Glück

Ein vierblättriges Kleeblatt.

Psychologie

Glück

Mehr Erfolg, mehr Geld, mehr Freunde. Alles Wünsche, um dem eigentlichen Lebensziel näherzukommen: dem Glück. Doch wenn wir einmal glücklich sind, sind wir trotzdem nicht dauerhaft zufrieden. Wir wollen dieses Gefühl wieder und wieder erleben. Eine wahre Glückssucht. Wie kommt es dazu, was passiert mit uns, wenn wir uns glücklich fühlen und sind wir überhaupt fürs ständige Glück gemacht? Über das Gefühl aller Gefühle zerbrechen sich schon seit über 2000 Jahren Philosophen und Wissenschaftler den Kopf.

Glück – was ist das?

Gemälde von Raffael: die Athener Schule. Versammlung der wichtigsten griechischen Philosophen. Platon und Aristoteles stehen zentral in der Mitte.

Athener Schule mit Platon und Aristoteles (Mitte)

In jeder Kultur und zu jeder Zeit beschäftigten sich Menschen mit den Fragen, was Glück ist und wie man es erreichen kann. Früher waren das vor allem Philosophen. So sah der Chinese Lao Tse (6. Jahrhundert vor Christus) das wahre Glück in der Untätigkeit. Wenn der Mensch aufhöre, so Lao Tse, dem Glück oder anderen Zielen hinterherzulaufen, dann sei er wirklich glücklich.

Für die griechischen Philosophen Sokrates, Platon und Aristoteles (5./4. Jahrhundert vor Christus) führte eine tugendhafte Lebensweise zum Glück. Glückseligkeit oder Eudämonie war in ihren Augen das Ziel, auf das alles Handeln ausgerichtet sein soll. Denn nur wer sein Leben gerecht und heilig geführt habe, gelange nach seinem Tod zu den "Inseln der Seligen", so die Überzeugung Platons.

Ganz anders dachte Epikur (4. Jahrhundert vor Christus). Für ihn war Glück das Erleben von Lust und die Abwesenheit von Schmerz. Diese hedonistische Denkweise ist auch heute noch verbreitet und wird oft als egozentrisch und rücksichtslos verurteilt.

Glücksforschung heute

Tiger's Nest Monastery, Kloster in Bhutan.

In Bhutan zählt Glück mehr als Reichtum

Heute hat die Suche nach dem Glück das Haus der Philosophen verlassen. Soziologen wollen herausfinden, wo die glücklichsten Menschen leben. Der Niederländer Ruut Veenhoven hat die weltgrößte Glücksdatenbank gegründet, in der internationale Publikationen zum Thema analysiert werden. Unter den Bewohnern von 97 Ländern sind demnach die Dänen am glücklichsten, es folgen die Schweizer und Isländer.

Dafür sieht Veenhoven verschiedene Gründe: Diese Länder haben eine lange demokratische Tradition und geben ihren Bürgern ein hohes Maß an Mitbestimmung, sie haben eine zuverlässige Regierung und es herrscht materieller Wohlstand. Außerdem ist die Gesellschaft wenig hierarchisch gegliedert. Die sozialen Unterschiede sind gering und Männer und Frauen weitgehend gleichberechtigt.

Psychologen kehren der traditionellen Erforschung negativer Gefühle den Rücken zu und beschäftigen sich mit dem Positiven. Die wichtigste, noch relativ junge Forschungsrichtung ist die Positive Psychologie. Dort wird untersucht, wie positive Emotionen entstehen, wie diese den Charakter formen und welche Rahmenbedingungen in der Gesellschaft positive Charakterzüge unterstützen.

Auch die Politik entdeckt das Glück. So forderte David Cameron, Vorsitzender der Konservativen Partei in Großbritannien, das Bruttoinlandsprodukt durch einen Indikator für das allgemeine "Wohlbefinden" zu ersetzen. So weit ist das kleine asiatische Land Bhutan schon: Dort zählt nicht die Erhöhung des Bruttosozialproduktes, sondern des Bruttosozialglücks.

Die Chemie der Euphorie

Querschnitt durchs Gehirn.

Dopamin sorgt dafür, dass das Gehirn besser funktioniert

Was passiert eigentlich im Gehirn, wenn wir uns glücklich fühlen? Bereits Ende der 1950er Jahre fand James Olds, Psychologe an der University of Michigan, heraus, dass Ratten die elektrische Stimulation eines bestimmten Gehirnareals mögen. Die Ratten konnten diese Gehirnregion selbst per Knopfdruck stimulieren und drückten den Knopf immer wieder. So lange, bis sie vor Durst, Hunger und Erschöpfung beinahe gestorben wären. Für sie zählte nur noch der "Glückskick".

Olds hatte das Lustzentrum im Gehirn entdeckt, eine Ansammlung von Neuronen im Mittelhirn. Sie werden aktiv, wenn etwas passiert, das besser ist als erwartet. Dann stoßen sie den Glücksstoff Dopamin aus und leiten ihn weiter: zum einen in den Nucleus accumbens im unteren Vorderhirn sowie direkt ins Frontalhirn.

