Haare

Anatomie des Menschen

Haare

"Bad Hair Days" nennen die Engländer jene verflixten Tage, an denen aber auch alles schief geht – ein Hinweis auf die besondere Bedeutung der Haare, zumindest im europäischen Kulturkreis. Die Haare auf dem Kopf haben für den Menschen eine große Bedeutung, und ihr Fehlen wird meist als Mangel empfunden. In vielen Kulturen werden die Haare besonders frisiert und prägen so zu einem beachtlichen Teil das äußere Erscheinungsbild.

Was sind Haare?

Haare bestehen aus dem gleichen Material wie Finger- und Fußnägel: aus Horn, also abgestorbenen Zellen. Haare enthalten weder Blutgefäße noch Nerven und werden von Biologen "Hautanhanggebilde" genannt. Die Haarwurzeln in der Kopfhaut produzieren die Haarzellen. Diese schieben sich dann nach oben und werden zu so genannten Spindeln. Die Spindeln bilden dann lange Fasern, die sich untereinander verdrehen und schließlich zu einem Haar werden.

Eine Friseurin föhnt einer Kundin die Haare

Haare erfüllen eher eine soziale als eine biologische Funktion

Rund fünf Millionen Haare hat der Mensch auf dem Körper – davon sind ihm zwischen 100.000 und 150.000 Haare die wichtigsten, nämlich die, die er auf dem Kopf trägt. Blonde Menschen haben im Schnitt feinere, dafür aber auch die meisten, nämlich volle 150.000 Haupthaare. Schwarzhaarige und Brünette tragen auf dem Kopf dickere Haare, rund 100.000, während sich Rothaarige mit etwa 90.000 Haaren "pro Kopf" begnügen müssen.

Jedes menschliche Haar hat einen eigenen Wachstumsrhythmus. Es wächst rund zwei bis sechs Jahre lang, und zwar jeden Tag um etwa 0,35 Millimeter. Wenn diese aktive Phase endet, beginnt eine zweiwöchige Übergangsphase. Danach wird das Haar nach einer zwei- bis viermonatigen Ruhephase von einem nachwachsenden Haar abgestoßen.

Haare erinnern an unser animalisches Erbe. Warum der Mensch sein ehemals dichtes Haarkleid verloren hat, ist noch nicht geklärt. Man vermutet, dass seine starke Schweißabsonderung etwas damit zu tun hat – auf einer glatten, fast haarlosen Haut kann Schweiß besser verdunsten. Doch wirklich nackt ist der Mensch selbst heute noch nicht: Mit Ausnahme von Fußsohlen und Handinnenflächen sowie den Schleimhäuten und Lippen wachsen am ganzen Körper Haare – beim einen mehr, beim anderen weniger. Diese Behaarung erfüllt bestimmte Funktionen. So dient das Haupthaar als Wärmeregulator dem Schutz des Gehirns und schirmt die Kopfhaut insbesondere vor UV-Strahlen ab.

Haar-Kultur

Blonde Frau betrachtet ihre Haarspitzen

Gesundes Haar: Symbol für Kraft, Gesundheit und Jugend

Die wichtigste Funktion der Kopfbehaarung liegt im sozialen und sexuellen Bereich. Volles Haar war seit jeher ein mythisches Symbol für Kraft, Erotik, Gesundheit und Jugend. Im Spiegel der Weltkulturen gilt volles Haar als schön, während dünnes, schütteres Haar sich wenig Beliebtheit erfreut. Es ist eher die Ausnahme, dass ein Sympathieträger schütteres Haar oder gar eine Glatze hat. Doch genau vor diesem Problem stehen Millionen Menschen. So muss beispielsweise jeder zweite deutsche Mann im Laufe seines Lebens mit Haarausfall rechnen.

Haarausfall

Jeder Mensch hat Haarausfall: Ein einzelnes Haar wächst pro Tag etwa 0,35 Millimeter und kann bis zu sieben Jahre alt werden. Dann fällt es aus und nach einer kurzen Ruhepause wächst ein neues Haar. 100 bis 150 Haare nehmen so täglich ihren Abschied. Bei durchschnittlich 100.000 Haaren, die der Mensch auf dem Kopf trägt, fällt dies nicht weiter auf. Erst wenn über einen längeren Zeitraum hinweg viel mehr Haare ausfallen, gibt es Grund zur Besorgnis.

Blick von oben auf die Geheimratsecken eines Mannes.

Mit den Geheimratsecken fängt es meistens an

Allein in Deutschland leiden schätzungsweise zwölf Millionen Menschen unter Haarausfall. Dafür gibt es verschiedene Ursachen, nicht jeder Haarausfall ist krankhaft bedingt. So können hormonelle Veränderungen im Körper, beispielsweise nach Schwangerschaften oder in den Wechseljahren, zu Haarausfall führen. Das Haar regeneriert sich in diesen Fällen aber meistens von selbst, wenn sich der Hormonspiegel wieder normalisiert. Auch die männliche Glatze zählt in der Regel nicht zu den Haarkrankheiten. Sie ist genetisch bedingt und eher ein kosmetisches Problem. Zu einer recht verbreiteten Krankheit hingegen zählt die Alopecia areata – der so genannte Kreisrunde Haarausfall.

Viele Faktoren

Eine Vielzahl von Faktoren kann Haarausfall auslösen: Wissenschaftlich anerkannt sind Vergiftungen, Pilzinfektionen der Kopfhaut, chronische Erkrankungen und die Einnahme bestimmter Medikamente. Daneben werden noch andere Ursachen genannt: Stress, Amalgamplomben, Umweltgifte oder Vitaminmangel. Und es gibt Firmen, die von den Ängsten der Betroffenen profitieren und ihnen Wundermittel offerieren. Eines haben diese leider alle gemeinsam: Ihre Wirkung ist – wenn überhaupt – bescheiden. Statt Unsummen für leere Werbeversprechen auszugeben, lohnt sich ein Besuch beim Hautarzt. Viele größere Kliniken bieten zudem in ihrer dermatologischen Abteilung "Haarsprechstunden" an.

Eine Frau beim Sonnenbaden auf einem Steg, der in einen Pool führt.

Sonnenlicht und Chlorwasser schaden dem Haar

Dauerwellen, Colorationen, Lockenstäbe, sengende Urlaubssonne, Chlor- und Salzwasser und enge Kopfbedeckungen sind enorme Strapazen für Haare und Kopfhaut. Eine irritierte und gereizte Kopfhaut, vermehrte Schuppenbildung, stumpfes und sprödes Haar können die Folge sein. Da das Haar sich nicht selbst regenerieren kann, braucht es je nach Typ und Problem eine spezielle Pflege. Auch hier versprechen die meisten Produkte mehr als sie halten können. Eine Alternative dazu, die besonders für Allergiker interessant sein dürften, sind selbstgemachte Mixturen.

Unerwünschte Haustiere

Egal wie sehr man sein Haar wäscht und pflegt – vor der Kopflaus ist niemand gefeit. Sie breitet sich überall dort aus, wo genügend Köpfe zusammenstecken. Für Kindergärten und Schulen sind sie fast schon ein alltägliches, lästiges Haustier geworden. Ihre Präsenz macht sich schnell durch unangenehmes Jucken bemerkbar. Doch keine Sorge: Die Zeiten, in denen man dann den Kopf kahl schor, sind vorbei. Heute lässt sich das Problem einfach lösen – ohne die chemische Keule auszupacken.

Autor/in: Melanie Jost

Weiterführende Infos

Stand: 02.11.2012, 12:00

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