Schlösser

Schloss Chenonceau steht über dem Cherfluss.

Architektur

Schlösser

Burgen und Schlösser haben schon immer die Phantasie der Menschen beflügelt. Für den Adel ging es um militärische Macht und um Ansehen: Ihre Behausung haben sie immer der gerade vorherrschenden architektonischen Stilrichtung angepasst.

Darum geht's:

  • In der frühen Neuzeit wurde die Burg als Verteidigungsanlage überflüssig.
  • Favorit in der Renaissance: ein freistehender, symmetrischer Schlossbau.
  • Das Barockschloss ist ein Ausdruck des absolutistischen Weltbildes.
  • Im Rokoko wird der Schlossbau kleiner und verspielter.

Von der Burg zum Schloss

Im Verlauf des 15. Jahrhunderts wurde dem Adel die Burg als Wohnort zu eng und zu unbequem. Sein neu entfalteter Sinn für Repräsentation machte die Burg als Behausung unbrauchbar.

Die Entwicklung der Waffentechnik ließ außerdem die Funktion der Burg als Verteidigungsanlage und Schutzwall obsolet werden. Das Schloss entwickelte sich zum bevorzugten Wohnort des Herrscherstandes.

Parallel diente fortan die Festung und nicht mehr die Burg zum Schutze des Landes und der Bevölkerung. Allerdings wurde diese Aufteilung nicht auf einmal vollzogen.

Zunächst bildete sich ein Zwischentyp zwischen Burg und Schloss heraus. Dabei mussten sich die neuen Bauherren oft an die Gegebenheiten des Geländes anpassen.

Den Palas der Burg wandelten die Bewohner zunächst in ein Wohngeschoss mit repräsentativen Räumen um. Hinzu kamen bessere Zugangsmöglichkeiten durch äußere Galerien und damit verbundene Treppentürme.

Viel Wert wurde bereits auf Axialität und Symmetrie gelegt. Typisch für den Umbau von einer Burg zum Schloss ist die Heidelberger Schlossanlage.

Das Renaissanceschloss

Beeinflusst von den Ideen der Renaissance war das Schloss als architektonischer Baustil eine absolute Neuerscheinung, in der sich die Vorstellungen der Herrschenden von Größe, Macht und Schönheit widerspiegelten.

Der Feudaladel, der einst auf den Burgen lebte, wandelte sich zum Hofadel, der immer feinere Gesellschaftsformen entwickelte. Die neuen Bauherren favorisierten nun einen freistehenden, absolut symmetrischen Schlossbau.

Prototypisch wurde die Vierflügelanlage mit Rundtürmen an den Ecken. Waren die Außenfassaden meist glatt und kühl, kam die ganze Gestaltungsfreude der Renaissance bei den aufwendig dekorierten Fassaden des Schlosshofes zur Geltung.

Die Gartenanlage rückte ins Blickfeld des Interesses. Blumenparterre und Terrassen kamen nach und nach hinzu. Künstlerische Anregungen kamen von der italienischen Palastarchitektur über Frankreich nach Deutschland.

Zur Blüte des Renaissanceschlossbaues kam es in Frankreich unter König Franz I. Das schönste und prunkvollste Schloss Europas, das er seiner Zeit bauen ließ, ist Chambord an der Loire, mit 440 Zimmern, 70 Treppen und 365 Kaminen.

Für sein Fundament wurden in mitten des Waldes Sümpfe trocken gelegt. Das Schloss ruht auf tief in den Boden versunkenen Pfählen.

Vor dem sandfarbenene Schloss fahren Touristen in einer Pferdekutsche

Das Schloss Chambord können Touristen stilecht aus einer Pferdekutsche besichtigen

Barock

Oberstes Prinzip barocker Bauweise ist die Konzentration der Schlossarchitektur auf einen gestalterischen Höhepunkt hin. Entsprechend dem absolutistischen Weltbild, das den König in das Zentrum der politischen Macht rückt, verlangt auch das barocke Schloss eine architektonische Mitte.

Diese Gestaltung ist jedem Barockschloss, egal ob es sich um eine ein- oder mehrflügelige Anlage handelt, eigen.

Als ein weiteres neues Bauelement kommt neben der symmetrischen Anordnung ein Wagenvorplatz in Front des Corps de Logis hinzu.

Im Inneren des Schlosses bildet ein üppig gestaltetes Treppenhaus, den zeremoniellen Empfangsraum, im Obergeschoss ist der große Festsaal der standesgemäße Rahmen politischer Repräsentation. Im Anschluss folgen mehrere Vorräume die zum Audienzzimmer des Herrschers führten.

Als Leitbild adliger Lebensform, die für ganz Europa vorbildlich wurde, galt in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts der französische Königshof von Ludwig XIV. Der Glanz seines Schlosses Versailles strahlte über ganz Europa.

Jeder Fürst oder König in deutschen Landen glaubte dem Sonnenkönig nacheifern zu müssen. Ruhm, Macht und Würde des absolutistischen Staates fanden ihren Ausdruck im Schlossbau.

Zahlreiche Touristen tummeln sich auf dem symmetrischen Vorplatz vor dem Schloss, dass sich über die ganze Bildbreite erstreckt

Das Schloss Versailles wurde europaweit zum Vorbild adliger Lebensform

Rokoko

Das Rokokoschloss überwand die starre barocke Prachtentfaltung. Grund war der Wunsch nach mehr Wohnlichkeit, Bequemlichkeit und Luxus. Das rein repräsentative Element der barocken Schlossanlagen trat in den Hintergrund.

Typisch für das Rokoko sind die Lustschlösser und Jagdschlösser als Dependance zu einem großangelegten und machtentfaltenden Residenzschloss. Die Herrschenden wollten während der besseren Jahreszeit im Sommer der Natur näher sein.

Die Wahl des Standortes außerhalb der politischen Zentren hatte am Ende des 18. Jahrhunderts zudem noch eine politische Dimension.

Die absolutistischen Herrscher wollten in einer Zeit, die von gärender Unruhe innerhalb des dritten Standes geprägt war, entfliehen und fühlten sich meist nur noch an einem von der Stadt entfernten Ort sicher.

Zu den berühmtesten deutschen Lustschlössern gehört das von Friedrich II. erbaute Schloss Sanssouci. Seine Bedeutung lag nicht zuletzt darin, dass der König hier selber der Architekt war, den Plan entwarf und die Ausführungen maßgeblich beeinflusste.

Als Bauplatz wählte er den wüsten Berg bei Potsdam, dessen Südhang terrassiert und mit Obstbäumen und Weinreben bepflanzt wurde.

Zwischen den Gärten erstreckt sich eine lange Treppe bis zum goldgelben Schloss Sanssouci.

Der König selbst hat die Pläne für das Schloss Sanssouci entworfen

Autorin: Sabine Kaufmann

Stand: 29.05.2017, 11:35

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