Wenn Dopamin im Nucleus accumbens ankommt, produzieren die dortigen Neuronen opiumähnliche Stoffe - wir fühlen uns euphorisch, glücklich. Das Dopamin im Frontalhirn führt dazu, dass unser Gehirn besser funktioniert: Wir werden aufmerksamer, verarbeiten die Informationen des unerwarteten Ereignisses und lernen, was gut für uns ist. So gesehen ist unser Glücksgefühl "nur" ein Nebenprodukt unseres Lernvermögens.

Damit es uns mit einer Überdosis Glück nicht geht wie den Ratten, ist es wichtig, dass unser Glücksempfinden auch wieder abflaut. "Unser Gehirn ist nicht dafür gebaut, dauernd glücklich zu sein. Aber es ist süchtig danach, nach Glück zu streben", so der Hirnforscher Manfred Spitzer.

Glück in den Genen

Zwillinge stehen im Bikini nebeneinander und lächeln.

Glück liegt in den Genen – zum Teil

Manche Menschen scheinen immer gut drauf und zufrieden zu sein. Wurde ihnen das Glück schon in die Wiege gelegt? Jein. Der Psychologe David Lykken untersuchte das Glücksempfinden von Zwillingen. Dazu verglich er in Interviews das Wohlbefinden von eineiigen Zwillingen, die nach ihrer Geburt getrennt wurden und in verschiedenen Familien aufwuchsen, mit gemeinsam aufgewachsenen Zwillingspaaren.

Ergebnis: Die Antworten beider Gruppen unterschieden sich kaum. Daraus schloss Lykken, dass Wohlbefinden und Glück mindestens zur Hälfte von den Genen beeinflusst werden.

Doch wir sind nicht die willenlosen Knechte unserer Gene. Es gibt ja noch die anderen 50 Prozent. Der Neuropsychologe Richard Davidson untersuchte Babys und stellte fest, dass bei manchen die linke Gehirnhälfte aktiver ist als die rechte.

Optimistische Typen hatten einen aktiveren linken Frontalcortex als unglücklichere Naturen. Aber: Nach zehn Jahren untersuchte er die Kinder wieder. Und da war nicht mehr viel vom damaligen Muster der Hirnströme zu erkennen. Die Kinder wurden von ihrer Umwelt stark geprägt, sodass sich die Gehirnströme verändert hatten.

Was uns glücklich macht

Geld macht glücklich. Aber nur, wenn man wirklich arm ist. Sobald die Grundbedürfnisse befriedigt sind, flacht die Glückskurve ab, je mehr man verdient. Menschen, für die Luxus und Reichtum besonders wichtig sind, sind sogar eher unglücklich. Denn "Materialisten" sind seltener mit Freunden zusammen. Das macht nicht glücklich, sondern einsam.

Freunde machen glücklich und verhelfen sogar zu einem längeren und gesünderen Leben. Denn einsame Menschen stehen unter Stress, alleine mit allen Schwierigkeiten im Leben klarkommen zu müssen. Stresshormone wie Cortisol können die Wirkung des Immunsystems dämpfen.

Frisch verliebte Menschen sind - wie überraschend - besonders glücklich. Bei ihnen sind fast die gleichen Gehirnschaltungen aktiv wie bei Drogensüchtigen. Das ventrale Tegmentum, das im obersten Teil des Hirnstammes liegt, überschwemmt Körper und Gehirn mit Glücksstoffen.

Besonders wirksam heizen Berührungen dem Glückszentrum ein: Wenn sie länger als 20 Sekunden dauern, werden der Glücksstoff Oxytocin und körpereigene Endorphine ausgeschüttet. Wenn wir einen 500-Euro-Schein genauso lange berühren, geschieht dies nicht.

Weitere spannende Erkenntnisse aus der Glücksforschung: Verheiratete sind im Schnitt glücklicher und gesünder als Ledige. Und beim Sport macht Paartanzen besonders glücklich, da durch die Bewegung Endorphine und gleichzeitig durch den Körperkontakt Oxytocin ausgeschüttet werden.

Glückstraining fürs Gehirn

Gruppe von lachenden Senioren am Strand.

Freunde sind fürs Glück wichtiger als Geld und Luxus

"Auf die Dauer nimmt die Seele die Farbe der Gedanken an", sagte der römische Kaiser Marc Aurel. Das stimmt auch, wenn es ums Glück geht. Wer die Welt mit positiven Augen sieht, sich häufiger das Schöne im Leben bewusst macht, ist glücklicher. Aber auch Menschen, die eher griesgrämig durchs Leben gehen, können lernen, ihr Gehirn auf "Glück" umzuprogrammieren.

Denn gute Gefühle sind kein Zufall, sondern die Antwort unseres Gehirns und Körpers auf einen Reiz. Gezielt Situationen und Erlebnisse zu suchen, die man als schön und positiv empfindet, macht auf Dauer glücklich. Für die einen ist das Sport, für die anderen Zusammensein mit Freunden, Kochen oder Reisen. Jeder Mensch hat seinen eigenen Weg glücklicher zu werden.

Autorin: Monika Sax

Stand: 11.04.2016, 13:24

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