Große Menschenrechtler

Geschichte der Menschenrechte

Große Menschenrechtler

Immer wieder gibt es Menschen, die beweisen, dass ein Einzelner die Geschicke der Welt verändern kann. Menschen, die mit Mut, Gewaltlosigkeit und Liebe erfolgreich für die Rechte der anderen kämpfen und gekämpft haben.

Mahatma Gandhi - "Was für einen Menschen möglich ist, ist für alle möglich"

Mohandas Karamchand Gandhi (1869 bis 1948) wurde als einfacher Beamtensohn geboren. Sein absolutes Vertrauen in die Menschen und in die Menschlichkeit trug ihm den Namen Mahatma – große Seele – ein. Er hat mit seinem Leben bewiesen, dass Gewaltlosigkeit möglich ist.

Seine Ablehnung von Gewalt war kompromisslos. Seine Waffen waren Selbstdisziplin, eine tiefe Achtung vor den Menschen und der Mut zum zivilen Ungehorsam.

Mahatma Gandhi.

Mahatma Gandhi

Als junger Rechtsberater in Südafrika machte er seine erste persönliche Erfahrung mit Diskriminierung: Er wurde als Farbiger aus einem Zug gewiesen und fand sich nachts allein auf einer einsamen Bahnstation.

Dort begann sein Kampf für die Gleichberechtigung und die Befreiung Indiens von der britischen Kolonialherrschaft. Sein Ziel war ein friedliches Zusammenleben aller Menschen in einer Atmosphäre gegenseitiger Achtung.

Gandhi verzichtete auf Konsum, der abhängig macht, und kleidete sich in selbstgewebte Umhänge. In seiner spektakulärsten Aktion marschierte er mit knapp 80 Anhängern vom Landesinneren zum Meer, wo er symbolisch ein paar Körnchen Salz aufhob.

Mit diesem Salzmarsch wollte Gandhi gegen das Salzmonopol der Briten demonstrieren und ein Zeichen gegen die Abhängigkeit Indiens setzen.

Er erfand immer neue Formen des gewaltlosen Widerstandes, die bis heute beispielhaft sind. Zusammen mit seiner Frau Kasturbai und seinen Kindern lebte er mitten unter den einfachen Menschen Indiens, gab ihnen Stolz, Würde und eine Stimme.

Er hat gezeigt, dass mutiges Handeln ohne jede Gewalt machtvoller sein kann als der Einsatz von Knüppeln, Kugeln oder Raketen. Im Alter von 78 Jahren wurde Gandhi von einem radikalen Hindu erschossen.

Martin Luther King - "Die Liebe muss unser entscheidendes Ideal sein"

Der amerikanische Baptistenpastor ist wohl der bekannteste Kämpfer gegen die Unterdrückung der Afroamerikaner und für soziale Gerechtigkeit. Dabei zögerte und betete Martin Luther King (1929 bis 1968) lange, bevor er entschlossen die Leitung der Protestaktionen der Schwarzen übernahm.

Seine Frau hatte gerade ihre Tochter Yolanda geboren und schwarze Führer waren schon häufiger ermordet worden. In den Südstaaten der USA verbreitete der rassistische "Ku Klux Klan" Angst und Schrecken, misshandelte und quälte die schwarze Bevölkerung. Diskriminierende Gesetze verstärkten das Leid.

Martin Luther King.

Martin Luther King

Nach der mutigen Handlung der Näherin Rosa Parks, die sich weigerte ihren Busplatz für einen Weißen zu räumen, war die Zeit reif für Veränderungen. Es entstand eine der erfolgreichsten Menschenrechtsbewegungen der Geschichte mit dem jungen Pfarrer Martin Luther King an der Spitze.

Er hatte einen Traum: "Meine vier Kinder werden eines Tages in einer Nation leben, in der sie nicht nach der Farbe ihrer Haut, sondern nach ihrer Persönlichkeit beurteilt werden."

Martin Luther King wollte eine Gesellschaft aufbauen, die von echter Liebe erfüllt ist. Es gab riesige Demonstrationen von weißen und schwarzen Amerikanern gemeinsam, die ganze Welt unterstützte den Kampf um die Gleichberechtigung.

Schließlich wurden die diskriminierenden Gesetze abgeschafft und die schwarze Bevölkerung befreite sich aus der Rolle der Unterdrückten. Martin Luther King wurde am 4. April 1968 in Memphis von dem Rassiten James Earl Ray erschossen.

Nelson Mandela - "Hunger nach Freiheit für alle Menschen"

28 Jahre seines Lebens war der Anführer der Bewegung gegen die Apartheid in Südafrika seiner Freiheit beraubt. Rassentrennung war die offizielle Politik der Regierung der weißen Minderheit in Südafrika. Schwarze Südafrikaner wurden konsequent ausgegrenzt. Es hieß, sie seien von Natur aus weniger Wert als Europäer.

Nelson Mandela.

Nelson Mandela

Im Gefängnis änderte Nelson Mandela (geboren 1918) sein eigenes Bewusstsein und baute statt auf Hass auf die Liebe zu allen Menschen- egal ob schwarz oder weiß. Im 16. Jahr seiner Haft durfte seine Tochter Zeni ihn besuchen.

Ihrer neugeborenen Tochter, seiner Enkelin, gab Mandela den Namen Zaziwe: Hoffnung. Seine Inhaftierung empörte die Welt, seine unerschütterliche Haltung, sein Glaube an die Menschlichkeit brachte die Apartheid ins Wanken.

1990 wurde Mandela nach anhaltenden Protesten aus aller Welt aus dem Gefängnis entlassen. Zusammen mit dem damaligen Präsidenten Willem de Clerk erhielt Nelson Mandela 1993 den Friedensnobelpreis. Bei den ersten freien Wahlen 1994 wurde er zum ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas gewählt.

Darauf folgte eine beispiellose Aufarbeitung der Rassentrennung. Die sogenannte Wahrheitskommission hatte zum Ziel, die Verbrechen der Apartheid von beiden Seiten aufzudecken und zu versöhnen. In Südafrika siegte die Freiheit. Auch nach seinem Rückzug aus der aktiven Politik 1999 blieb Nelson Mandela ein lebendes Symbol für die Hoffnung. Am 5. Dezember 2013 starb Mandela im Alter von 95 Jahren in Johannesburg.

Aung San Suu Kyi - "Wenn Du dich hilflos fühlst, hilf anderen"

Ihre Heiterkeit ging ihr nie verloren in den langen Jahren des Hausarrestes in Myanmar. Sie ist überzeugt davon, dass sie ihren gewaltlosen Kampf für ein freies und demokratisches Myanmar gewinnen wird. In ihrem Heimatland herrscht eine Militärdiktatur.

Trotz reicher Produktion an Nahrungsmitteln sind viele Menschen unterernährt. Arbeiter und Bauern verdienen Hungerlöhne, das Bildungssystem ist zerstört, Kinderarbeit ist weit verbreitet.

Aung San Suu Khy.

Aung San Suu Khy

Aung San Suu Kyi (geboren 1945) ist gebildet und von Gandhi und Martin Luther King inspiriert, als sie 1988 nach längeren Auslandsaufenthalten in ihre Heimat zurückkehrt. Sie gründet eine demokratische Partei und wird zur Leitfigur einer Protestbewegung, reist durchs Land und erhebt laut ihre Stimme.

Die Militärs versuchen, sie zu isolieren und stellen sie unter Hausarrest. Ihr Mann stirbt im Ausland an einer Krankheit, ohne dass sie ihn noch einmal sehen kann. Aber ihre Appelle für die Freiheit werden in der ganzen Welt gehört. 1991 erhält sie den Friedensnobelpreis.

Ihr Mut und ihre hohen Ideale geben den Menschen in ihrer Heimat Hoffnung und den Glauben an die Zukunft. 2010 wurde zwar ihr Hausarrest aufgehoben, von Wahlen wurde sie aber noch ausgeschlossen.

Ein vor den Parlamentswahlen 2010 verabschiedetes Gesetz besagte, dass verurteilte Straftäter nicht Mitglied einer Partei sein dürfen. 2011 lockerte der neue Präsident Thein Sein das Gesetz und Aung San Suu Kyi durfte ihre politische Karriere fortsetzen.

Seitdem ist sie wieder die große Hoffnungsträgerin der Opposition in Myanmar.

Shirin Ebadi - "Am wichtigsten ist, dass man an die Menschenrechte glaubt"

Sie hat gelernt mit der Furcht zu leben, sie lässt ihre Arbeit nicht von der Angst vor Repressalien beeinflussen. Shirin Ebadi (geboren 1947) war die erste weibliche Richterin im Iran. Nach der islamischen Revolution 1979 wurde sie gezwungen, ihr Amt aufzugeben.

Als Anwältin arbeitet sie nun für politisch Verfolgte und deren Familien, setzt sich für Kinder- und Frauenrechte ein. Für ihre mutige und offene Kritik an der religiösen Unterdrückung saß sie mehrfach im Gefängnis oder stand unter Hausarrest.

Shirin Ebadi.

Shirin Ebadi

Ihren Optimismus hat sie dennoch nicht verloren. Sie glaubt, dass das iranische Volk seinen Weg finden wird, dass friedliche Reformen den Weg zu einer demokratischen Gesellschaft öffnen werden, die die Menschenrechte achtet und in der Frauen nicht länger diskriminiert werden. Sie glaubt an die Kraft der Menschen.

Besonders stolz ist sie auf ihre Arbeit für die Kinder. Sie gründete die erste iranische Kinderschutzorganisation, ein von ihr formuliertes Gesetz gegen Kindesmisshandlung wurde vom Parlament verabschiedet.

2003 erhielt Shirin Ebadi als erste muslimische Frau den Friedensnobelpreis. Diese Auszeichnung und ihr fortschreitendes Engagement sind Ermutigung für alle, die für die Menschenrechte kämpfen und zum Teil starkem Druck ausgesetzt sind. Vor allem für die islamische Frauenbewegung ist dies ein Signal der Hoffnung.

Wegen anhaltender Reperassilien in ihrem Heimatland setzt Shirin Ebadi seit 2009 ihren Kampf für die Menschenrechte aus dem Exil in London fort.

Autorin: Julia Lohrmann

Stand: 30.03.2017, 12:00

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