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Der Eiffelturm

Eigentlich sollte er 20 Jahre nach seiner Fertigstellung wieder abgerissen werden - schließlich war der Eiffelturm kein Denkmal, sondern ein moderner Bau ohne Funktion, für die Weltausstellung 1889 errichtet. Doch der Turm, als "teuflische Konstruktion" seinerzeit beschimpft, blieb. Seit mehr als 100 Jahren nun ist er das Wahrzeichen der französischen Hauptstadt. Warum der Eiffelturm erhalten wurde, warum bei seinem Bau so viele Künstler protestierten und wie er doch noch eine Funktion bekommen hat - Planet Wissen verrät es Ihnen.

Der Eiffelturm in der Abenddämmerung, davor zahlreiche Häuser. (Rechte: Mauritius)

Einst stark umstritten

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Ein Turm zur Weltausstellung

Zur Hundertjahrfeier der Französischen Revolution 1889 wollte Frankreich ein Zeichen setzen; etwas Großes, Gewaltiges musste her. 1884 beschloss der französische Präsident, eine Weltausstellung ausrichten zu lassen - es war seit der Premiere 1851 in London bereits die vierte Weltausstellung in Paris. So ein Großereignis erforderte sensationelle Projekte. Es entstand die Vision eines höchsten Turms auf Erden, 300 Meter hoch - so etwas gab es damals noch nicht. Der Bauunternehmer Gustave Eiffel (1832-1923) wurde mit diesem Projekt beauftragt. Der gelernte Ingenieur, der an der “Ecole des Arts et Manufactures“ in Paris Ingenieurwissenschaft mit dem Fachgebiet Chemie studiert hatte, trat nach seinem Abschluss in eine Metallfabrik ein, die von einer großen Eisenbahngesellschaft übernommen wurde. Später gründete er sein eigenes Untenehmen für Eisen-Stahl-Konstruktionen und machte sich mit stattlichen Aufträgen einen Namen. Eiffel war auch am Bau der Freiheitsstatue in New York, die von 1875 bis 1886 erstellt wurde, beteiligt.

Historischer Stich: Arbeiter beim Bau des Eiffelturms erwarten einen Stahlträger von einem Kran. (Rechte: AKG)

Zwei Jahre Bauzeit: 1889 war der 300 Meter hohe Turm fertig gestellt

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Der Namensgeber des Eiffelturms war aber eigentlich nicht sein Erfinder. Ersonnen haben ihn zwei Ingenieure aus Eiffels Büro: Maurice Koechlin und Emile Nougier. Eiffel stand ihrem Konzept eines 300 Meter-Turms zunächst skeptisch gegenüber, überarbeitete es dann mit dem Architekten Stephen Sauvestre, begeisterte sich schließlich für diese Idee und sicherte sich das Patent. Mit großem politischem und geschäftlichem Geschick setzte er das Projekt durch. Der ausgeschriebene Wettbewerb war dann nur noch eine Formsache. Es gab zwar zahlreiche Beiträge, aber Eiffel erhielt sofort den Auftrag - und 1,5 Millionen Francs staatlichen Zuschuss, das waren 20 Prozent der gesamten Baukosten. Es konnte losgehen: Zwei Jahre hatten Eiffel und sein Team Zeit. Zu Differenzen mit den Erfindern kam es nicht. "Die Idee und die Berechnungen stammen von mir, aber der Vater des Turms ist Eiffel", soll Koechlin gesagt haben.

Innenansicht von unten in die Stahlkonstruktion des Eiffelturms. (Rechte: AKG)

18.000 Bauteile wurden verarbeitet

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Eine Meisterleistung aus Stahl

300 Meter hoch, circa 1700 Stufen, 7300 Tonnen Gewicht der Stahlkonstruktion, 10.000 Tonnen Gesamtgewicht: So präsentiert sich der Eiffelturm in Zahlen. Experten sind sich einig, dass der Turm ein "erstaunliches Meisterwerk ziviler Ingenieurskunst" darstellt. Das Erstaunliche ist, dass der Eiffelturm trotz seiner enormen Höhe ungewöhnlich leicht wirkt. Als erstes wurden die Belastungen, denen das Bauwerk ausgesetzt war, berechnet und ermittelt, dass ein Zylinder aus Luft mit der gleichen Grundfläche weniger wiegt. Der Turm hat die größtmögliche Winddurchlässigkeit, so dass er auch stärksten Stürmen standhalten kann. Berechnungen des Winddrucks haben ergeben, dass bei einer Windgeschwindigkeit von 180 Kilometern pro Stunde sich die Spitze lediglich um zwölf Zentimeter bewegt.

