Adolf Hitler

Adolf Hitler

Diktatoren

Adolf Hitler

Adolf Hitler bestimmte wie kein anderer die Geschichte des 20. Jahrhunderts auf schreckliche Weise. Doch wie wurde er zum nationalsozialistischen Diktator, der die Welt mit einem verheerenden Krieg und dem Holocaust in eine Katastrophe stürzte? Ein Blick auf seinen Lebenslauf verrät, wie Hitler ziellos durch Kindheit und Jugend irrte und schließlich einen Halt in der nationalsozialistischen Ideologie fand – wie er die Nazi-Partei gründete und seinem Leben 1945 ein Ende setzte.

Zielloses Leben

Unzählige Artikel, Schriften und Bücher beschäftigen sich mit dem Phänomen Adolf Hitler. Zu den bedeutendsten gehören die Werke von Joachim C. Fest ("Hitler"), Alan Bullock ("Hitler: Eine Studie über Tyrannei") und Ian Kershaw ("Hitler 1889-1936", "Hitler 1936-1945").

Will man, wie Bullock es nennt, "eine der rätselhaftesten und ungewöhnlichsten Karrieren der modernen Geschichte" verstehen, muss man den Lebensweg des späteren Diktators genauer betrachten. Allerdings deutete anfangs nichts darauf hin, dass es ihm gelingen sollte, einmal die Geschicke der Welt zu bestimmen. Die ersten dreißig Lebensjahre nennt Fest deshalb "ein zielloses Leben".

Hitler beim Picknick

Wie wurde Adolf Hitler zum Diktator?

Dieses begann am 20. April 1889: Adolf Hitler erblickte im österreichischen Braunau am Inn das Licht der Welt. Er wuchs zusammen mit seiner Schwester Paula und den beiden Halbgeschwistern Alois und Angela zusammen auf. Hitlers Mutter Klara war eine einfache Frau, die bei ihrem späteren Mann Alois Hitler als Hausgehilfin tätig war.

Da dieser als uneheliches Kind geboren wurde, trug er fast 40 Jahre lang den Nachnamen Schicklgruber. Zwei Brüder kamen als Vater in Frage: Johann Nepomuk Hüttler und Johann Georg Hiedler – ihr Familienname ist wahrscheinlich tschechischen Ursprungs und in der Heimatregion Hitlers in verschiedenen Abwandlungen zu finden.

Bei Alois' Namensänderung kam es offenbar zu einem Fehler, da als neuer Nachname Hitler eingetragen wurde. Interessant dabei: Adolf Hitler selbst wusste nie, wer sein Großvater war – und es hielten sich Gerüchte, dass sein Vorfahr Jude gewesen sein könnte, was heute jedoch als widerlegt gilt. Alois Hitler war Zollbeamter und mit Klara in dritter Ehe verheiratet. Er starb 1903, sie vier Jahre später.

Scheitern in der Schule

Adolf Hitler besuchte durch die vielen Umzüge, die der Beruf seines Vaters mit sich brachte, mehrere Grundschulen, in denen er gute Noten bekam. Als er dann die Realschule in Linz besuchte, verschlechterten sich seine Noten drastisch, er blieb mehrmals sitzen und wechselte die Schule. Aber auch das half nicht: "Aus Unlust und launischer Verwöhntheit" (Fest) gab Hitler auf.

Hitler mit seinen Eltern.

Adolf Hitler und seine Eltern

Jedoch hatte er an der Bildungseinrichtung in Linz eine entscheidende Prägung erfahren: In ihrer nationalgesinnten Atmosphäre unterrichtete Dr. Leopold Pötsch Geschichte. Auf den jungen Adolf Hitler hatte die Beredsamkeit Pötschs offenbar Eindruck gemacht, so Fest: "… der Affekt gegen die Donaumonarchie mit ihrem Völker- und Rassengemisch sowie die antisemitische Grundhaltung Hitlers kamen zweifellos von dort her."

Nachdem er die Realschule ohne Abschluss verlassen hatte, wollte er sein Leben der Kunst widmen. Seine Mutter erhielt eine großzügige Pension, sodass Hitler keine Notwendigkeit sah, einer geregelten Arbeit nachzugehen. Stattdessen wohnte er zusammen mit der Mutter in Linz. Dort beschäftigte er sich 1905 erstmals mit völkischer Lektüre.

