Bauhaus

Das Kornhaus von Walter Gropius.

Architektur

Bauhaus

Das Bauhaus steht bis heute für kühne, rationale und funktionale Entwürfe. Für die Zeitgenossen, die in den 1920er Jahren erstmals mit der modernen Architektur konfrontiert waren, waren die neuen Häuser und Gegenstände hingegen oftmals ein Schock.

Die Zeichen der Zeit

Die Vorgeschichte des Bauhauses beginnt gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Das aufstrebende Deutschland löst Großbritannien zu diesem Zeitpunkt als führende Wirtschaftsmacht in Europa ab. Viele industrielle Produktionsweisen und handwerkliche Verfahren werden aus dem Vereinigten Königreich übernommen. Auch die preußischen Kunstgewerbeschulen, die bis dato rein künstlerisch orientiert sind, werden nach englischem Vorbild umgestaltet und um Werkstätten erweitert.

Plakat zur 'Deutschen Werkbund Ausstellung' in Köln 1914.

Der Werkbund - Vorläufer des Bauhauses

Moderne Künstler wie Peter Behrens oder Henry van de Velde übernehmen als Lehrer die Leitung der Kunstgewerbeschulen in Düsseldorf und Weimar. Man erkennt allgemein, dass gut gestaltete Industriegüter ein bedeutender Wirtschaftsfaktor sein können. Überall sucht man nach einem Stil, der Deutschlands Vormachtstellung auf dem europäischen Markt zur Geltung bringen soll.

Aus diesen kulturtheoretischen Überlegungen heraus wird 1907 in München der "Deutsche Werkbund" gegründet, dessen Ziel der Zusammenschluss von Kunst, Industrie und Handwerk zur Formierung einer einheitlichen deutschen Stilsprache ist. In der Folgezeit lassen große Firmen wie Bahlsen oder AEG ihre gesamte Produktpalette und Architektur von Künstlern des Werkbundes entwerfen.

Doch die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg ist nicht nur eine Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs und erstarkenden nationalen Selbstbewusstseins. Zum ersten Mal formieren sich auch kulturkritische reformerische Gegenbewegungen.

Ein Porträt des Archtekten Walter Gropius' aus den 20er Jahren.

Walter Gropius (1920)

Einer der bedeutendsten Vordenker in der Kunst ist dabei der noch junge Walter Gropius. Nicht nur als Architekt wagemutiger, moderner Bauten macht er sich einen Namen, auch als Verfasser theoretischer Schriften ist er ein Vordenker. Schon als Soldat an der Front macht er Vorschläge zur Gründung einer modernen Lehranstalt und fordert einen radikalen intellektuellen Frontwechsel. Den Werkbund, dessen Mitglied er seit 1912 ist, hält er schon zu diesem Zeitpunkt für tot.

In den ersten Wirren der Nachkriegszeit packt Gropius die Gelegenheit beim Schopf. Als Nachfolger von Henry van de Velde zum Leiter der "Großherzoglich-Sächsischen Hochschule für Bildende Künste" ernannt, ruft er innerhalb kürzester Zeit die modernste und umstrittenste Kunstschule der 1920er Jahre ins Leben: Das "Staatliche Bauhaus in Weimar".

Ein revolutionärer Lehrplan

In einem Manifest verkündet Gropius 1919 das primäre Ziel seiner Schule: "Das Endziel aller bildnerischen Tätigkeit ist der Bau!" Architektur, Bildhauerei und Malerei sollen zum Handwerk zurückgeführt werden, um gemeinsam den Bau der Zukunft zu gestalten. Gropius sieht dabei keinen Wesensunterschied zwischen dem Künstler und dem Handwerker.

Abstraktes Bild mit farbigen, geometrischen Formen auf weißem Hintergrund von Wassily Kandinsky.

Abstrakte Farb- und Formgestaltung von Kandinsky


Der Name Bauhaus ist eine Anlehnung an die Bauhütten der mittelalterlichen Kathedralen, in denen Kunst und Handwerk schon früher verschmolzen. Aus diesem Grund sollen alle Schüler der neuen Schule in einem Vorkurs mit der Beschaffenheit von Materialen sowie den Eigenschaften von Farben und Formen vertraut gemacht werden. Den Vorkurs leitet der Maler Johannes Itten zusammen mit seinen berühmten Kollegen Wassily Kandinsky und Paul Klee.


Nach Abschluss der Vorlehre müssen sich die Studierenden für eine der praktisch ausgerichteten Bauhaus-Werkstätten in den Bereichen Metall, Weberei, Keramik, Möbel, Typographie oder Wandmalerei entscheiden. Diese Werkstätten werden sowohl von einem Künstler als auch von einem Handwerksmeister geleitet, um Handwerk und künstlerische Gestaltung direkt mit der Praxis verbinden zu können. Nebenbei arbeiten die Studierenden von Anfang an diversen Bauprojekten des Bauhauses mit, zunächst im Architekturbüro von Gropius, später dann in der 1927 eingerichteten Architekturklasse.

