Mao Zedong

Poster mit Mao Zedong vor der aufgehenden Sonne

Diktatoren

Mao Zedong

Mao Zedong wird bis heute in China wie ein Heiliger verehrt. Doch Maos Herrschaft war gekennzeichnet durch Gewalt, Terror und Rechtlosigkeit. Der "Große Vorsitzende" brachte das Reich der Mitte an den Rand des Abgrunds.

Armenhaus China

Als Mao 1893 geboren wurde, war China ein Armenhaus. Die im Reich der Mitte herrschende Dynastie der späten Kaiserzeit war inkompetent und korrupt. Die Folge: Landesweit verelendete die chinesische Bevölkerung. Von innen heraus schlecht geführt und völlig bankrott, wurde China von außen durch Kolonialmächte bedrängt und geknechtet: Das Deutsche Reich, Italien, die USA, vor allem aber Japan hatten China im Würgegriff.

Die Chinesen selbst wurden im eigenen Land ausgebeutet und wie Menschen zweiter Klasse behandelt. Besonders die Japaner richteten entsetzliche Massaker unter der Zivilbevölkerung an. Maos Eltern waren einfache Bauern, hatten aber halbwegs ein Auskommen. Mao wurde nicht in verelendete Verhältnisse hineingeboren, er lernte beispielsweise lesen und schreiben. Doch wie alle bäuerlichen Existenzen wurde auch Mao mit Entbehrungen, Hunger und Not konfrontiert.

Mao wird Kommunist

Portrait von Mao Zedong

1949 gründete Mao die Volksrepublik China

Viele Chinesen, die unter den politischen und sozialen Missständen des frühen 20. Jahrhunderts schwer leiden mussten, fühlten sich zum Kommunismus hingezogen. Der Kommunismus schien die einzige Möglichkeit, die bestehenden, ungerechten Verhältnisse umzukehren und aus der Verelendung herauszukommen.

Das Gesellschaftssystem des Kapitalismus war ideologisch durch die ausländischen Mächte besetzt, die China ausbeuteten. Als 1918 die Oktoberrevolution in Russland ausbrach, schöpften viele Chinesen die Hoffnung, dass sich auch das Reich der Mitte durch die Lehren des Marxismus-Leninismus vom Joch der Unterdrücker würde befreien können.

Die ersten Kommunisten waren also unzufriedene Idealisten. Genauso war Mao, ein junger Idealist, der die bestehenden Zustände ändern wollte. Wer in den 1920er Jahren in China Kommunist wurde, hatte aber kaum etwas zu gewinnen und viel zu verlieren. Denn die damals herrschende Volkspartei Guomindang regierte unter ihrem Vorsitzenden Chian Kai-shek mit eiserner Faust, die Kommunisten wurden aufs blutigste verfolgt.

Wer damals Kommunist war, war es also aus echter Überzeugung. Unzählige Kommunisten fielen der Verfolgung zum Opfer und wurden hingerichtet. Mao gelang es den brutalen Verfolgungswellen zu entkommen. Auf dem "Langen Marsch" konnte er im kommunistischen Lager die Führung übernehmen.

Mao und der "Lange Marsch"

Mao im Alter von 40 Jahren.

Ein idealistischer Kommunist

Auf der Flucht vor Chian Kai-sheks Truppen mussten sich die Kommunisten unter schweren Verlusten aus dem Süden des Landes zurückziehen und nach Nordchina ausweichen: Es begann der so genannte, legendär gewordene "Lange Marsch" (1934/35), der in Wirklichkeit eine lange Flucht war. Der Fluchtweg der Kommunisten erstreckte sich über eine Länge von 12.000 Kilometern. Von ursprünglich 100.000 bis 120.000 Kommunisten, die sich auf den Weg machten, überlebten nur etwa 10.000 die Entbehrungen und Strapazen der Irrfahrt.

Mitten auf dem "Langen Marsch" gab es Flügelkämpfe zwischen den Moskau-treuen Kommunisten und dem chinesischen Flügel, dem Mao vorstand. Durch Seilschaften, Intrigen und taktisches Geschick putschte sich Mao ganz nach oben. Mao machte sich zur Nummer Eins in der KPCh, der Kommunistischen Partei Chinas.

Chinas Nummer 1

Mao 1969 während der Feiern zum zwanzigjährigen Bestehen der Volksrepublik China. Er trägt eine Uniform. Auf der Mütze prangt ein roter Stern. Er klatscht in die Hände.

Ein Vierteljahrhundert lang war Mao an der Macht

Noch bis 1949 währten die bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen der Kommunisten mit den Truppen Chian Kai-sheks. Doch die Kommunisten gewannen die Oberhand, sie übernahmen das Ruder in China. Mao war ganz oben angekommen: Am 1. Oktober 1949 proklamierte der "Große Vorsitzende" Mao Zedong in Peking auf dem "Platz des Himmlischen Friedens" (Tienanmen-Platz) die Volksrepublik China. Doch diese "Volksrepublik" würde bald ihr wahres Gesicht zeigen: das einer kommunistischen Diktatur.

