Lourdes
Lourdes
Im Jahr 1858 erschien dem jungen Mädchen Bernadette Soubirous in einem Wäldchen in Lourdes mehrmals eine "schöne Dame ", die sich als Heilige Jungfrau zu erkennen gab. Es kam zu den ersten Wunderheilungen. Damit begann die Geschichte des Marien- Wallfahrtsortes, die Lourdes zum heute berühmtesten christlichen Wallfahrtsort der Welt werden ließ.
Vor den Marienerscheinungen und den Wunderheilungen war nichts in der Kleinstadt am Fuße der Pyrenäen. Heute hat Lourdes bei 18.000 Einwohnern nach Paris die meisten Hotelzimmer in Frankreich, und dazu rund 600 Devotionalienläden. Der Wallfahrtsort gilt in Frankreich als die reichste Gemeinde. Kein Wunder: Jahr für Jahr strömen rund 5 Millionen Menschen aus aller Welt mit Zügen, Bussen oder Flugzeugen nach Lourdes.
"Wo der Himmel die Erde berührte"
1858 erschien der 14-jährigen Müllerstochter Bernadette Soubirous in Lourdes in einer Grotte am Ufer der Gave mehrmals die Jungfrau Maria – gekleidet in ein weißes Kleid, um die Taille einen hellblauen Schal gewickelt und auf den Füssen Rosen. Dann entsprang an dieser Stelle eine Quelle, die nach Aussage der Jungfrau heilende Kraft haben sollte. Schon zehn Jahre später traf in der Kleinstadt der erste Zug ein, und kurz darauf hatten schon 40.000 Menschen den kleinen Ort besucht. Wunderheilungen in den folgenden Jahren sorgten dafür, dass der Strom der Wallfahrer bis heute nicht abgebrochen ist. Unter den Millionen, die heute jährlich zwischen April und Oktober den Marienwallfahrtsort besuchen, sind rund 70.000 Kranke. Für viele von ihnen ist die Kleinstadt ein Ort, an dem sie Trost suchen. Manche hoffen auf das Wunder ihrer Heilung. Zuhause leben die meisten von ihnen - bedingt durch ihre Krankheit - häufig isoliert. Für sie sind die Tage in Lourdes, in denen sie wie nirgendwo sonst im Mittelpunkt stehen, aufopfernd umsorgt werden und andere Kranke treffen, das eigentliche Wunder. "Lourdes gibt allen – auch den Gesunden - Kraft, Hoffnung und Trost", sagen sie und: "Lourdes muss man erleben, das kann man nicht erzählen.
"Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind"
Auf den Wallfahrtsort Lourdes schauen viele Gläubige und Nichtgläubige mit gemischten Gefühlen. Wer von Lourdes spricht, denkt meist an Menschenmassen, Geschäftemacherei und an die Wunderheilungen, die Lourdes berühmt gemacht haben.Mindestens 6.500 Fälle von "Heilungswundern" sollen sich in der 145-jährigen Geschichte des Marien-Wallfahrtsorts ereignet haben. Nur 66 davon hat die Kirche bisher anerkannt: darunter waren 56 Franzosen, drei Belgier, vier Italiener und drei Deutsche. Fast zwei Drittel der Heilungen fand vor dem ersten Weltkrieg statt, dreizehn nach dem II. Weltkrieg. In den vergangenen 40 Jahren wurden nur drei Heilungen von der Kirche anerkannt. Das letzte "Heilungswunder" vollzog sich an Jean-Pierre Bely, der an Multipler Sklerose erkrankt 1987 im Rollstuhl nach Lourdes reiste. Nach dem Besuch der Messe hatte er "ein Gefühl der Befreiung", wie er selbst sagte. Bei der Rückreise konnte er bereits selbständig in den Zug einsteigen.
Im Jahr 1952 ereignete sich an einem Deutschen, einem Benediktinermönch, eine Wunderheilung. Bruder Leo war ebenfalls an multipler Sklerose erkrankt. Als sich seine Krankheit im Endstadium befand, ermöglichte ihm seine Ordensgemeinschaft eine Wallfahrt nach Lourdes. Nach einem Bad in einer der Becken blieb aber die erbetene Heilung aus. Erst am Nachmittag bei der Sakramentsprozession erlebte der Mönch seine Wunderheilung: "Da durchfuhr es mich plötzlich wie ein Blitzstrahl vom Kopf bis zum Fuß, wie ein elektrischer Schlag – das war das Ende! Nein: ich kniete vor dem Wagen, aufrecht mit gefalteten Händen. Wie es geschah, weiß ich nicht. Augenblicklich wusste ich: ich bin geheilt...."
Die katholische Kirche verpflichtet übrigens niemanden, trotz ihrer Wunderbestätigungen, an die Heilungen von Lourdes zu glauben.
Kriterien für ein Wunder
Immer wieder ereignen sich auch heute noch unerklärliche spontane Heilungen in Lourdes. Bevor jedoch eine Heilung als "Heilungswunder " anerkannt wird, unterzieht die katholische Kirche den Vorgang einer kritischen und langwierigen Prüfung. Für die Anerkennung eines Heilungswunders sind sieben Kriterien erforderlich. Diese gehen im Wesentlichen bereits auf Papst Benedikt XIV (1740-1758) zurück:
- Es muss sich um eine schwere Krankheit handeln, die unmöglich oder wenigstens schwierig zu heilen ist.
- Die geheilte Krankheit muss nicht schon im Abklingen sein, so dass sie kurz nach der Heilung sowieso verschwunden wäre
- Es darf keine Arznei verabreicht worden sein. Wenn Medikamente angewandt wurden, muß deren Wirkungslosigkeit bestätigt worden sein.
- Die Heilung muss sich plötzlich und augenblicklich vollziehen.
- Die Heilung ist vollkommen.
- Es darf vorher unter Einfluss eines bestimmten Mittels oder zu gewohnter Stunde keine unvermutete Krise eingetreten sein; in diesem Falle könnte man nicht sagen, dass die Heilung wunderbar, sondern nur, dass sie ganz oder teilweise natürlich erklärbar ist.
- Nach der Heilung darf kein Rückfall der geheilten Krankheit eingetreten sein.
Ereignet sich ein mögliches "Heilungswunder" in Lourdes, muss der Geheilte einen langen Instanzenweg durchlaufen, bevor die wunderbare Heilung anerkannt wird. Der erste Gang ist immer in das Ärztebüro in Lourdes.
Cordula Weinzierl, Stand vom 01.06.2009








