Entdeckung Amerikas

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Entdeckung Amerikas

Er will zu den legendären Reichtümern Asiens - und kommt in Amerika an: 1492 entdeckt Christoph Kolumbus die "Neue Welt". Eine neue Zeit beginnt, keine gute für die Ureinwohner des Kontinents. Sie werden von den europäischen Eroberern ausgebeutet, unterdrückt, vernichtet. Auf der Entdeckung Amerikas wird wohl ewig dieser Schatten liegen. Doch ist es überhaupt richtig, Kolumbus als Entdecker Amerikas zu bezeichnen? Steuerten die Wikinger nicht schon lange vor dem Genueser den Kontinent an? Planet Wissen nimmt Sie mit auf eine Reise in die Zeit als Amerika für die Europäer noch unbekanntes Land war.

Entdeckung aus Versehen

Das Bild zeigt eine Landkarte des amerikanischen Kontinents. An den vier Ecken sind die vier Amerika-Entdecker Kolumbus, Vespucci, Magellan und Pizarro porträtiert.

Landkarte des amerikanischen Kontinents

12. Oktober 1492. Nur mit Mühe kann der Kiel der Santa Maria den dichten Teppich aus Seegras durchschneiden, der den Atlantischen Ozean bedeckt. "Die Küste ist nicht weit", erzählt Christoph Kolumbus seinen ungeduldigen Matrosen seit Tagen, ja Wochen schon. Doch bislang hat er sein Versprechen nicht eingelöst. Der Genueser in spanischen Diensten ist unterwegs einen Seeweg nach Asien zu entdecken.

Die Vorräte sind fast aufgebraucht und Kolumbus kurz davor entmutigt umzudrehen, als der Matrose im Großmast zunächst ein Schilfrohr, dann einen Holzstamm und dann - weit in der Ferne - einen Landstreifen entdeckt. Wild bimmelt er die Schiffsglocke. Jubel an Bord. Und auch die Eingeborenen, die die Ankömmlinge später am Strand begrüßen, jauchzen, als Kolumbus die spanische Flagge in den Küstensand steckt.

Im Zentrum des Bildes kniet Kolumbus, in der Linken ein Schwert, in der Rechten eine Fahne, die er in den Boden steckt. Hinter ihm seine Mannschaft, die jubelt, links neben ihm ein Geistlicher, der den Eingeborenen am Bildrand ein Kreuz entgegenhält.

Erobert: Kolumbus steckt Spaniens Flagge in den Boden

Er denkt, er habe Asien erreicht. Dabei hat er nur den Fuß auf einen riesigen Landriegel gesetzt, der den Weg dahin versperrt. Berauscht vom Entdeckerglück irrt er wenig später weiter und landet auf Kuba. Auf Haiti, das Kolumbus Hispaniola nennt, gründet er eine spanische Kolonie. Mit Kisten voller Gold und Gewürzen kehrt er nach Spanien zurück, lässt sich mit Salutschüssen feiern.

Wer tat den ersten Schritt?

Der in gelbe Kleidung gehüllte Wikinger steht auf seinem Schiff und weist mit der Hand auf eine kaum zu erkennende Landmasse am linken Bildrand. Drumherum tobt das Meer.

Hat der Wikinger Leif Eriksson Amerika entdeckt?

Kolumbus - der Entdecker Amerikas? Diese Ansicht ist umstritten. Immer wieder kommen die Wikinger ins Gespräch, die schon um das Jahr 1000 nach einer Irrfahrt über den Atlantik an den Küsten Kanadas gestrandet sein sollen. Möglicherweise hat Kolumbus davon gewusst, hat Einsicht in deren Karten nehmen können.

Häufig wird auch der chinesische Seefahrer Zheng He als Amerika-Entdecker benannt. Anfang 2006 tauchte bei einem chinesischen Sammler eine Karte von 1413 auf, in die bereits Amerika, Asien und Europa eingezeichnet sind. Ob diese Karte echt und damit der Chinese der wahre Entdecker der "Neuen Welt" ist - niemand weiß das so genau.

Auch im Leben des Kolumbus löst sich so vieles in Fragen und Fragwürdigkeiten auf, in Unsicherheiten und Unsinn, in Mythen. Zu seinen Lebzeiten hat niemand ein Porträt über ihn geschrieben. Alles, was man heute über ihn weiß, beruht auf Überlieferungen. Selbst das Geburtsjahr lässt sich nur schätzen. Wahrscheinlich kommt Cristoforo Colombo, so sein italienischer Name, 1451 in Genua zur Welt - ironischerweise im selben Jahr wie der Seefahrer Amerigo Vespucci, nach dem später Amerika benannt wird.

Kolumbus ist der Sohn eines einfachen Wollwebers aus Genua, schlägt sich in seiner Jugend als Zuckerhändler, Seekartenzeichner und - Gerüchten zufolge - auch als Pirat durchs Leben. Er ist fasziniert von der Seefahrt, vom Gefühl, unterwegs zu sein. Und er träumt davon, einen Seeweg über den Atlantik zu finden, nach China, Japan, Indien.

Das sagenhafte Asien

Das Bild zeigt den jungen Christoph Kolumbus.

Ein junger Mann - mit großen Träumen: Kolumbus

Die Beschreibungen des Asien-Reisenden Marco Polo nähren seine Träume. Der ferne Kontinent verspricht Reichtum, Macht und Ehre. Mit Hingabe sucht Kolumbus nach Hinweisen im Alten und im Neuen Testament und berechnet daraus, dass die Entfernung zwischen Spanien und Indien etwa 6000 Kilometer betragen muss. Kurs West.