Die drei Schlüsselfiguren

Mit einem seiner Vorbilder kam Hitler schon als Jugendlicher in Berührung: Er ging gerne in die Oper und war besonders begeistert von Richard Wagners Werken. 1907 zog er nach Wien und bewarb sich an der dortigen Akademie der Bildenden Künste, allerdings ohne Erfolg. Nach dem Tod der Mutter ging er kurz zurück nach Linz, kehrte aber Anfang 1908 wieder zurück nach Wien, wo er sich erneut an der Akademie bewarb und wieder nicht angenommen wurde.

Adolf Hitler liest.

Adolf Hitler bei der Lektüre

Mit dem Erbe von Vater und Mutter sowie seiner Waisenrente konnte er jedoch gut leben, ohne regelmäßig zu arbeiten – allerdings nur für begrenzte Zeit, weshalb er 1909/1910 gezwungen war, in Obdachlosen- und Männerwohnheimen zu leben. Gelegentlich verdiente er Geld durch die Verkäufe seiner Zeichnungen und Aquarelle.

In dieser Zeit las er verstärkt antisemitische Schriften und beschäftigte sich intensiv mit den, wie Fest es formuliert, "drei ideologischen Schlüsselfiguren seiner Formationsjahre": dem Gründer der "Alldeutschen Bewegung", Georg von Schönerer, dem Wiener Bürgermeister Dr. Karl Lueger und dem Komponisten Richard Wagner.

Mit Letzterem verband ihn ein ähnlicher Lebenslauf, beispielsweise die zumindest damals unbekannte Identität seiner Vorfahren, das Scheitern in der Schule sowie der Judenhass. Lueger hatte ebenfalls antisemitische Ansichten, die er wortgewaltig wie ein Volkstribun verkündete.

Und Georg von Schönerer beeindruckte Hitler mit dem Programm der Alldeutschen Bewegung: Der Antisemit trat dafür ein, aus dem Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn eine Nation zu machen, in der nur deutschsprachige Menschen lebten und die sich dem Deutschen Reich anschloss.

Von Schönerers Unterstützer redeten ihn mit "Führer" an und begrüßten sich mit "Heil"-Rufen. Die Publizistin Hannah Arendt ordnete ihn als "geistigen Vater" des späteren Diktators ein.

Krieg als positives Erlebnis

1913 zog Hitler nach München – wohl auch, um sich der österreichischen Wehrpflicht zu entziehen. Allerdings wurde er dort von der Polizei aufgespürt. Bei seiner Musterung in Österreich wurde er jedoch als waffenunfähig eingestuft. 1914 meldete er sich – obwohl er zum damaligen Zeitpunkt noch Österreicher war und erst 1932 die deutsche Staatsbürgerschaft erhielt – freiwillig zum Kriegsdienst in der Bayerischen Armee.

Adolf Hitler im Ersten Weltkrieg.

Adolf Hitler im Ersten Weltkrieg (1. Reihe, links)

Für Kershaw war klar ersichtlich, dass sich Hitler 1914 erstmals in seinem Leben vollständig einer Sache verschrieben hatte. Oder wie Fest schreibt: "Der Krieg war, im Gegensatz zu den verletzenden Erfahrungen der zurückliegenden Jahre, Adolf Hitlers großes positives Bildungserlebnis."

Er blieb bis 1920 bei der Reichswehr und nahm nach dem Ersten Weltkrieg an Kursen für Propagandazwecke teil, bei denen sich sein rednerisches Talent zeigte. Unterrichtet wurde er in diesem Rahmen von deutschnationalen, alldeutschen und antisemitischen Gelehrten, zu denen auch Gottfried Feder gehörte, der offenbar den Grundstein zu Hitlers Drang gelegt hatte, eine neue Partei zu gründen.

Das geschah dann auch recht schnell: Als Verbindungsmann einer Aufklärungsabteilung der Reichswehr musste Hitler politische Gruppierungen überwachen und stieß so auf die Deutsche Arbeiterpartei (DAP), bei der er schließlich eine politische Heimat fand:

Zu ihren Zielen gehörte die Ablehnung der Demokratie, der Hass auf Juden und Marxisten, außerdem Vergeltung für den Versailler Vertrag. Als Mitglied trainierte Hitler auf Parteiveranstaltungen seine Rhetorik und zog dabei das Publikum in seinen Bann.

