Kanaren

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Kanaren

Die "Inseln der Glückseligen", so wurden die Kanaren in der Antike genannt. Immer wieder kamen berühmte Zeitgenossen hierher. Zum Beispiel Christoph Kolumbus, der von hier aus seine Reise in die Neue Welt begann. Oder der Naturforscher Alexander von Humboldt. Er machte 1799 Station auf Teneriffa und war fasziniert von der exotischen Tier- und Pflanzenwelt. Auch heute haben die Kanaren viele Fans. Das Klima ist das ganze Jahr über angenehm, die Landschaft vielfältig - vom Regenwald bis zur Wüste - und die Strände sind wunderschön.

Millionen Jahre alte Vulkaninseln

Ein Baum mit einer buschigen Krone und dickem Stamm. Links steht eine Palme, rechts im Hintergrund eine Kirche.

Älter als 500 Jahre: Drachenbaum in Icod de los Vinos

Gran Canaria, Lanzarote, Fuerteventura, Teneriffa, La Gomera, El Hierro und La Palma, das sind die sieben Hauptinseln der Kanaren. Hier leben auf einer Fläche von rund 7500 Quadratkilometern rund zwei Millionen Menschen. Der Archipel liegt westlich von Marokko und nur 100 Kilometer vor der afrikanischen Küste, aber mehr als 1000 Kilometer von seinem Mutterland Spanien entfernt. Allen Inseln gemeinsam ist ihr vulkanischer Ursprung. Die beiden ältesten, Lanzarote und Fuerteventura, werden auf 16 bis 20 Millionen Jahre geschätzt. Auf fast allen Inseln findet man deshalb große Vulkankegel. Einige Vulkane sind heute noch aktiv, so brach 1971 auf La Palma der Teneguía aus.

Karte, auf der die sieben Hauptinseln der Kanaren mit den wichtigsten Städten eingezeichnet sind.

Die sieben Hauptinseln der Kanaren

Einzigartig ist auch die Tier- und Pflanzenwelt auf den Inseln. Biologen gehen davon aus, dass hier rund 1800 verschiedene Gewächsarten, Blumen und Baumarten vertreten sind. Die Hälfte davon gibt es ausschließlich auf den Kanaren. Die typische Inselvegetation ist der Lorbeerwald. Zu den ungewöhnlichsten Pflanzenarten gehört der Drachenbaum. Schon die Römer stellten aus seinem roten Saft und den Früchten Arzneimittel her. Auch die Tierwelt auf den Kanaren ist außergewöhnlich. So leben hier unter anderem Rieseneidechsen, die bis zu 80 Zentimeter groß werden können.

Touristenmagnet Gran Canaria

Überfüllter Strand mit blau-gelben Sonnenschirmen.

Ziel von Millionen Touristen

Obwohl alle Inseln denselben geologischen Ursprung haben, ist jede von ihnen einzigartig. Da ist Gran Canaria, die auch zu den bekanntesten zählt. Seit den 1960er Jahren flüchten Jahr für Jahr mehrere Millionen Touristen hierher in die Sonne. Kein Wunder, denn Gran Canaria hat alles, was für viele den perfekten Urlaub ausmacht: Wenig Regen, weite Sandstrände und jede Menge Hotels und Diskotheken. Um den Bedürfnissen der Urlauber gerecht zu werden, wurden eigens Ferienorte gebaut, wie Maspalomas im Süden der Insel. Doch Gran Canaria hat auch noch eine andere Seite, zum Beispiel die Altstadt von Las Palmas mit ihren zahlreichen Museen.

Feuerinsel vor der Küste Afrikas

Grüne Pflanzen, umgeben von kleinen Mauern auf schwarzer Lavaerde. Im Hintergrund ein Bergmassiv.

Bizarre Landschaft auf Lanzarote

Solche touristischen Anlaufstellen gibt es auf Fuerteventura weniger. Wer hierher kommt, muss hauptsächlich mit der Natur vorlieb nehmen. Die allerdings hat viel zu bieten. Es sind vor allem die endlos langen Strände, die die Besucher anlocken. Wer Ruhe und Entspannung sucht, ist auf der dünn besiedelten Insel genau richtig.

Wie auch Fuerteventura liegt ihre Nachbarinsel Lanzarote in Sichtweite der afrikanischen Küste. Von den Einheimischen wird sie "Isla del Fuego", die "Feuerinsel", genannt, weil sie fast ausschließlich aus Lava besteht. Auf der mit 795 Quadratkilometern viertgrößten Insel des Archipels gibt es fast 300 Vulkankegel mit beeindruckenden Gesteinsformationen. Die Farben der Strände, von denen es allerdings nur sehr wenige gibt, reichen von Weiß bis Schwarz. Obwohl die Vegetation relativ spärlich ist, gilt Lanzarote vielen als schönstes Eiland der Kanaren. Die Insel ist zudem eng mit dem Künstler César Manrique verbunden. Er lebte hier und hinterließ zahlreiche außergewöhnliche Bauwerke. Außerdem sorgte er dafür, dass die Insel weitgehend vom Massentourismus verschont blieb.

Der höchste Berg Spanien

Teneriffa ist nicht nur die größte Insel des Archipels, sie hat auch den höchsten Berg Spaniens vorzuweisen. Auf der Insel erhebt sich der 3718 Meter hohe Pico del Teide, der im Winter oft schneebedeckt ist. Auf Teneriffa gibt es auf einer Fläche von etwas mehr als 2000 Quadratkilometern mehrere Klimazonen und damit eine außergewöhnliche Tier- und Pflanzenwelt.

