Geschlechtshormone

Blick in das Dekolleté eines Dirndls

Hormone

Geschlechtshormone

Das erste Mal bewusst spüren wir sie während der Pubertät, wenn der Körper geschlechtsreif wird und sich stark verändert: die Geschlechtshormone. Dem einen machen sie während dieser Zeit mehr zu schaffen, dem anderen weniger. Richtig kompliziert wird es aber, wenn das natürliche Gleichgewicht der Geschlechtshormone durcheinander gerät.

Geschlechtshormone prägen das Geschlecht

Die Geschlechtshormone werden zum größten Teil in den Hoden des Mannes und den Eierstöcken der Frau gebildet. Es werden drei Gruppen von Geschlechtshormonen unterschieden: Androgene, Östrogene und Gestagene.

Die Hoden bilden hauptsächlich Androgene. Das wichtigste und bekannteste Androgen ist Testosteron. Testosteron wird schon sehr früh während der embryonalen Entwicklung gebildet und bestimmt, dass sich der Fötus männlich entwickelt.

Darstellung des männlichen Sexualhormons Testosteron: Kohlenstoff ist grün, Wasserstoff weiß und Sauerstoff rot gekennzeichnet.

Testosteron erhöht die Aggressivität

Während der Pubertät sorgt eine Erhöhung der Androgen-Konzentration im Körper für die Ausbildung der männlichen sekundären Geschlechtsmerkmale. Hierzu gehören Muskelwachstum, Stimmbruch und vermehrte Körperbehaarung. Auch auf das Verhalten wirken sich die Androgene aus. Bei Säugetieren und anderen Wirbeltieren prägen sie den Sexualtrieb und erhöhen die Aggressivität.

Der weibliche Organismus wird hauptsächlich durch Östrogene und Gestagene reguliert. Östrogene steuern die Entwicklung der weiblichen Geschlechtsmerkmale. Sie leiten Fettablagerungen als Energievorrat ein, stimulieren die Brustentwicklung und beeinflussen das weibliche Sexualverhalten.

Gestagene, vor allem das Progesteron, haben die Aufgabe, die Gebärmutterschleimhaut in jedem Menstruationszyklus erneut für die Einnistung eines Embryos vorzubereiten.

Störungen der hormonellen Verhältnisse

Zwar werden allgemein die Geschlechtshormone in weibliche (Gestagene, Östrogene) und in männliche (Androgene) unterteilt, grundsätzlich produzieren jedoch beide Geschlechter männliche und weibliche Geschlechtshormone.

Sie tun dies allerdings in ganz unterschiedlichen Mengenverhältnissen. Ist das normale Mengenverhältnis der Geschlechtshormone gestört, hat dies große Auswirkungen auf die Entwicklung des Organismus.

Ein auf längere Sicht erhöhter Testosteronspiegel kann bei der Frau beispielsweise zum sogenannten Hirsutismus führen. Hirsutismus beginnt meist schleichend. Erste Anzeichen zeigen sich in der Regel zu Beginn der Pubertät, wenn die Geschlechtshormone ihre Wirkung entfalten.

Bei betroffenen Frauen nimmt die Behaarung im Gesicht, an den Beinen, nicht selten sogar am ganzen Körper zu. Häufig kommt eine schwere Akne hinzu. Die Ursachen des Krankheitsbildes hängen mit dem männlichen Hormon Testosteron zusammen.

Nahaufnahme einer Packung mit Antibabypillen.

Gegen zu viel Testosteron hilft die Antibabypille

In den meisten Fällen leiden die Betroffenen entweder an einer Überempfindlichkeit gegenüber dem auch im weiblichen Körper in kleinsten Mengen gebildeten Testosteron oder es wird durch eine Fehlfunktion der Eierstöcke zu viel Testosteron gebildet. Letzteres wird als Polyzystisches Ovarsyndrom (PCOS) bezeichnet. PCOS geht häufig zusätzlich mit Übergewicht und Stoffwechselstörungen einher.

Als medizinische Maßnahme gegen Hirsutismus wird beispielsweise die Antibabypille verschrieben. Die darin enthaltenen Gestagene und Östrogene reduzieren die Testosteronproduktion in den Eierstöcken. Östrogen bindet zusätzlich das Testosteron im Körper und macht es damit unwirksam.