Design für die Zukunft

Aus der praktischen Ausbildung heraus entstehen Prototypen zahlreicher Möbel und Gebrauchsgegenstände, die mit der Gründung der "Bauhaus GmbH" 1925 auch in die industrielle Massenproduktion gehen können. Unter dem Leitgedanken "Volksbedarf statt Luxusbedarf" sollen vorbildliche Gegenstände für die künftige Gesellschaft produziert werden.

Großaufnahme einer Wagenfeld-Tischlampe.

Design-Klassiker - die Wagenfeld-Lampe


In ihrer schlichten, einfachen Form sind die Produkte des Bauhauses eine gestalterische Revolution. Die Form ordnet sich komplett der Funktionalität unter oder anders: "form follows function". Viele der vom Bauhaus entwickelten Produkte sind sowohl in ihrer ursprünglichen Form als auch in ihrer Weiterentwicklung bis heute aus vielen Haushalten nicht mehr wegzudenken, wie zum Beispiel der Freischwinger-Stuhl, die Wagenfeld-Lampe oder die Bauhaustapete.

Doch auch in anderen, weniger bekannten Bereichen ist das Bauhaus ein Wegweiser für die Zukunft: In der Bühnen-Abteilung werden unter Oskar Schlemmer neue Bühnenbilder und Darstellungsformen des Theaters entworfen, in der Fotografie-Abteilung ist der Ungar Laszlo Moholy-Nagy ein Wegbereiter der experimentellen Fotografie.

Architektur als Gesamtkunstwerk

Blick auf den Eingangsbereich des rechteckigen, vollständig verglasten Bauhaus-Gebäudes in Dessau.

Das Bauhaus-Gebäude in Dessau

Herzstück der Ausbildung am Bauhaus ist jedoch die Zusammenführung aller Künste zur Errichtung des Baus der Zukunft. Eindrucksvollste Beispiele sind das Lehrgebäude und die Meisterhäuser des Bauhauses in Dessau, die Walter Gropius 1926 entwirft und baut. In den 1920er Jahren arbeiten sowohl Lehrmeister als auch Studierende an der Errichtung zahlreicher Einzelhäuser, wie zum Beispiel dem Versuchshaus "Haus am Horn", mit.


Einer breiten Öffentlichkeit bekannt wird das Bauhaus nicht zuletzt durch die Siedlungen des sozialen Wohnungsbaus. In der Weimarer Republik wird die Wohnungsfrage ein wesentliches Element der Sozialpolitik. Die zahlreichen Projekte des sozialen Wohnungsbaus werden vielfach bestaunt und bewundert. Wie in Stuttgart der Weißenhof oder in Karlsruhe der Dammerstock entstehen in vielen Städten Siedlungen unter Federführung von Bauhaus-Architekten. In Frankfurt am Main wird bereits in den 1920er Jahren in industrieller Plattenbauweise gebaut. Mit vorgefertigten, genormten und großformatigen Bauteilen, die auf den Baustellen zusammengesetzt werden.

Auflösung und Neuorientierung

Die radikalen Ideen und Umsetzungen der Bauhaus-Künstler stoßen jedoch nicht überall auf Gegenliebe. Von Anfang an scheiden sich die Geister an den für die Gesellschaft der 1920er Jahre völlig neuen Gegenständen und Bauwerken. Konservativen Kreisen sind die linken und internationalistischen Bauhaus-Mitglieder seit jeher ein Dorn im Auge. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wird das Bauhaus sofort aufgelöst. Viele der bekannten Künstler wandern nach Frankreich, Großbritannien, in die Schweiz oder die USA aus.

Schwarzweiß-Foto: Blick auf einen beleuchteten schlichten Wolkenkratzer in New York.

Seagram Building in New York von Mies van der Rohe


Laszlo Moholy-Nagy gründet 1937 in Chicago das "New Bauhaus", aus dem 1938 die "School of Design" hervorgeht. Diese Schule orientiert sich noch an dem ganzheitlichen Prinzip des Bauhauses, legt aber deutlich mehr Wert auf die Fotografie, wo sie auch die bedeutendsten Leistungen aufzuweisen hat.

Architekten wie Walter Gropius oder Ludwig Mies van der Rohe machen sich in den USA und international einen Namen. Sie errichten Bauwerke, die bis heute als Inbegriff der modernen Architektur gelten. Trotz aller Kritik und Gegenbewegungen können sich die gestalterischen Prinzipien des Bauhauses national wie international durchsetzen und beeinflussen bis in die Gegenwart eine Vielzahl von Architekten, Designern und Künstlern.

Autor/in: Tobias Aufmkolk/Gabriele Trost

Stand: 09.02.2015, 12:00

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