Das Weihnachtsoratorium
Für das Weihnachtsoratorium griff Bach auf bereits vorhandene Musik zurück. Viele Chöre und Arien sind Parodien, das heißt für das Weihnachtsoratorium hat Bach die Musik seiner bereits aufgeführten Kompositionen wiederverwendet. Bestes Beispiel ist der erste Eingangschor. Hier hat er eine Gratulationskantate (BWV 214), die der sächsischen Fürstin gewidmet war, eingearbeitet.
Ursprünglich hieß der Text nicht "Jauchzet, frohlocket", sondern "tönet ihr Pauken, erschallet, Trompeten". In der vierten Kantate des Weihnachtsoratoriums "Fallt mit Danken, fallt mit Loben" griff Bach auf seine Kantate (BWV 213) "Laßt uns sorgen, laßt uns wachen" zurück.
Vorhandenes Material im Parodieverfahren zu nutzen, war zu Bachs Zeiten nicht unüblich. Schließlich fand die Aufführung einer Glückwunschkantate im Rahmen einer Feierlichkeit wie am sächsischen Hof nur wenige Zuhörer. Da es keinerlei Tonträger gab, lag es auf der Hand, vorhandene Musikstücke erneut mit einem anderen Text zu nutzen, um sie so vor dem Vergessen zu retten. Da Bach zu allen Zeiten seines Lebens Gebrauchsmusik verfasst hat, also Musik, die den Pflichten seiner jeweiligen Arbeitsstelle entsprach, war das Kopieren seiner eigenen Werke ein zweckmäßiges und rationelles Kompositionsverfahren.
Heute wird das Weihnachtsoratorium meist nur in Teilen, etwa die Kantaten 1 bis 3 oder 4 bis 6, aufgeführt. Außerdem wird das Werk nicht mehr wie zu Bachs Lebzeiten in der Weihnachtszeit, sondern davor im Advent gespielt. Die ursprüngliche liturgische Bedeutung der Musik ging so weitgehend verloren, man genießt das Weihnachtsoratorium heute als Konzert.
Sabine Kaufmann, Stand vom 01.06.2009