Ein Leben zwischen den Geschlechtern

Verschiebungen der Hormonverhältnisse einer schwangeren Frau können sich auf die Entwicklung des Embryos auswirken und zum sogenannten Pseudohermaphroditismus (Scheinzwittertum) führen. Ursachen hierfür können eine Störung der Eierstöcke oder eine Behandlung mit Hormonpräparaten während der Schwangerschaft sein.

Nahaufnahme des nackten Bauches einer schwangeren Frau.

Ein Hormonungleichgewicht während der Schwangerschaft kann Folgen haben

Der Pseudohermaphroditismus stellt eine Form der Intersexualität dar. Betroffene haben ein eindeutiges chromosomales Geschlecht. Das heißt, sie haben entweder ein X- und ein Y-Chromosom für männlich oder zwei X-Chromosomen für weiblich sowie dazu passende Hoden beziehungsweise Eierstöcke. Die äußeren Geschlechtsmerkmale und das gesamte Erscheinungsbild weichen jedoch ab und entsprechen dem jeweils anderen Geschlecht.

Weibliche Pseudohermaphroditen haben also Eierstöcke, aber ein männliches Erscheinungsbild. Ursache für dieses Phänomen kann beispielsweise eine Behandlung der Mutter während der Schwangerschaft mit Androgenen sein.

Männliche Pseudohermaphroditen zeigen äußere weibliche Geschlechtsmerkmale. Sie besitzen Hoden, die jedoch in der Bauchhöhle versteckt liegen. Die Hoden bilden zwar männliche Geschlechtshormone, die Körperzellen sind in diesem Fall jedoch resistent gegenüber Testosteron und anderen Androgenen. Der Organismus kann nicht auf die Hormone reagieren und sich somit nicht in männliche Richtung entwickeln.

Auch bei Frauen kommen Androgene in geringen Mengen vor und wirken sich zum Beispiel auf das Sexualverhalten aus. Da sie bei männlichen Pseudohermaphroditen aber überhaupt nicht zur Wirkung kommen, entwickeln sie ein sogenanntes superweibliches Aussehen und übertreffen jede Frau an Weiblichkeit.

Der Fluch der Gracias

Die Resistenz gegen Androgene ist vererbbar und tritt daher in betroffenen Familien gehäuft auf. Dies ist beispielsweise in einer Region Mexikos der Fall. Die männlichen Pseudohermaphroditen fallen als besonders schöne Mädchen auf, die jedoch keine Kinder bekommen können. Hier gab man dem Phänomen die Bezeichnung "Fluch der Gracias".

Es gibt Berichte über eine weitere Form des Pseudohermaphroditismus im Dorf Salinas in der Dominikanischen Republik. Hier sind das chromosomale Geschlecht und die Geschlechtsorgane männlich. Die Hoden sind jedoch ins Körperinnere gestülpt und der sehr kleine Penis sieht aus wie die Klitoris. Etwa jedem 90. Jungen wurde deshalb das falsche Geschlecht zugeordnet, und die Betroffenen wuchsen als Mädchen auf.

Während der Pubertät kommt es bei dieser Form des Pseudohermaphroditismus dann zur "Geschlechtsumwandlung" und die vermeintlichen Mädchen werden zum Mann. Der Penis wächst, die Hoden wandern abwärts und verlagern sich nach außen und auch alle weiteren männlichen Merkmale entwickeln sich. Ursache ist ein genetischer Defekt, wodurch das Testosteron erst mit Eintritt der Pubertät wirksam werden kann.

Pseudohermaphroditismus wird in der Regel auf drei Ebenen behandelt: Operative Eingriffe, medikamentöse Behandlungen in Form von Hormonpräparaten und psychotherapeutische Begleitung. Die operative Geschlechtsangleichung der äußeren Sexualorgane in männliche beziehungsweise weibliche Richtung erfolgt in den meisten Fällen innerhalb der ersten sechs Lebensmonate.

Autorin: Phoebe Rosenkranz

Stand: 14.11.2016, 14:51

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