Kolumbus berechnet alles falsch, was man nur falsch berechnen kann. Er, der nie eine Universität besucht hat, der zwar von seinen Ideen besessen, aber nicht sonderlich begabt ist, unterschätzt den Erdumfang - etwa um ein Viertel. Das aber hat er sein Leben lang nicht begriffen. Er ist überzeugt von seinem Plan, will an den Königshäusern vorsprechen, um Geld für seine Expedition einzutreiben. 1484, endlich, bekommt er eine Audienz beim portugiesischen König. Der lacht nur müde. Asien in ein bis zwei Wochen? Unmöglich! Kolumbus zieht an den spanischen Königshof.

Doch auch Isabella und ihr Gemahl Ferdinand haben zunächst kein Interesse an den Plänen. Für sie ist es wichtiger, ihr Land von den Arabern zu befreien. Sie leiten Kolumbus' Karten an eine Kommission weiter. Die Gelehrten sind sich sicher, dass Kolumbus' Reiseroute reiner Unfug und dass diesem "verrückten Italiener" ein gewaltiger Rechenfehler unterlaufen ist. Kolumbus gibt nicht auf. Und findet schließlich doch bei Isabella Gehör. Das Araberproblem ist inzwischen gelöst. Außerdem ist die Königin der Spanier berauscht von dem Gedanken, den Wettlauf um die Entdeckung ferner Länder gegen Portugal zu gewinnen. Sie lässt sich blenden von Kolumbus’ Charme, den Goldversprechungen und der Aussicht, die fremden Völker zum christlichen Glauben zu bekehren.

Isabella und Ferdinand ernennen Kolumbus zum "Admiral der ozeanischen Meere", stellen ihm eine Beteiligung an den Gewinnen in Aussicht und drei Schiffe zur Verfügung - Santa Maria, Niña, Pinta. Am 3. August 1492, noch vor Sonnenaufgang, segelt Kolumbus von der Hafenstadt Palos aus auf den Atlantik hinaus.

Ein Paradies für einen Europäer

Das spanische Königspaar steht auf einer Empore, zu der Treppen hinaufführen. Vor den Stufen steht Kolumbus, Mitbringsel aus der neuen Welt liegen neben ihm. Rundherum Soldaten auf Pferden und mitgebrachte Indios.

Das spanische Königspaar ist von Kolumbus beeindruckt

Es ist der Beginn einer Reise, die das Gesicht der Welt verändern wird - wenn auch auf eine ganz andere Weise, als es sich der Entdecker vorstellt. Er träumt von einer kurzen Fahrt, dann erreicht er Asien, dann ist er im Schlaraffenland, wo Gold und Gewürze im Überfluss zu haben sind.

Tatsächlich aber segeln er und seine Mannschaft wochenlang über den stürmischen Ozean und kommen im Oktober 1492 schließlich auf einer Insel der Bahamas an. Die Eingeborenen sind freundlich, beschenken ihn mit Perlen. Kolumbus erwähnt sie in seinem Logbuch als "gutmütige Geschöpfe, wenn auch sie etwas dumm sind". Selbst über Geschenke wie zertretenes Glas freuen sie sich. Hier lässt sich leicht Beute machen, denkt Kolumbus.

Nur ein Jahr später, 1493, kehrt er auf die Inseln in Mittelamerika zurück. Diesmal allerdings nicht als freundlicher, frommer Mann, sondern als Tyrann. Aus 17 Schiffen besteht seine Flotte. 1200 Bauern, Handwerker, Krieger befinden sich darauf, die mit Vorderladern und Bluthunden bewaffnet sind. Und diesmal verteilt er keine Geschenke, sondern verbreitet Furcht und Schrecken. Den Ureinwohnern nimmt er die Frauen weg. Wer nicht genug Gold abliefern kann, wird versklavt, wenn nicht gleich auf den Scheiterhaufen gebracht.

Kolumbus ist so grausam zu den Menschen, dass Königin Isabella ihn in Ketten legen und zurück nach Spanien verfrachten lässt, als sie von seinen Taten hört. Er wird rehabilitiert und macht sich noch zwei Mal auf den Weg nach Mittelamerika um die Küstenstreifen zu erforschen. Ohne nennenswerten Erfolg. Kolumbus hat seinen Ruhm verspielt. Am 19. Mai 1506 stirbt er, vergessen und verlassen.

Kolumbus geht - neue Eroberer kommen

Das Gemälde zeigt Feldherr Hernando Cortez, der auf einem weißen Pferd das Stadttor einer südamerikanischen Stadt passiert. Um ihn herum bewaffnete Indios und Soldaten.

Der spanische Eroberer Hernando Cortez zieht in Südamerika ein

Für die Indios in Amerika fängt zu diesem Zeitpunkt die schrecklichste Leidenszeit aber erst an. Eroberer wie Cortez und Pizarro machen sich im 16. Jahrhundert ins Innere des Kontinents auf. In der spanischen Heimat erzählen sie, sie wollten diesen Flecken Erde erforschen. Doch sie haben überhaupt kein Interesse an der immensen Kultur- und Pflanzenvielfalt, die dieser Kontinent birgt. Sie rauben alles, was ihnen auf ihren Kreuzzügen in die Hände fällt, zerstören die sagenhaften Schätze der Inka und Azteken, versklaven die Menschen, beuten sie bis aufs Letzte aus.

Am Ende überlebt nur ein Bruchteil der 50 Millionen Ureinwohner Lateinamerikas die spanische Herrschaft, die 300 Jahre dauert - und die am 12. Oktober 1492 beginnt. An dem Tag, als die Eingeborenen diesen Christoph Kolumbus und seine Männer so friedlich und freundlich begrüßen.

Autor/in: Katharina Beckmann

Stand: 02.04.2014, 13:00

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