Versailles

Paris

Versailles

Versailles steht nicht nur für die 86.000 Einwohner zählende Stadt in der Region Ile de France, ganz in der Nähe von Paris. Hauptsächlich wird mit dem Namen der prunkvolle Palast verbunden, der einst das Jagdschloss von Ludwig XIII. (1601 bis 1643) war. Sein Sohn Ludwig XIV. (1638 bis 1715) verwandelte dieses, von seinem Größenwahn getrieben, in ein gigantisches Märchenschloss, das seinesgleichen sucht. Versailles ist zum Symbol des Absolutismus und zum Inbegriff einer ganzen europäischen Epoche - der des Hoch- und Spätbarock - geworden.

Vom Jagdschloss zum Märchenpalast

Das Schloss von Versailles befindet sich im Hintergrund, davor sind die Parkanlagen mit blühenden Blumen und akkuraten Rasenmustern.

Symbol des Absolutismus

Das Schloss von Versailles war zu Beginn des 17. Jahrhunderts lediglich ein kleines Jagdschloss im Wald. König Ludwig XIII. ließ es 1623 bauen und später erweitern. Zu der Zeit residierten die Herrscher im Louvre in Paris und im Palast Saint-Germain-en-Laye. Doch dann kam Ludwig XIV., der Sonnenkönig, der mit Versailles Großes vorhatte: Das Zentrum Europas sollte es werden, er wollte ein Zeichen seiner Macht setzen. 1660 heiratete er im Alter von 17 Jahren und verlegte wenig später seine Residenz nach Versailles. Die Distanz und dennoch Verbindung zu Paris schien ihm als sehr passend.

Es begann der Umbau des Jagdschlosses in einen Märchenpalast, der zum Lebenswerk des Sonnenkönigs werden sollte. Für den Umbau waren die Architekten Louis Le Vau und später Jules Hardouin-Mansart zuständig. Landschaftsarchitekt André Le Nôtre war für die Gestaltung des 800 Hektar großen Parks verantwortlich. 36.000 Arbeiter und 6000 Pferde wirkten an der Realisierung von Versailles mit. Umgerechnet 100 Millionen Euro kostete der Bau - so viel wie die französische Krone damals pro Jahr einnahm. 1682 wurde Versailles zur ständigen Residenz des Hofes. Das Schloss war noch eine Baustelle, als Ludwig XIV. 1715 starb. Seine Nachfolger setzten die Arbeiten an dem Palast fort.

Ein Gesamtkunstwerk

Blick in den Spiegelsaal: Links sind die Fenster zu sehen, das Licht trifft auf die gegenüberliegenden Spiegel.

Kostbarstes Interieur: der Spiegelsaal

In Versailles wurde nichts dem Zufall überlassen, jedes Detail genauestens geplant. Das Schloss besticht durch Größe und Üppigkeit, durch Glanz und Gloria. Das alte Jagdschloss wurde nicht abgerissen, sondern ummantelt, was dem gewaltigen Haupttrakt entspricht. In dem Bauwerk spiegelt sich das damalige absolutistische Hierarchiegefüge wider: In dem beherrschenden Mitteltrakt lebte der König, die Seitenflügel standen dem Adel zur Verfügung.

Alles an dem Palast wirkt kolossal: die 700 Meter lange Schaufront, seine 51.000 Quadratmeter Fläche, hunderte Räume. Mit der kostbaren Innenausstattung, deren Krönung der einzigartige Spiegelsaal darstellt, den Gemälden, der Schlosskapelle, die Ludwig XIV. noch in seinen letzten Lebensjahren errichten ließ, dem Park, den Gärten, Wasserspielen und Statuen ist Versailles zu einem Gesamtkunstwerk geworden. Der Spiegelsaal hat 17 Fenster. Das hineinfallende Licht trifft auf 17 gegenüberliegende Spiegel, was eine besondere Raumwirkung ergibt.

Selbst als das Schloss nach der Französischen Revolution gar nicht mehr bewohnt war, blieb es ein Ort, an dem weiter Geschichte geschrieben wurde: Der preußische König Wilhelm I. ließ sich am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal von Versailles zum Deutschen Kaiser ausrufen. Am 28. Juni 1919 wurde an gleicher Stelle der Friedensvertrag von Versailles unterzeichnet, der den Ersten Weltkrieg beendete.

Das Leben am Hofe

Zeichnung von Ludwig XIV. mit seiner Hofgesellschaft während der Baumaßnahmen.