Eine grüne Wiese und eine karge Landschaft vor einem schneebedeckten blau schimmernden Berg.

Oben schneit es, unten blüht es: der Pico del Teide

Auch auf der Nachbarinsel La Gomera kommen Naturliebhaber auf ihre Kosten. Lorbeerwälder und Bananenplantagen prägen das Bild der nur in kleinen Teilen touristisch erschlossenen Insel, deren vorherrschende Landschaftsform das Gebirge ist. La Gomera galt lange als die Insel der Aussteiger und ist auch heute noch weitgehend vom Individualtourismus geprägt.

El Hierro ist mit einer Größe von 278 Quadratmetern die kleinste Insel des Archipels. Über die Hälfte davon stehen unter Naturschutz. Mehr als doppelt so groß ist La Palma. Das Eiland, das die Form eines Faustkeils hat, wird auch "La Isla Verde", "die grüne Insel" genannt. Die üppige Vegetation ist dem Regen zu verdanken, der hier so reichlich fällt wie auf keiner anderen Kanareninsel. Touristen kommen trotzdem, allerdings weit weniger als nach Gran Canaria oder Teneriffa.

Sagenumwobene Stätten vor der Küste Afrikas

Lavalandschaft mit einem Turm, dessen Spitze hinter einem Berg sichtbar herausragt.

El Hierro wurde im 15. Jahrhundert von Kastilien eingenommen

Der Sage nach sind die Kanaren Überreste des legendären Inselreichs Atlantis. Der Name, so ist es vom römischen Schriftsteller Plinius überliefert, geht auf zwei große Hunde zurück, die Seefahrer von Gran Canaria mitgebracht haben sollen. Daraufhin bekam die Insel den Namen Canaria, abgeleitet vom lateinischen Wort "canis" für Hund. In anderen Quellen ist es der Kanarienvogel, der dem Archipel seinen Namen gegeben haben soll.

So wenig gesichert wie die Herkunft des Namens ist auch die der kanarischen Ureinwohner, der Guanchen, die erstmals im 2. Jahrhundert vor Christus auf die Insel gekommen sein sollen. Zwar gehen Wissenschaftler mittlerweile davon aus, dass es nordafrikanische Berber waren, die die Inseln besiedelten, doch endgültig geklärt ist das nicht. Obwohl schon in der Antike regelmäßig Schiffe hier anlegten, gerieten die Inseln später wieder in Vergessenheit.

1402 landete der normannische Ritter Jean de Béthencourt auf Lanzarote. Damit begann die eigentliche Eroberung der Inseln. Er nahm mit Unterstützung des Königshauses von Kastilien die dünn besiedelten Inseln El Hierro und Fuerteventura ein. Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts waren alle Inseln unterworfen und die meisten Ureinwohner entweder versklavt oder ermordet.

Karte, auf der die Entfernung der Kanarischen Inseln vor der Küste Afrikas zum Mutterland Spanien deutlich wird.

Seit 1821 sind die Kanaren spanische Provinz

Die Kanaren waren aber auch bei Seefahrern anderer Nationen beliebt. So versuchten unter anderem Sir Francis Drake, Admiral Robert Blake und zuletzt, im Jahre 1797, Admiral Horatio Nelson die Inseln den Spaniern abspenstig zu machen. Doch die setzten sich durch und erklärten die Kanaren 1821 zur spanischen Provinz. Hauptstadt wurde Santa Cruz de Tenerife. In dieser Zeit erlebten die Kanaren einen wirtschaftlichen Aufschwung. Die Exportschlager waren unter anderem Zuckerrohr, Wein und Bananen. Der Erste Weltkrieg beendete die Geschäfte und viele Inselbewohner flüchteten vor der Armut nach Lateinamerika.

Die Kanaren unter General Franco

Schwarzweiß-Fotografie von General Franco aus dem Jahr 1932. Zu sehen ist ein Mann mit einem Schnauzbart in militärischer Kleidung.

Unter Francos Diktatur flohen Tausende

Die nächste Krise begann 1936 mit dem Ausbruch des Spanischen Bürgerkrieges. Im selben Jahr wurde General Franco von der republikanischen Regierung auf die Inseln abgeschoben, wo er kurz darauf die Macht ergriff. Unter seinem diktatorischen Militärregime wurde Spanien international geächtet und wieder flohen Tausende - jetzt heimlich - nach Südamerika. Viele von ihnen ertranken damals bei der Flucht über den Atlantik - so wie auch viele der heutigen Flüchtlinge, die aus Afrika auf die Kanaren kommen.

Anfang der 1960er Jahre öffnete Franco die Grenzen für ausländische Urlauber und legte damit den Grundstein für die Tourismusindustrie. Mittlerweile macht die Branche bis zu 80 Prozent des Bruttoeinkommens aus. Die letzte wichtige politische Entscheidung fiel 1982, als die Inseln zur autonomen Region Spaniens wurden. Seitdem können die kanarischen Behörden über bestimmte Bereiche wie zum Beispiel Bildung und Gesundheit selbst bestimmen.

Weiterführende Infos

Autor/in: Christiane Tovar

Stand: 28.04.2014, 13:00

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