Drachen

Drachenskulptur

Fabelwesen

Drachen

Sie haben eine gespaltene Zunge, Adlerklauen, den Kopf eines Löwen oder Kamels, sind mal gut und mal böse und können in der Regel fliegen. Fantastische Drachen bevölkern schon seit Jahrtausenden unsere Welt. Meist erreichen sie ein beträchtliches Alter, speien Feuer und versetzen die Welt in Furcht und Schrecken. Fast jeder hat schon mal von ihnen gehört – ganz gleich, in welchem Teil der Welt er lebt.

Uralte Mischwesen

Die Drachen gehören zu einem Kosmos von fantastischen Tieren, über den Menschen seit Urzeiten sprechen. Neben Fabelwesen wie dem Einhorn, dem Greif, der Sphinx oder den Wolfsmenschen nehmen die Drachen einen besonderen Platz ein. Geschichten über sie erzählen sich Menschen nämlich – im Gegensatz zu den anderen Wesen – fast überall auf der Welt.

In vielen Erzählungen werden Drachen als Mischwesen dargestellt, das heißt, sie tragen Merkmale verschiedener Tiere. Da sich die einzelnen Tierkombinationen von Region zu Region unterscheiden können, lassen sie sich manchmal nur schwer zuordnen.

Ein Merkmal vereint aber die meisten Drachen: sie sind Schlangen oft ähnlich. Nicht von ungefähr stammt der Begriff "Drache" vom griechischen Wort "dracon" ab, was soviel bedeutet wie "große Schlange". Das Wort "dracon" wiederum hat seinen Ursprung im griechischen Wort "Derkomai“ –  übersetzbar mit "genau und durchdringend anschauen".

Wo leben Drachen?

Den Sagen und Legenden nach behausen Drachen die unterschiedlichsten Gefilde. Manche  Geschichten erzählen von Drachen, die in Höhlen leben, andere sollen im Meer zu Hause sein. In so mancher Legende heißt es, Drachen hätten eine gewisse Vorliebe für Jungfrauen, was sie in früheren Zeiten, in denen Jungfrauen besonders wertgeschätzt wurden, in ein schlechtes Licht rückte.

Fast alle Menschen auf der Welt kennen Sagen, die von Drachen erzählen. Schauen wir nach Europa, fällt vor allem England als Land auf, in dem die Menschen gerne Geschichten von Drachen weitererzählen – schon seit dem 15. Jahrhundert geben sie die Erzählungen von Generation zu Generation weiter.

In Deutschland erzählen sich besonders die Menschen in der Region nahe des Rheins Geschichten von Drachen. Auch am Rande Deutschlands, an der Grenze zu Tschechien, sind Drachen-Sagen verbreitet – hier wird sogar schon seit dem 15. Jahrhundert der Drachenstich aufgeführt, ein traditionelles Volksschauspiel.

Das Ölgemälde aus dem 19. Jahrhundert zeigt die Burg Drachenfels am Rhein im Abendrot.

Der Drachenfels am Rhein

Wie lang leben Drachen?

Viele Legenden stellen Drachen als besonders langlebige Wesen dar. In Japan erzählen sich die Menschen, aus den Eiern der Drachen schlüpfe erst nach 3000 Jahren Nachwuchs. Eintausend Jahre liegt das Ei den Erzählungen nach im Meer, eintausend Jahre im Gebirge und die letzten tausend Jahre in Form eines Steins in einem Dorf.

Erst dann, so die Geschichten, schlüpft aus dem Ei der neugeborene Drache. In manchen Geschichten heißt es gar, Drachen seien unsterblich. Nur ein mutiger Drachentöter könne die Tiere umbringen.

Gezähmt und bekämpft

Geschichten über Drachen erzählen sich die Menschen schon sehr lange. Die ersten Abbildungen von Drachen oder drachenähnlichen Wesen sind über 6000 Jahre alt. Die abgebildeten Drachen erinnern oft an Schlangen, die den Menschen ebenso wie die Drachen als Tiere der Unterwelt galten und das Böse verkörperten. Detailliertere Beschreibungen von Drachen finden sich erstmals in der Bibel.

In der heiligen Schrift des Christentums ist der Drache der Inbegriff des Teufels. In der Offenbarung wird er als feuerfarben beschrieben, mit sieben Köpfen und zehn Hörnern. Er verursachte einen Krieg im Himmel, der mit seinem Sturz aus dem Himmel auf das Erdenreich endete.

Das Fresko zeigt einen geflügelten roten Drachen mit sieben Köpfen und sieben Kronen vor blauem Hintergrund.

Im frühen Christentum wird der Drache als siebenköfiges Monster dargestellt

Sein wesentlicher Charakterzug ist die Falschheit, mit der es ihm gelingt, die Menschen zu verführen und von Gott abzulenken. Auch die alten Griechen erzählten sich zahlreiche Geschichten über Drachen, die meist böswillig waren. Ebenso wie die Griechen, erzählten sich auch die alten Perser und Ägypter bereits Legenden, die von Drachen handelten.

Auch frühe Wissenschaftler beschäftigten sich mit Drachen. Islamische Astrologen und Astronomen glaubten, Drachen seien für die Mond- und Sonnenfinsternis am Firmament verantwortlich.

Drachenkämpfer und Drachenforscher

Im Mittelalter entstanden besonders viele Drachengeschichten. Oft zierten Drachen auch Wappen und Schilde.

Auch die Wissenschaft beschäftigte sich weiterhin mit den Drachen. In den sogenannten "Bestiarien" beschrieben die Autoren die Welt, wie sie sie vorfanden. So umfangreich wie möglich wurde das Reich der Steine, Pflanzen und Tiere geschildert. Als existent galt alles, wofür es eine Bezeichnung gab.

Realität im Mittelalter bemaß sich zuweilen nach anderen Maßstäben als heute – im Vordergrund der mittelalterlichen Beschreibungen stand nicht die Frage, ob Drachen überhaupt existiert haben, sondern ihre Bedeutung im Hinblick auf die christliche Lehre.

Gemälde: Siegfried vor der Drachenhöhle

Mythos des Mittelalters – Siegfried kämpft gegen den Drachen

Das Ende der Drachen?

Heute gehen Historiker davon aus, dass Drachen rein symbolischen Charakters waren. Vermutlich standen sie für die Gefahren der Naturgewalten. Während die Menschen in China sie achteten und zu besänftigen versuchten, kämpfte man in den westlichen Ländern gegen sie an. Die Menschen glaubten wohl, wer den Drachen besiegen konnte, hatte auch die Möglichkeit sich den Naturgewalten entgegenzustellen.

Aus christlicher Sicht stellten sie das Böse und die Versuchung schlechthin dar, die es zu bekämpfen galt. Höhepunkt der Drachenlegenden war das Mittelalter. Danach nahm ihre Bedeutung ab. Die letzten bewegenden Geschichten über Drachenkämpfe sind schließlich mehrere hundert Jahre alt.

Heutzutage begegnet man dem Drachen gelegentlich noch in Fantasy-Filmen und Kindergeschichten. Allerdings scheint er sich dort seit einiger Zeit gewandelt zu haben. Zwar gibt es auch noch Drachen, die gezähmt werden müssen, aber die meisten dieser Drachen erweisen sich als klug und weise und werden am Ende sogar zu Rettern in der Not.

Der Sänger Peter Maffay und der Drache "Tabaluga" auf einer Bühne.

Tabaluga – Moderner Drache und Bühnenstar

Autorin: Sine Maier-Bode

Weiterführende Infos

Stand: 31.10.2016, 10:59

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