Er arbeitete an einem 25-Punkte-Programm für die Partei mit, die am 24. Februar 1920 in Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) umbenannt wurde. Im Jahr darauf bekam er als ihr neuer Vorsitzender umfassende Machtbefugnisse – sein politischer Weg zur Machtergreifung begann (siehe Artikel "Die Basis für Hitlers Weg zur Macht" in diesem Dossier).

Auf dem Weg zur Macht

1923 herrschte durch linke Umsturzversuche, Inflation und separatistische Bestrebungen Chaos in der Weimarer Republik. Hitler sah den richtigen Zeitpunkt gekommen, um die Macht zu ergreifen.

Am Abend des 8. November 1923 stürmte er mit seinen Anhängern eine Versammlung im Münchner Bürgerbräukeller, an der der bayerische Generalstaatskommissar Gustav von Kahr und mehrere Minister teilnahmen. Zwar erhielt er die Zusage von Kahrs, dass dieser sich an einer von Hitler geführten Regierung beteiligen wolle. Stunden später widerrief von Kahr diese Zusage.

Hitler in Festungshaft.

Hitler in Festungshaft

Am nächsten Tag wollte Hitler mit Tausenden seiner Anhänger doch noch den Umsturz durchsetzen. Allerdings vereitelte die bayerische Polizei diese Pläne, indem sie die Putschisten nahe der Feldherrnhalle mit Waffengewalt anhielt. Hitler flüchtete und wurde zwei Tage später festgenommen. Zusammen mit weiteren Teilnehmern des Putsches wurde Hitler im Februar 1924 wegen Hochverrats angeklagt und zu fünf Jahren Festungshaft verurteilt.

In der Festung Landsberg verfasste er den ersten Band seiner Schrift "Mein Kampf", in der er detailliert seine antidemokratischen und antisemitischen Ideologien und Pläne für den Fall seiner Machtergreifung darlegte – 1926 erschien Band 2.

Schon Ende 1924 wurde er vorzeitig aus der Haft entlassen. 1925 wurde die nach dem Putschversuch verbotene NSDAP neu gegründet. Bei der Reichstagswahl 1928 erhielt die Partei nur 2,6 Prozent der Stimmen, von 1929 an bekam sie jedoch verstärkt Zulauf, da die Weimarer Republik durch die Weltwirtschaftskrise ins Wanken geriet.

1931 empfing Reichspräsident Paul von Hindenburg Hitler zum ersten Mal zu einem Gespräch, nachdem sich die NSDAP bei den Wahlen 1930 zur zweitstärksten Partei entwickelt hatte. Am 13. März 1932 entfielen im ersten Wahlgang zur Reichspräsidentenwahl 30,2 Prozent der Stimmen auf Hitler, im zweiten Wahlgang am 10. April erhielt er 36,8 Prozent.

Hindenburg wurde mit 53 Prozent wieder in sein Amt gewählt. Dieser wies im August 1932 die Forderung Hitlers zurück, ihn zum Reichskanzler zu ernennen – die NSDAP war bei den Reichstagswahlen am 31. Juli mit 37,3 Prozent die stärkste Kraft geworden. Nachdem Hindenburg im September den Reichstag aufgelöst hatte, kam es im November 1932 erneut zu Wahlen:

Auch diesmal war die NSDAP mit 33,1 Prozent der Stimmen die stärkste Partei, auch wenn sie viele Stimmen einbüßte. Am 30. Januar 1933 ernannte Hindenburg Hitler zum Reichskanzler.

Einsames Leben

Während Hitler ab den 1920er Jahren immer mehr Menschen kennenlernte und rhetorisch verführte, hatte er zuvor ein einsames Leben geführt: Er lebte recht kontaktscheu, hatte kaum Freunde, erst recht keine weiblichen. 1931 wurde ihm ein Verhältnis mit seiner Nichte Angelika Raubal, genannt Geli, nachgesagt, die sich angeblich mit seiner Pistole 1931 erschoss.

Adolf Hitler und Lebensgefährtin Eva Braun.

Adolf Hitler und Lebensgefährtin Eva Braun

Danach begann seine Beziehung mit Eva Braun, die er aber nicht öffentlich lebte. Er heiratete sie erst wenige Tage vor ihrem gemeinsamen Suizid: Als in den letzten Kriegstagen die deutsche Niederlage absehbar war, erschoss sich Adolf Hitler am 30. April 1945.

Autorin: Irina Fernandes

Stand: 19.01.2017, 10:00

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