Depressionen

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Depressionen

Gelegentliche schlechte Laune, Niedergeschlagenheit oder Trauer kennt jeder. Doch auch längere Krisen sind noch keine Depression. Erst wenn Schwermut und Hoffnungslosigkeit nicht mehr aufzuhören drohen, wird das seelische Tief zur Krankheit.

Depression - was ist das?

Eine junge Frau sitzt am Tisch und schaut traurig auf ihre Teetasse.

Frauen sind häufiger depressiv als Männer

Das Thema Depressionen war lange Zeit tabu. Zwar hatte schon Anfang des 20. Jahrhunderts der Psychiater und Gründer des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie, Emil Kraepelin, in Medizinerkreisen dafür gesorgt, dass der Begriff "Depression" als Krankheitsbezeichnung anerkannt wurde. Die Öffentlichkeit ignorierte das aber jahrzehntelang. Erst in den vergangenen Jahren wurde die Krankheit allmählich enttabuisiert, vor allem seitdem sich auch Prominente dazu bekannt haben.

"Depression" kommt aus dem Lateinischen und bedeutet "Niederdrückung" oder "Niedergeschlagenheit". Doch eine Depression ist kein Durchhänger von einigen Tagen und auch keine schlechte Phase von ein paar Wochen. Depression ist eine Krankheit mit psychischen und körperlichen Symptomen, die den gesamten Alltag der Betroffenen verändert.

Es gibt so gut wie keine konkreten Zahlen über die Häufigkeit von Depressionen in Deutschland. Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehen aber davon aus, dass in Deutschland derzeit etwa fünf Prozent der Menschen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren unter einer behandlungsbedürftigen Depression leiden. Der Anteil derer, die zumindest einmal in ihrem Leben an einer Depression erkranken, liegt bei gut 17 Prozent.

Seelische Symptome

Eine Frau steht mit einem schwarzen Regenschirm an einem See.

Betroffene ziehen sich oft zurück

Der Verlauf einer Depression ist von Fall zu Fall völlig unterschiedlich: Sie kann sich allmählich bemerkbar machen und verschlimmern, aber auch fast schlagartig auftreten. Bei einigen Betroffenen ist es nur eine kurze, vorübergehende Phase, bei anderen dauert die Depression Monate oder in seltenen Fällen sogar Jahre an.

Je nachdem, wie viele Symptome gleichzeitig auftreten und wie stark sich die Beschwerden bemerkbar machen, unterscheiden Psychotherapeuten zwischen leichter, mittlerer und schwerer Depression. Folgende psychische Symptome sind typisch bei Depressionen:

* Niedergeschlagenheit

* Gefühl der inneren Leere und der Gleichgültigkeit

* Antriebslosigkeit

* Konzentrationsstörungen

* Selbstzweifel

* Schuldgefühle

* innere Unruhe

* Angstzustände

Körperliche Symptome

Es ist auch möglich, dass die seelischen Nöte körperliche Beschwerden verursachen, die oft erfolglos behandelt werden, ohne dass die Ursache dafür klar wird. Besonders schlimm kann es für die Betroffenen sein, wenn ihnen signalisiert wird, dass sie sich ihre Krankheit nur einbilden. Diese körperlichen Beschwerden können unter anderem durch eine Depression ausgelöst werden:

* Schlafstörungen (Schlafmangel, aber auch erhöhtes Schlafbedürfnis)

* Essstörungen (Appetitmangel, in selteneren Fällen auch Esssucht)

* Verdauungsbeschwerden

* Kopf-, Gelenk- oder Muskelschmerzen

* Schmerzen in der Herzgegend

* sexuelle Unlust

Wie entsteht eine Depression?

Die Forscher, die nach den Ursachen der Depression suchen, versuchen zum einen, die Krankheit biologisch zu erklären und sie zum anderen psychologisch zu verstehen. Das Rätsel, warum der eine Mensch an einer Depression erkrankt und ein anderer bei ähnlichen Lebensumständen gesund bleibt, ist zwar noch längst nicht vollständig gelöst. Es gilt aber als sehr wahrscheinlich, dass die Veranlagung zur Depression zum Teil in den Genen steckt.

Moderne biotechnische Untersuchungen haben ergeben, dass bei Depressionen offenbar eine Störung des Neurotransmitter-Stoffwechsels vorliegt. Neurotransmitter sind Botenstoffe, über welche die Nervenzellen im Gehirn mit ihren Nachbarzellen in Kontakt treten.

Schematische Zeichnung eines menschlichen Gehirns.

Bei Depressiven fehlen Botenstoffe im Gehirn

Es gibt Hinweise darauf, dass bei Depressiven vor allem die Botenstoffe Noradrenalin und Serotonin – landläufig als "Glückshormon" bekannt – fehlen. Somit ist das Gleichgewicht der biologischen Funktionen gestört.

Konkrete Auslöser für eine Depression sind häufig schwierige Lebensumstände: der Verlust eines Angehörigen, die Trennung vom Partner, eine schwere Krankheit, berufliche Überbelastung oder Arbeitslosigkeit. In der Psychologie gibt es Theorien, die Depressionen unter anderem auf unbewältigte Kindheitserlebnisse wie den Verlust der Mutter zurückführen.

Wer kann Depressionen bekommen?

Depressionen können jeden treffen und in jedem Alter auftreten. Frauen bekommen die Diagnose allerdings doppelt so häufig wie Männer. Gut jede vierte erwachsene Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens einmal an einer Depression.

Zu sehen ist eine unscharfe Fotografie von einer jungen Frau, die ihr Neugeborenes im Arm hält. Sie sieht das Baby nicht an, sondern blickt über es hinweg ins Leere.

Depressionen nach der Geburt sind häufig

Junge Mütter: Mehr als die Hälfte aller jungen Mütter erlebt kurz nach der Geburt ihres Kindes eine milde Form der Depression, den sogenannten "Babyblues". Sie brechen leicht in Tränen aus, fühlen sich traurig und schlafen schlecht. Hormone spielen dabei eine entscheidende Rolle. Von einer "Wochenbettdepression" sprechen die Ärzte erst, wenn eine Mutter länger als zwei Wochen in dieser Stimmung ist. Bei ungefähr fünf bis zehn Prozent der Frauen ist das der Fall.

Altersdepression: Ob sich mit zunehmendem Alter die Wahrscheinlichkeit erhöht, an einer Depression zu erkranken, ist noch nicht sicher erforscht. Fest steht, dass selbst Hausärzte Altersdepressionen häufig nicht erkennen. Denn Niedergeschlagenheit wird bei älteren Menschen häufig auf die Lebensumstände zurückgeführt, etwa das Nachlassen der körperlichen oder geistigen Kräfte, Einsamkeit oder den Rückzug aus dem Berufsleben. Depressionen sind aber die häufigste psychische Erkrankung im Alter.

Kinder und Jugendliche: Auch Kinder bekommen die Diagnose Depressionen häufig spät oder gar nicht gestellt. Denn zum einen passt die Krankheit nicht zum gängigen Bild der "glücklichen Kindheit". Zum anderen werden bei Kindern die depressiven Verstimmungen besonders häufig von körperlichen Symptomen oder Verhaltensauffälligkeiten überdeckt, die eine Diagnose schwierig machen.

Autorinnen: Annette Holtmeyer/Britta Schwanenberg

Stand: 05.07.2016, 13:42

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