Päpste

Religion

Päpste

Im Matthäus-Evangelium findet sich die Überlieferung, dass Jesus Petrus, dem ersten Apostel, seine Kirche anvertraut: "Du bist Petrus, auf diesem Felsen will ich meine Kirche bauen." So wird Petrus zum ersten Bischof von Rom. Die katholische Kirche sieht in Petrus den ersten Papst. Die Führungsgewalt, die Jesus auf Petrus übertragen hat, geht seither von einem auf den nächsten Papst über. Alle Päpste sind bis heute zugleich Oberhaupt der katholischen Kirche und Bischof von Rom, und sie führen den Titel "Stellvertreter Christi auf Erden".

Primat des Bischofs von Rom

Papst Johannes Paul II. von hinten. Er blickt auf einen großen Platz voller Menschen hinab. Der rechte Arm ist zum Segen ausgestreckt.

Papst Johannes Paul II. erteilt den Ostersegen

Die großen Christenverfolgungen in der frühchristlichen Zeit endeten im Jahr 311 durch das Toleranzedikt von Mailand unter dem römischen Kaiser Konstantin. Im Jahr 380 erklärte Kaiser Theodosius das Christentum zur Staatsreligion. Jetzt konnte sich die christliche Religion auch institutionell weiterentwickeln. Im 5. Jahrhundert entstanden mehrere Bistümer, an deren Spitze Bischöfe als oberste Priester standen, die sogenannten Patriarchen. Darunter ragten fünf Patriarchate hervor: Rom, Konstantinopel, Alexandria, Antiochia und Jerusalem bildeten die Spitzen der Weltkirche.

Nachdem der kaiserliche Sitz von Rom nach Konstantinopel verlegt wurde, gewann der Bischof von Rom, unterstützt durch den römischen Adel und Klerus, zunehmend an weltlicher und geistlicher Macht. Er wurde zum mächtigsten Kirchenfürsten des Abendlandes. Papst Leo der Große (440 bis 461) setzte schließlich das Primat, den Alleinvertretungsanspruch des römischen Patriarchats durch, indem er den Papst als Stellvertreter Petri definierte.

Das Ölgemälde zeigt den Apostel Petrus mit zwei Schlüsseln in der Hand.

Petrus - erster Bischof von Rom

Auf dem Konzil von Chalkedon im Jahr 451 wurde allerdings auch dem Patriarchen von Konstantinopel ein Primat zugesprochen. Die Ostkirche begann sich damit von der westlich-römischen Kirche zu entfremden. Die Entfremdung gipfelte im Morgenländischen Schisma (Kirchenspaltung) von 1054, das die Trennung der römisch-katholischen von der orthodoxen Kirche besiegelte.

Der Papst wird Kaisermacher

Nachdem Rom von den Langobarden bedroht wurde, suchte Papst Stephan II. Schutz durch einen starken Bündnispartner. Diesen fand er in dem fränkischen König Pippin, der die Langobarden 754 und 756 vernichtend schlug. Pippin schenkte dem Papst ein weites Gebiet in Mittelitalien, das die Grundlage des Kirchenstaates wurde. Im Gegenzug legitimierte der Papst den Herrschaftsanspruch des neuen Frankengeschlechts, das sich anschickte die Merowinger abzulösen.

Die golden glänzende Büste stellt Karl den Großen mit Vollbart dar.

Karl der Große regierte 46 Jahre lang

In der nächsten Generation bestätigte Karl der Große, Sohn und Nachfolger Pippins, die "Pippinsche Schenkung" und vollzog die entscheidenden Schritte zur Christianisierung Europas. Am 25. Dezember 800 wurde Karl der Große von Papst Leo III. in Rom zum römischen Kaiser gesalbt. Seit dieser Verbindung zwischen den höchsten Würdenträgern Kaiser und Papst, war es ausschließlich dem Papst vorbehalten, den römischen Kaiser zu krönen.

Schisma und Investiturstreit

Die Schwarzweiß-Zeichnung zeigt Kaiser Heinrich IV. in einem langen Hemd, wie er vor dem Tor eines großen Gebäudes an einer Wand lehnt.

Heinrich IV. beim Gang von Canossa

Im 11. Jahrhundert kam es zu einer denkwürdigen Kraftprobe zwischen Kaiser und Papst. Der sogenannte Investiturstreit - der Streit um das Recht, Bischöfe zu benennen und einzusetzen - eskalierte zwischen Papst Gregor VII. und Kaiser Heinrich IV. und endete mit der Exkommunizierung des Kaisers. Der Papst siegte und zwang Kaiser Heinrich IV. zum demütigenden "Gang von Canossa", der Wallfahrt im Büßerhemd vor den Papstthron im Jahr 1077.

Im 13. Jahrhundert nahm Papst Innozenz III. (1198 bis 1216) den Titel eines "Stellvertreters Christi" für sich in Anspruch. Im römischen Kirchenstaat wurden die päpstlichen Verwaltungsbehörden (Kurie) systematisch ausgebaut, ebenso wie die oberste kirchliche Gerichtsbehörde (Inquisition).

Der Papst im Exil

Unter Innozenz III. erreichte das Papsttum den Höhepunkt seiner weltlichen Macht. Der Pontifex Maximus konnte sich gegen den Kaiser nach schweren Kämpfen behaupten. Papst Bonifaz VIII. versuchte im Jahr 1302, diesen neuen päpstlichen Machtanspruch in seiner Bulle (päpstliche Urkunde) "Unam sanctam" festzuschreiben. Er wollte die geistliche päpstliche Gewalt vor jeder weltlichen Herrschaft durchzusetzen. Doch es kam anders, im 14. Jahrhundert stürzte das Papsttum in seine größte Krise. Nachdem es in Italien und Deutschland zu ernsten politischen Zerwürfnissen kam, begann der Aufstieg einer neuen Macht in Europa: Frankreich baute seine Vormachtstellung aus.