Neue Residenz: Ab 1682 zog der Hof ein

Wie stellt man sich das Leben am Hofe von Versailles vor? Mit vielen Festen, gutem Essen - einfach alles in allem überschwänglich? Das war es sicherlich. Der Hof und die Bediensteten machten etwa 10.000 Personen aus. 5000 lebten im dem Schloss. Der größte Teil des Personals war in der Stadt untergebracht. Interessant und kaum vorstellbar ist, dass der Palast nie für die Öffentlichkeit verschlossen war. Das Leben des Königs war Teil der französischen Nation. Gerade um diesen Aspekt kreisen zahlreiche Anekdoten. Höhepunkt für das Publikum sollen immer die Mahlzeiten des Königs und die Niederkünfte der Königin gewesen sein. So besagt eine Geschichte, dass bei einer Geburt Marie Antoinettes, der Gattin Ludwigs XVI., ein ganzer Pulk von Schaulustigen dabei zugesehen haben soll, so dass die Königin bei der ganzen Aufregung fast gestorben sei.

Unappetitlich sind die Erzählungen über die hygienischen Zustände am Hof. Nicht nur das niedere Volk hinterließ bei seinen Besuchen Urin und Fäkalien in den Gängen, auch die Adelsleute entledigten sich ihrer Notdurft dort, wo sie gerade standen. Das Personal musste die Exkremente einsammeln und wegschaffen. Waschen war seinerzeit verpönt; im Wasser vermutete man Erreger für Krankheiten und Epidemien. So versuchten die feinen Damen, den Dreck und unangenehmen Geruch mit Puder und Parfum zu überdecken. Das ist jedoch nur ein Teil der Wahrheit, der immer wieder gern berichtet wird. In Versailles gab es ebenso die edelsten Baderäume und Kloschüsseln aus Mahagoni. Ludwig XIV. soll ein Sauberkeitsfanatiker gewesen sein, der seine Kleidung dreimal am Tag wechselte. Ludwig XVI. hingegen galt als Schmutzfink, der seinen pompösen Baderaum in ein Büro umfunktionieren ließ.

Das Ende von Prunk und Protz

Gemälde mit dem Porträt von Ludwig XIV.

Genoss den Luxus, dabei übel riechend: der "Sonnenkönig"

Mit der Französischen Revolution endete das Leben im Lustschloss von Versailles. Das Volk litt Hunger, während die Herrscher mit ihrem Prunk protzten. Vor allem das dekadente Auftreten von Königin Marie Antoinette, die ihren Luxus provokant genoss, glamouröse Gesellschaften gab und an üppigen Tafeln speiste, zog immer mehr den Hass der Franzosen auf sich. Das Volk ging auf die Barrikaden. 1789 verlangten die Menschen die Rückkehr der königlichen Familie nach Paris. Nach der Revolution war das Schloss verwaist. Napoleon rettete es vor dem Verfall und König Louis Philippe verwandelte es in ein Nationalmuseum.

Besucherrundgang

Vor einem gepflasterten Platz mit quadratischen Mustern liegt der Osteingang des Schlosses, zu sehen auch die beiden Seitenflügel.

Ungeheure Dimensionen: Hunderte Zimmer hat der Palast

Besucher können heute auf den Spuren des Sonnenkönigs und seiner Nachfolger wandeln. Mit der Bahn ist das Schloss von Paris aus in zirka einer halben Stunde zu erreichen. Die Tour führt durch die königlichen Gemächer, den Spiegelsaal und den großen Park mit dem königlichen Gemüsegarten, den wunderschönen Blumenbeeten oder den Grand Canal mit seinen venezianischen Gondeln. Auf dem großen Areal befinden sich ebenso die Gartenschlösser Grand Trianon und Petit Trianon. Letzteres ließ Ludwig XV. für seine Mätresse Madame Pompadour errichten. Diese verstarb jedoch noch vor der Fertigstellung. Ludwig XVI. schenkte es später seiner Gemahlin Marie Antoinette.

Aufgrund der gigantischen Größe der gesamten Anlage empfiehlt sich ein ganzer Tag zur Besichtigung von Versailles. Wer nicht zu Fuß gehen möchte, kann sich ein Fahrrad leihen oder die Touristenbahn nutzen. Jährlich besichtigen etwa drei Millionen Besucher das Schloss und weitere sieben Millionen die Schlossgärten von Versailles. Im Juni 2007 wurden die dreijährigen Renovierungsarbeiten des Spiegelsaales abgeschlossen. Bis 2020 soll das gesamte Schloss für 390 Millionen Euro restauriert werden. Dabei soll es für die Öffentlichkeit stets zugänglich bleiben.

Weiterführende Infos

Autor/in: Kathrin Schamoni

Stand: 17.07.2012, 13:00

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