18.000 Bauteile wurden für die Konstruktion einzeln gezeichnet, hergestellt und verarbeitet. Für Eiffel war es vor allem wichtig, die Bauzeit von zwei Jahren einzuhalten. Er setzte auf Mitarbeitermotivation und Disziplin: Nur eine begrenzte Zahl von Arbeitern, zwischen 80 und 250, die Eiffel gut bezahlte, waren beschäftigt. Es gelang ihm, seinen Bautrupp zusammenzuhalten. Der Bau des Turms forderte zwar ein Menschenleben, doch für die damalige Zeit war das eine erstaunlich geringe Zahl. Zum Vergleich: Beim Bau der Brooklyn Bridge (1869 bis 1883) in New York starben 20, beim Bau der Eisenbahnbrücke Firth of Forth (1882 bis 1890) in Schottland mehr als 50 Menschen.

Der Eiffelturm aus der Froschperspektive betrachtet. (Rechte: Mauritius)

Entrüstung wich Ehrfurcht und Begeisterung

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Kritik der Künstler

Eiffel hatte es geschafft: Pünktlich zur Weltausstellung konnte der Turm eröffnet werden. Womit er nicht gerechnet hatte, war der große Protest - besonders aus der Künstlerszene. Sie schimpften vor allem auf die Ästhetik des Eiffelturms. Es gab einen offenen Brief von 300 Künstlern und Intellektuellen, die gegen "den nutzlosen und monströsen Eiffelturm im Herzen unserer Hauptstadt" wetterten. Der Journalist und Schriftsteller Guy de Maupassant war einer der hartnäckigsten Gegner. Er schrieb 1890 in seinem Reisejournal: "Ich habe Paris und sogar Frankreich verlassen, weil der Eiffelturm mich schließlich zu sehr ärgerte. Nicht genug, dass man ihn von überall sieht, nein, er ist überall und in jedem erdenklichen Material erhältlich, in jedem Schaufenster ausgestellt, ein unentrinnbares, quälendes Albdrücken."

Eiffel hielt dagegen. Seiner Meinung nach offenbarten moderne Berechnungen auch neue, bisher ungeahnte Harmoniegesetze. "Glaubt man denn, dass wir uns keine Gedanken um die Schönheit unserer Bauwerke machen, weil wir Ingenieure sind?" Bei der breiten Bevölkerung ging Entrüstung immer mehr in Ehrfurcht und Begeisterung über. Fast zwei Millionen Besucher erklommen während der Weltausstellung die Stufen zu den Plattformen. Die Einnahmen deckten schnell die Baukosten. Der Eiffelturm war - und ist heute noch - ein Besuchermagnet.

Blick auf die Dächer von Paris, der Eiffelturm ist weit aus der Ferne erkennbar. (Rechte: Mauritius)

Als Sendemast durfte der Turm bleiben

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Der Turm als Sendemast

Dass der Eiffelturm das Wahrzeichen von Paris geblieben ist, verdankt er seinem Konstrukteur. Während der Weltausstellung durfte Gustave Eiffel den Turm kommerziell nutzen, danach ging der Besitz an die Stadt über. Nach 20 Jahren lief die Konzession ab; es war geplant, den Turm wieder abzureißen. Doch Eiffel hatte vorgesorgt: Als die Stadt bereits die Kosten für einen Abriss kalkulierte, startete der "Bauvater" 1903 erste Funkversuche vom Turm. Durch die Erfindung der drahtlosen Telegrafie wurde der Turm zum höchsten Sendemast der Welt. Zu Beginn der 1920er Jahre wurden vom Eiffelturm die ersten Radiosendungen ausgestrahlt, zu Beginn der 30er Jahre erste Fernsehversuche gemacht. Die Fernsehantenne verlängerte 1957 den Turm auf 320 Meter.

Lichterglanz und Kinovergnügen

Jährlich besuchen rund sechs Millionen Menschen den Eiffelturm. Hinauf geht es zu Fuß oder mit dem Aufzug. Die erste Plattform liegt bei 57 Metern, die zweite bei 115 Metern und die dritte bei luftigen 276 Metern. Es gibt Restaurants mit Ausblick auf die Seine oder einen Briefmarkenladen, wo man den begehrten Poststempel vom Eiffelturm bekommen kann. Bei gutem Wetter liegt die Sichtweite bei 70 Kilometern. Spektakulär ist auch die Beleuchtung des Turms: Von 1926 bis 1936 funkelte er in bunten Lichtern, zum Teil mit der Werbung seines Sponsors Citroën. Bei der Weltausstellung 1937 sorgte das Lichtspektakel mit einem allabendlichen Feuerwerk für Aufsehen. Zuletzt leuchtete vom Turm der Countdown-Kalender für den Jahrtausendwechsel, in der Silvesternacht blitzten 20.000 Lichter auf. Den Parisern gefiel es, der Bürgermeister schloss einen Vertrag ab und so erstrahlt der Turm von Einbruch der Dunkelheit bis ein Uhr nachts jede Stunde zehn Minuten lang im Lichterglanz.

Kathrin Schamoni, Stand vom 01.06.2009
Sendung: Paris - Bistros, Boulevards und Strassenschlachten, 06.01.2009

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Bildcollage zum Thema Frankreich. (Rechte: WDR)

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