Bonifaz VIII. wollte sich Frankreichs König in den Weg stellen und belegte ihn mit dem Kirchenbann. Daraufhin belagerten französische Truppen den Papstpalast und nahmen den Pontifex gefangen. Unter der eigennützigen "Schirmherrschaft" des französischen Königs Philipp IV. begann 1309 die "babylonische Gefangenschaft" der Kirche: das Exil der Päpste in Avignon. Unter die völlige Abhängigkeit der französischen Krone geraten, residierten die Päpste fast 70 Jahre lang in Frankreich und wurden zu Dienern der französischen Könige. Systematisch bestückte Frankreich nun das Kardinalskollegium mit französischen Kandidaten. Erst der deutsche König Karl IV. sollte den Papst zur Rückkehr nach Italien bewegen. Die Zeit des Exils wurde nun von der Zeit des großen Schismas abgelöst, der großen Kirchenspaltung, die 30 Jahre dauern sollte. Denn nun stritten gleich drei Anwärter um die Papstwürde.

Erst durch das Konzil von Konstanz (1414 bis 1418) konnte das Schisma beigelegt werden. Es war der größte Kongress des 15. Jahrhunderts. Aus aller Welt kamen die Konzilteilnehmer: Kleriker, Kardinäle, Bischöfe, Äbte, Wissenschaftler von allen europäischen Universitäten. Auch weltliche Fürsten und Herrscher nahmen teil. Das Konzil sah sich als gottgegebene Autorität, die die Einheit der Kirche wahren sollte und daher dem Absolutheitsanspruch des Papstes entgegentrat: Für die Zeit des Konzils ging daher die geistliche Macht vom Konzil selbst und nicht mehr vom Papst aus.

Mit dieser Autorität ausgestattet, setzte das Konzil die drei Gegenpäpste Johannes XXIII., Gregor XII. und Benedikt XIII. ab und berief Martin V. als neuen Papst auf den Stuhl Petri. Obwohl das große Schisma auf dem Konstanzer Konzil beigelegt wurde, hatte das Papsttum erheblich an Ansehen eingebüßt.

Papsttum im Zeitalter der Reformation

Die bis heute wichtigste Schwächung der katholischen Kirche und des Papsttums erfolgte von deutschem Boden aus. Im 16. Jahrhundert, dem Zeitalter der Reformation, spaltete sich die christliche Kirche in das katholische und protestantische Lager. Luther verurteilte die Verweltlichung des Papstamtes in der Renaissance und die Verrohung der Sitten in der katholischen Kirche. Das Papsttum verlor schließlich nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) seine universale Geltung im Abendland.

Vom Kirchenstaat zur Vatikanstadt

Im 19. Jahrhundert bestimmte Papst Pius IX. auf dem Ersten Vatikanischen Konzil im Jahr 1870 das Dogma der Unfehlbarkeit des Papstes. In der Folge der nationalstaatlichen Gründung Italiens wurde der Kirchenstaat in das neue Land Italien zwangseingegliedert. Wütend stilisierte sich Papst Pius IX. zum "Gefangenen des Vatikans", eines Gebietes von nur 40 Hektar rund um die Peterskirche. Erst 1929 wurden die Streitigkeiten beigelegt und die Souveränität des neuen Staates "Vatikanstadt" sowie der "Heilige Stuhl" durch die Lateranverträge mit dem Papst als Staatsoberhaupt bestätigt.

Das Papsttum im 20. Jahrhundert

Während Faschismus und Nationalsozialismus die Kirche entscheidend schwächten, tat der Papst sein Übriges, um die Ohnmacht der Kirche zu besiegeln: Er schwieg. Papst Pius XII. (1939 bis 1958) reagierte nicht auf die Gräueltaten an den Juden und die rassistisch geführten Vernichtungsfeldzüge der Nationalsozialisten und der Faschisten.

Das Schwarzweiß-Foto zeigt Johannes XXIII. in der Papsttracht. Seine rechte Hand hat er wie zum Segen erhoben.

Papst Johannes XXIII.

Sein zunächst unterschätzter Nachfolger Johannes XXIII. entpuppte sich als eine der großen integrativen Figuren der Kirchengeschichte. Mit unermüdlicher Herzensgüte aber auch Zähigkeit berief er gegen den gewaltigen Widerstand der Traditionalisten das Zweite Vatikanische Konzil ein, das entscheidende Schritte in der Ökumene und gelebten Kirche unternahm.

Das Zweite Vatikanische Konzil tagte in Rom vom 11. Oktober 1962 bis zum 8. Dezember 1965. Zentrale Anliegen waren die Ausweitung der Religionsfreiheit, der verstärkte Dialog mit den Andersgläubigen und die Betonung der Kollegialität der Bischöfe, die die strenge Kirchenhierarchie aufbrechen sollte. Mehr als 2500 Kleriker nahmen an der außerordentlichen Versammlung teil.

Besonders in der Liturgie wurden entscheidende Veränderungen beschlossen: Die heilige Messe sollte nicht länger auf Latein, sondern in den jeweiligen Volks- und Landessprachen gelesen werden, der Priester den Gottesdienst nicht mehr mit dem Rücken zur Gemeinde sondern ihr zugewandt feiern.

Autor/in: Gregor Delvaux de Fenffe

Stand: 09.06.2015, 12:00

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