Wechseljahre - Zeit des Wandels

Eine ältere Dame in den Wechseljahren hält einen Ventilator und kühlt sich ab

Altern

Wechseljahre - Zeit des Wandels

Die Wechseljahre sind eine Zeit des Umbruchs und der Beschwerden. Manchen bieten sie aber auch eine neue Chance. Im 19. Jahrhundert fielen die Wechseljahre mit der durchschnittlichen Lebenserwartung der Frau zusammen. Wesentlich älter wurde ein kleiner Teil der weiblichen Bevölkerung. Heute setzen sich viele Frauen in dieser Phase zum ersten Mal mit dem Älterwerden auseinander. Die Veränderungen des Körpers können zwar den Alltag trüben, doch der neue Lebensabschnitt bedeutet für viele Frauen auch eine neue Freiheit.

Die Biologie der Wechseljahre

Genau genommen gehen Frauen zweimal durch die Wechseljahre. Das erste Mal, wenn der Körper geschlechtsreif wird. Das zweite Mal, wenn er diese Geschlechtsreife wieder verliert. In der Pubertät muss der Körper lernen, sich auf die Ausschüttung der Geschlechtshormone einzustellen und das richtige Maß zu finden. Auch diese frühen Wechseljahre sind nicht angenehm. Körper und Seele haben ordentlich zu schaffen, bis sie wieder im Gleichgewicht sind.

Eine ältere Dame liegt uud schaut mit einem Grinsen im Gesicht auf ein Notebook

Die Wechseljahre - Zeit des Nachdenkens

Warum sollte es also bei den zweiten Wechseljahren leichter sein? Das Image dieser Wechseljahre ist in der Gesellschaft nicht gerade positiv. Häufig werden die Wechseljahre mit dem Verfallsdatum der Jugend gleichgesetzt. Was soll danach noch kommen?

Biologisch macht es Sinn, dass Frauen in die Wechseljahre kommen. Es ist eine Raffinesse der Natur: Der weibliche Körper ist nur in der Lage, Kinder zu bekommen, so lange die Frau von Natur aus genügend Zeit hat, den Nachwuchs groß zu ziehen. Doch damit ist irgendwann Schluss. Der hormonelle Wandel während des Klimakteriums bedeutet das Ende der Geschlechtsreife. Die Hormonproduktion versiegt langsam. Der Körper muss sich an diese Veränderungen erst gewöhnen.

Der gesamte Prozess des Klimakteriums dauert mehrere Jahre. Er erstreckt sich in der Regel zwischen dem 45. und dem 60. Lebensjahr. Die Wechseljahre sind ein normaler physiologischer Prozess, während dessen die meisten Frauen mit diversen Beschwerden zu kämpfen haben.

Eine Sache der Hormone

Der langsame Rückgang der Hormonproduktion in den Eierstöcken beginnt in der Regel um das 50. Lebensjahr herum. Blutungsunregelmäßigkeiten, Hitzewallungen, Herzrasen, Stimmungsschwankungen oder gesteigerte Nervosität sind typische Symptome. Durch den einsetzenden Östrogenmangel bleiben schließlich die Regelblutungen ganz aus. Dieser Prozess wird Menopause genannt. Die veränderten Konzentrationen der weiblichen Geschlechtshormone beeinflussen auch Haut und Haare, Gewicht, Fett- und Knochenstoffwechsel.

Vermutlich werden die Wechseljahre dadurch ausgelöst, dass sich im Laufe der Geschlechtsreife das Keimgewebe in den Eierstöcken verbraucht. Die Eierstöcke eines neugeborenen Mädchen enthalten etwa 500.000 Eizellen. Bis zum Eintritt der Pubertät bleiben noch etwa 400.000 erhalten. In jedem Menstruationszyklus reifen 500 bis 1000 Eizellen heran. Im Laufe dieses Reifungsprozesses wird stark selektiert, sodass pro Zyklus nur eine Eizelle zum Eisprung gelangt. Durch diesen allmonatlichen Prozess reduzieren sich die Eizellen bis zur Menopause um etwa 99 Prozent.

Es ist eine Kettenreaktion. Während der Wechseljahre verlieren die Eierstöcke ihre Sensibilität für die Botenstoffe, die für den normalen Zyklus und eine Schwangerschaft nötig sind: das Follikelstimulierende Hormon (FHS), regt bei der Frau in der Zeit der Geschlechtsreife die Bildung von Östrogen und die Regulierung der Eizellen in den Eierstöcken an. Das Luteinisierende Hormon (LH) unterstützt die Eireifung, den Eisprung und die Bildung des Gelbkörpers. Um die mangelnde Wirkung auszugleichen und doch noch einige Eibläschen aus der Reserve zu locken, schüttet die Hirnanhangdrüse immer mehr FHS aus.

Ältere Frau fächert sich mit einer Zeitung frische Luft zu.

Hitzewallungen sind nicht unüblich

Obwohl sie durch die Hormone FSH und LH angeregt werden, produzieren die Eierstöcke weniger Progesteron als vorher. Dieses Hormon wird bei fruchtbaren Frauen in der zweiten Hälfte des Zyklus im Gelbkörper des Eierstocks gebildet, um die Gebärmutter auf eine mögliche Schwangerschaft vorzubereiten.

Der Körper stellt sich auf diese Veränderung ein. Immer seltener kommt es zu dem LH-Gipfel, der beim normalen Zyklus zum Eisprung führt. Dadurch findet nicht mehr in jeder Periode ein Eisprung statt. Schließlich bleibt er ganz aus. Ohne Eisprung wird auch kein Gelbkörper mehr gebildet, der wiederum für die Produktion von Progesteron zuständig ist. Die Regelzyklen verkürzen sich, wobei sich die Blutung verstärkt. Da in Folge dieser Prozesse auch die Östrogenproduktion ausfällt, bleibt die Regelblutung schließlich aus.

Wechseljahre beim Mann

Auch beim Mann geht es mit zunehmendem Alter hormonell bergab. Ein 60-jähriger hat nur noch 30 Prozent des Testosteronspiegels, den er als 30-jähriger hatte. Wenn also bei Männern jenseits der 40 die sexuelle Lust erlahmt, sie sich antriebsloser fühlen und die Haare ausfallen, scheinen die Wechseljahre erreicht. Lange Zeit als Midlife-Crisis verhöhnt, gibt es heute eine wissenschaftliche Umschreibung für dieses Phänomen: climacterium virile.

Zwei ältere Männern beim Dehnen in einem Park.

Sportliche Menschen fühlen sich länger jung

Experten streiten sich darüber, ob der sinkende Hormongehalt mit Krankheitssymptomen verbunden ist und daher behandelt werden sollte. Ob es bei Männern wirklich einen ähnlichen Übergang wie bei Frauen gibt oder ob es nicht nur ein natürlicher Alterungsprozess ist, ist fraglich. Die viel zitierte Midlife-Crisis ist eher Ausdruck der typischen Lebenskonflikte, die im gesetzteren Alter in den Mittelpunkt rücken. Dazu gehören Krisen im Beruf, in der Familie oder in der Liebe.

Rein biologisch hört bei Männern die Geschlechtsreife nicht auf. Sie sind bis ins hohe Alter zeugungsfähig. Die allmähliche Verminderung des Testosteronspiegels wirkt sich beim Mann weniger stark aus. Er leidet nur selten unter den bei Frauen typischen Hitzewallungen.

Autor/in: Andrea Wengel

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Stand: 17.02.2015, 12:00