Jüdisches Leben

Religion

Jüdisches Leben

Die Festkultur des Judentums ist so alt wie seine heiligen Schriften. Die meisten Festtage wurden schon vor weit über 2000 Jahren beschrieben und werden bis heute begangen. Jedes Fest hat sein festes Datum im Jahresverlauf und wird nach einem genauen Plan gefeiert. Das ist schwieriger als es klingt, denn der jüdische Kalender richtet sich nach Sonne und Mond. Zur Sicherheit werden gerade außerhalb Israels die meisten Feste einen Tag länger gefeiert, damit man den richtigen Zeitpunkt auch wirklich erwischt. Wer auf der sicheren Seite sein will, feiert eben länger.

Kombination aus Mond- und Sonnenkalender

Ein Mann mit Kippa und Gebetsmantel steht vor einem geöffneten Thoraschrein. Links und rechts von ihm stehen zwei Frauen, die aus Büchern vorlesen.

Der jüdische Kalender kennt viele Feste

Der jüdische Kalender, nach dem sich die Feste richten, ist eine Kombination aus Mond- und Sonnenkalender. Immer wenn sich der Neumond am Himmel zeigt, beginnt ein neuer Monat. Am 15. jeden Monats ist also immer Vollmond. Diese zwölf Mondmonate sind abwechselnd 29 und 30 Tage lang. Um sich dem Sonnenjahr anzugleichen, wird in bestimmten Jahren ein 13. Monat, ein unterschiedlich langer Schaltmonat, hinzugefügt. Die Zeitrechnung beginnt mit dem Zeitpunkt der Schöpfung, so wie ihn jüdische Gelehrte vor 2500 Jahren auf der Basis ihrer heiligen Schriften errechneten. Der Anfang der Welt liegt danach 3761 Jahre vor Christi Geburt, sodass das Jahr 2010 nach Christus dem jüdischen Jahr 5771 entspricht.

Drei Erntefeste zur Geburt des Volkes

Das jüdische Jahr beginnt im Herbst und wird durch seine Feste strukturiert. Drei dieser Feste existierten bereits vor der Entstehung des Judentums. Pessach, Schawuot und Sukkot füllen die alten Erntefeste mit jüdischem Inhalt, analog zu Ostern, Pfingsten und Erntedankfest im Christentum. Die drei Feiern sind der Geburtsgeschichte des Volkes gewidmet: dem Exodus, der 40-jährigen Reise ins Gelobte Land und dem Empfang der Thora. Solange es den Tempel in Jerusalem gab, waren sie Wallfahrtsfeste. Man reiste zu diesen Tagen nach Jerusalem, um am Tempel ein Ernteopfer zu bringen. Bis heute gibt es noch den Brauch - etwa beim Pessachfest - einander zu wünschen, dass man sich im nächsten Jahr in Jerusalem wieder sieht.

Zwei kleine Feste feiern die Bewahrung des Judentums

Chanukka und Purim gehören zu den fröhlichsten Feiern des Judentums. Sie stellen jeweils ein historisches Ereignis in den Mittelpunkt und feiern die Bewahrung des Judentums in schwieriger Lage. Es sind kleine Feste, weil sie nicht aus einem göttlichen Gebot hervorgegangen sind, also nicht aus der Thora stammen. Daher gibt es für diese Tage kein ausdrückliches Arbeitsverbot.

Die hohen Feiertage

Rosch Ha-Schana ist ein frühbiblischer heiliger Tag. Im Laufe der Jahrhunderte wurde er zum Neujahrsfest. Zwischen ihm und Jom Kippur liegen zehn Tage, eine besonders ernste Zeit der Sühne. In dieser Fastenzeit, nach einem Monat der Reue und der Buße, müssen gute Taten vollbracht werden und alle diejenigen um Verzeihung gebeten werden, die man verletzt hat.

Man sieht einen Mann mit Kippa von oben. Auf der Kippa ist ein Davidstern.

Jüdischer Gottesdienstbesucher

Jom Kippur selbst ist der feierlichste und heiligste aller jüdischen Feiertage. Denn am Jom Kippur wird über jeden ein göttliches Urteil gefällt. Die Vergehen vor Gott können nur dann verziehen werden, wenn auch alle anderen Vergehen verziehen sind. Der ganztägige Gottesdienst beinhaltet ein gemeinsames Schuldbekenntnis und die Bitte um Verzeihung.

Autor/in: Jürgen Dreyer

Stand: 25.06.2014, 13:00

Darstellung: