Wissensfrage

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Wie funktioniert die Pille?

Die Idee zur Pille ist alt: Schon 1919 hatte sie der Österreicher Ludwig Haberlandt formuliert, seinerzeit einer der führenden Hormonforscher weltweit. Und er verdeutlichte sie an einem einfachen Beispiel: Wenn man nicht will, dass ein Fuhrwerk zu einem Parkplatz vordringt, der bereits belegt ist, dann versperrt man ihm den Weg. Genauso, war er sich sicher, müsse es im Körper einer schwangeren Frau ablaufen: Hormone würden sich den Eizellen und Spermien zwar nicht in den Weg stellen, aber dafür sorgen, dass der Weg in die Gebärmutter unpassierbar ist.

Zur gleichen Zeit etwa hatten englische und französische Forscher Fortschritte bei der Analyse der Geschlechtshormone gemacht und herausgefunden, dass Hormone aus dem so genannten Gelbkörper den Schleim auf dem Weg zur Gebärmutter verhärten und weitere Eisprünge und Schwangerschaften verhindern. Haberlandt dachte weiter: Wenn man einer Frau nun derartige Hormone zuführen würde, könnte man damit eine sichere Empfängnisverhütung erreichen. Die Zeit war aber noch nicht reif für die Umsetzung dieser Idee. Der Professor wurde heftig angegriffen, Verbrechen gegen ungeborenes Leben warf man ihm vor. Auch der Wissenschaft fehlten noch Erkenntnisse - darüber, wie man diese Hormone synthetisieren, also künstlich herstellen könnte.

Die Idee lag auf Eis und wurde erst in den 1950er Jahren neu belebt. Den entscheidenden Anstoß gaben zwei amerikanische Frauen: die Amerikanerin Margaret Sanger, eine Vorkämpferin für Geburtenkontrolle, und die Millionärin Katherine McCormick. Sie beauftragten den befreundeten Biochemiker Gregory Pincus ein empfängnisverhütendes Mittel zu entwickeln. Für die Finanzierung sorgten sie. Nach Tests an puertoricanischen Frauen kam die Pille 1957 auf den amerikanischen Markt, 1961 "Anovlar" auf den deutschen. Sie wurde zunächst als Mittel gegen Menstruationsbeschwerden verkauft - die empfängnisverhütende Wirkung wurde nur als Nebenwirkung auf dem Beipackzettel aufgeführt.

Hormone täuschen eine Schwangerschaft vor

Der weibliche Körper stellt selbst die beiden Hormone Östrogen und Gestagen her. Geringe Mengen an Östrogen fördern die Eireifung und den Eisprung und damit die Empfängnisbereitschaft. Ist eine Frau schwanger, dann produziert der Körper viel zu viele Östrogene, die die Eireifung verhindern. Der Embryo kann so in aller Ruhe heranwachsen. Die Gestagene schützen diesen zusätzlich.

Pillen in verschiedenen Packungen und Farben: kreisrund, rechteckig und blau, grün und rosa.

Sie täuscht dem Körper eine Schwangerschaft vor

Zu viele Gestagene verdicken den Schleim im Muttermund und machen damit den Weg zur Gebärmutter für Spermien und Eizellen unpassierbar. Die Pille macht sich diese Effekte zunutze. Mit ihr nimmt die Frau einen Überschuss an Östrogen und Gestagen zu sich. Die Pille täuscht dem Körper damit eine Schwangerschaft vor - jeden Monat 21 Tage lang. Wenn dieser dann in der Pillenpause keine Hormone bekommt, kann er den festen Gebärmutterschleim nicht halten. Nur deshalb setzt die Blutung ein. Fachleute nennen das "Pseudomenstruation" - ein historisch bedingter Begriff. Denn die Entwickler der Pille vermuteten, dass die Frauen ein Verhütungsmittel, das keine oder nur seltene Blutungen auslöst, als unnatürlich empfänden. Also ahmten sie durch die siebentätige Pillenpause die Natur nach, nicht länger. Danach muss der Weg zur Gebärmutter wieder versperrt werden. Sonst nimmt eine befruchtete Eizelle dort wirklich ihren Platz ein.

Weiterführende Infos

Autor/in: Katharina Beckmann

Stand: 13.03.2014, 12:00

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