Zu Beginn der Machtübernahme durch die Kommunisten wurde Mao aber vom chinesischen Volk begeistert gefeiert. Er verstand es, den Chinesen etwas Entscheidendes zurückzugeben: Selbstwertgefühl und Vertrauen in die Zukunft. Mao versprach das Ende der Unterdrückung und propagierte die glorreiche Wiederauferstehung des Reichs der Mitte – Balsam für die geschundene chinesische Seele. Und er versprach eine gerechtere Gesellschaft, eine radikale Umverteilung.

Auf diese Weise richtete Mao gleich zu Anfang seiner Herrschaft die Identität der Chinesen wieder auf und einte das Land mit einem neuen Nationalgefühl. Im Gegenzug ließ Mao sich mit einem monströsen Personen-Kult beweihräuchern, der in der Kulturrevolution der 1960er Jahre perverse Ausmaße annehmen sollte.

Ein "kommunistischer Kaiser"

Mao vor Mikrofonen auf dem Parteitag von 1969.

Auf dem KP-Parteitag 1969

Mehr als ein Vierteljahrhundert lang bestimmte Mao die Geschicke seines Landes und zwang dem chinesischen Volk seinen Willen auf. Zu Anfang war Mao sicher ein innerlich überzeugter Kommunist. Doch dann war er in erster Linie seinem Machterhalt verpflichtet. In den Jahren 1949-1959, auf der Höhe seiner Macht, sah sich der "Große Vorsitzende" der Kommunisten ausgerechnet in der Tradition der chinesischen Kaiser.

Maos Vorbild: Qin Shi Huang Di, ein besonders grausamer Herrscher Chinas, der im Jahr 221 nach Christus das Reich der Mitte mit äußerster Brutalität einte. Mao – im Krieg sozialisiert – war ein ausgesprochener Gewaltmensch, dessen Weltanschauung von den Kategorien Macht, Terror, und Menschenverachtung bestimmt war.

Dekadent und unbarmherzig

Mao arbeitet in seinen Unterlagen, Aufnahme von 1952.

Im Arbeitszimmer 1952

Mao war kein großer Theoretiker, kein Intellektueller, kein Denker. Die theoretischen Schriften des Marxismus-Leninismus interessierten ihn nie wirklich. Wenngleich Mao seine eigenen literarischen Ergüsse millionenfach unters Volk brachte und als Pflichtlektüre verordnete – und daran vorzüglich verdiente –, ist er doch nicht als kommunistischer Theoretiker in die Literaturgeschichte eingegangen.

Maos damals frenetisch gefeierte Phrasen wie "Der Revolutionär muss sich im Volk bewegen wie im Wasser" zeugen von eher bescheidenem literarischem Talent. Inzwischen gehen etliche Historiker sogar davon aus, dass die meisten seiner Schriften nicht einmal aus Maos eigenen Feder stammen.

Mao war darüber hinaus des Hochchinesischen nicht mächtig, sondern sprach ausschließlich den Dialekt seiner Heimatprovinz Hunan. Mao genoss ungeheure Privilegien und verstieß gegen alle Sittlichkeitsvorstellungen, alle Zwänge und Entbehrungen, die er seinem leidgeprüften Volk auferlegte. Millionenfach starben die Chinesen in der großen Hungersnot zu Beginn der 1960er Jahre.

Mao aß und trank im Überfluss. Er führte ein ausschweifendes Sexualleben und ließ sich zahlreiche junge Mädchen zuführen, da er fest an die lebensverlängernden Praktiken der taoistischen Tradition glaubte. Er besaß Luxusautos, Villen und Schwimmbäder, auf Sonderkonten verfügte er über enorme Summen, auf die nur er Zugriff hatte.

Von der Macht korrumpiert

Demonstration der Roten Garden in Peking mit Porträts und Schriften Maos im August/September 1966.

Personenkult während der Kulturrevolution 1966-1969

Mit äußerster Brutalität und Menschenverachtung unterdrückte Mao jede Opposition im Land und überzog China mit einem Netz aus Terror und Misswirtschaft. Er war schlau, gerissen und instinktsicher, und besonders in späteren Jahren nur sich und seinen Interessen verpflichtet, ausgestattet mit einem absoluten Willen zur Macht.

Mao war beratungsresistent, tolerierte weder Kritik noch andere Meinungen. Durch diese unbegrenzte Macht bis ins Mark korrumpiert, bestimmte schließlich tiefes Misstrauen den Umgang selbst mit seiner engsten Umgebung. Mao schottete sich am Ende gegen alles und jeden ab und vertraute nur noch sich selbst. Er verlor den Bezug zur Realität, zu seinem eigenen Volk.

Autor: Gregor Delvaux de Fenffe

Stand: 29.07.2016, 09:00

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