roma und Kommunisten. Millionen von Menschen werden so im Laufe der folgenden Jahre ermordet oder sterben unter den katastrophalen Bedingungen in den Ghettos und bei Arbeitseinsätzen.

Das Zentrum der Vernichtung

Seit dem Kriegsbeginn gegen die Sowjetunion im Sommer 1941 treiben die Nationalsozialisten die "Endlösung der Judenfrage" voran. Auschwitz wird ausgebaut: Ein zweites Lager entsteht im drei Kilometer entfernten Birkenau. Auschwitz soll das Zentrum der Vernichtung werden. Insgesamt besteht Auschwitz aus drei Haupt- und über 40 Nebenlagern.

Neu angekommene Häftlinge haben auf der Todesrampe im KZ Auschwitz Aufstellung genommen. Links Frauen und Kinder, rechts die Männer. Im Hintergrund sind Gleisanlagen und Gebäude hinter Stacheldraht zu sehen.

Die Todesrampe im KZ Auschwitz

Die ersten Gaskammern werden 1942 gebaut. Etwa 80 Prozent der aus ganz Europa nach Auschwitz deportierten Menschen werden direkt in die Gaskammern geschickt. Nur diejenigen, die noch "verwertet" werden können, werden aussortiert: Wer noch arbeiten kann, wird zur Arbeit gezwungen. In den nahe gelegenen Buna-Werken, beim Bau neuer Straßen, Krematorien oder Siedlungen sterben die meisten der Arbeiter innerhalb weniger Monate unter den katastrophalen Arbeitsbedingungen.

Das Leben im Lager

"Man kann es eigentlich nicht in Worte fassen, denn es dürfte so etwas nicht geben und niemals gegeben haben", sagt eine Überlebende. "Das Schlimmste für mich persönlich war die konstante menschliche Erniedrigung, das, was den Menschen vom Tier normalerweise unterscheidet - beziehunsgweise einem Tier ist es bedeutend besser gegangen als einem Menschen ... man hat uns einfach wie Dreck und Ausschuss behandelt."

Blick in eine Holzbaracke mit Etagenbetten im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau.

Eine ehemalige Unterkunft für Häftlinge

Die Unterkünfte waren Baracken und ehemalige Pferdeställe, in die Menschen zu Tausenden gepfercht wurden. Die Enge, fehlende Hygiene, Hunger und Kälte führten zu Krankheiten und Epidemien. Täglich starben Menschen in den Häftlingsunterkünften. Die Überlebenden waren umgeben von Sterbenden und Leichen. Wer Schwäche zeigte, wurde schikaniert. Wenn er nicht von allein starb, wurde er zum Sterben aussortiert.

Viele Häftlinge wurden für Experimente missbraucht: Ärzte, die in Auschwitz arbeiteten, führten Frauen chemische Mittel ein, um neue Methoden der Sterilisation zu testen. Die meisten starben daran. Die Überlebenden wurden getötet, um ihre Leichen zu untersuchen. Zwillingspaare und Menschen mit angeborenen Anomalien wurden vermessen, Experimenten ausgesetzt und ebenfalls getötet, um die toten Körperteile weiter zu untersuchen oder für Demonstrationszwecke zu konservieren.

Schwarz-Weiß-Bild eines Gebäudes in Auschwitz, das von zwei Stacheldrahtzäunen und einer Mauer umgeben ist

Das Lager von Auschwitz

Ungeachtet dieser Grausamkeiten führten die Täter in Auschwitz ein geradezu gespenstisch normales Leben: Das Personal, die Ärzte, die Kommandanten und SS-Bewacher gingen nach ihrer Schicht nach Hause zu ihren Familien, um Abendbrot zu essen und mit den Kindern zu spielen. In der SS-Siedlung gab es ein Kaffeehaus, ein Schwimmbad, eine Bibliothek, Kindergärten, Schulen und verschiedene Veranstaltungen zur Unterhaltung der deutschen SS-Familien. Im Haushalt der Familien arbeiteten nicht selten KZ-Häftlinge als Gärtner oder Dienstboten.

Die Befreiung

Während der ganzen Jahre versuchte die SS ihr grausames Treiben geheim zu halten. Als im Juli 1944 sowjetische Truppen das weiter im Osten gelegene Lager Majdanek befreiten, löste die SS das Lager Auschwitz auf. Damals lebten dort etwa 155.000 Menschen. Die Hälfte von ihnen wurde in andere Lager weiter im Westen gebracht. Auf den "Todesmärschen" nach Mauthausen, Sachsenhausen, Bergen-Belsen oder in andere Lager starben die meisten von ihnen.

In Auschwitz wurden erst im November die Vernichtungsaktionen endgültig eingestellt. Noch im Oktober 1944 wurden 40.000 Menschen vergast. Die anderen wurden gezwungen, die Spuren der Vernichtungsmaschinerie zu beseitigen. Doch nicht alles wurde zerstört. Brauchbares Material der Krematorien wurde zu anderen Lagern im Westen transportiert.

Ein hölzerner Wachturm vor einem Stacheldrahtzaun. Im Hintergrund stehen mehrere flache lange Ziegelbauten.

Teile des Lagers sind noch erhalten

Mitte Januar 1945 begannen die letzten Todesmärsche von Auschwitz in Richtung Westen. Auch die Wachmannschaften verließen nun allmählich das Lager, unter ihnen der für seine brutalen medizinischen Experimente berüchtigte Josef Mengele. Als sowjetische Truppen am 27. Januar 1945 Auschwitz befreiten, lebten dort noch etwa 7000 Häftlinge. Viele von ihnen so schwach, dass sie nach der Befreiung starben.

Autorin: Sine Maier-Bode

Stand: 26.10.2015, 11:14

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