Leben auf der Burg

Mittelalter

Leben auf der Burg

Von wildromantisch bis düster und rückständig - das Leben auf einer mittelalterlichen Burg stellen sich viele anders vor als es in Wirklichkeit war. Im 19. Jahrhundert prägten etwa die Dichter der Romantik das Bild eines Ritters, dessen Leben ein Abenteuer war. Der sich bloß auf seine Burg zurückzog, um sich von den Strapazen des Krieges zu erholen. Das stimmt nicht ganz: Die Burgherren verbrachten mehr Zeit auf der Burg als sonst wo. Ihr Alltag war hart, straff organisiert und bot nur wenig Abwechslung.

Die Burg als Wirtschaftszentrum

Im Mittelalter besaß ein Adeliger in der Regel nicht bloß eine Burg, sondern auch die umliegenden Ländereien. Er musste dafür sorgen, dass seine Leibeigenen die Felder bestellten und abernteten, die Wiesen mähten und die Wälder rodeten und hegten. Die Burg war zugleich der Verwaltungssitz, das Vorratslager und das Gericht. Der Burgherr schlief hier, ebenso wie ein Großteil der Bediensteten.

Die typische Burg des Mittelalters ist in mehrere Abschnitte unterteilt. Das Zentrum bildet ein Gebäude, in dem sich der Wohn- und Festsaal befinden, der Palas. Das Gebäude mit den dicken Mauern erstreckt sich über mehrere Stockwerke. In den oberen Geschossen wohnte der Burgherr mit seiner Familie. Im Erdgeschoss war häufig die Verwaltung und die Besatzung der Burg untergebracht.

Grundriss einer Burg.

Aufbau einer typischen Burg im Mittelalter

Den Palas umgibt ein Burghof, der wiederum von einer mächtigen Ringmauer umgrenzt wird. Entlang dieser Mauer liegen die meisten Nebengebäude der Burg, darunter die Küche, die Ställe, die Gesindehäuser, die Vorratsräume und die Werkstätten. Große Burgen verfügten oft noch über eine Vorburg, die ebenfalls ummauert war. Hier schliefen viele der Untertanen, die auf den Feldern ackern mussten, mitsamt dem Vieh.

Die Menschen, die auf der Burg lebten

Auf den größeren Burgen des Mittelalters wohnten oft viele Hundert Menschen. Mehrere Dutzend zählten oft schon allein zur Familie des Burgherren, darunter Frauen, Kinder und unverheiratete Verwandte. Zehn oder mehr Männer gehörten der Besatzung an. Sie bewachten die Burg und hielten sich fit für den kommenden Kriegseinsatz.

Zudem gab es Küchenmeister und- personal, Knechte für die Felder, Weinberge und Wälder sowie Mägde, die der Burgherrin und deren Verwandten dienten. Auch Handwerker wie Schmiede, Steinmetze und Zimmermänner durften auf keiner Burg fehlen.

Der Schmied beschlug die Pferde, stellte Waffen her oder reparierte diese. Die Steinmetze und Zimmermänner warteten die Gebäude und hielten diese instand. Der Stallmeister versorgte die Tiere. Reiche Adlige konnten sich sogar einen Jagdmeister samt Gehilfen leisten, der sich um die Jagdhunde und die Pflege des Wildbestandes kümmerte.

Der Burgvogt war so etwas wie der Manager auf der Burg. Er wachte über die Bediensteten, delegierte die verschiedenen Arbeiten, die anstanden, und war mit sämtlichen Verwaltungsaufgaben und der Gerichtsbarkeit betraut.

Die Sonne gab den Takt vor

Spärlich beleuchteter Raum einer Burg.

Auch tagsüber war es ziemlich dunkel im Inneren einer Burg

Der Alltag auf einer mittelalterlichen Burg richtete sich nach dem Stand der Sonne. Mit dem Morgengrauen standen die Burgbewohner auf und arbeiteten bis zur Dunkelheit. Oberste Priorität hatte die Versorgung jener Menschen, die vom Burgherrn abhängig waren. Daher war der Tagesablauf auf der Burg ganz auf die Landwirtschaft ausgerichtet.

Auf kleineren Burgen mussten auch der Burgherr und seine Familie mitarbeiten. Lediglich der Sonntag war frei und wurde zur Erholung und für den Kirchgang genutzt. Nach Einbruch der Dunkelheit erlahmte das Leben auf der Burg. Es war aufwändig, die Räume zu beleuchten. Zudem wurde viel Holz dazu benötigt. Der große repräsentative Festsaal wurde aus diesem Grund nur an besonderen Tagen beheizt. Gen Abend zogen sich die Burgbewohner in die kleineren Räume zurück, die sogenannten Kemenaten, da diese schneller aufheizten.

Die Menschen ernährten sich oft einseitig

Ölgemälde von Pieter Brueghel: Essen bei einer mittelalterlichen Hochzeit.

Auch auf einfachen Festen gab es häufig Brei zu essen

Die Burgbewohner ernährten sich wohl kaum so abwechslungsreich und opulent, wie uns manche Ritterfilme glauben machen wollen. Kartoffeln, Reis und Nudeln gab es im Europa des Mittelalters noch nicht. Die Hauptzutat einer jeden Mahlzeit war Getreide. Es wurde zu Brot, Bier und - wegen der schlechten Zähne der Bewohner - oft zu Brei verarbeitet.

Eier und Milch waren ebenfalls reichlich vorhanden. Beides wurde häufig zusammen mit dem Getreide zu einem Mus verarbeitet. Fleisch gab es selten, vor allem für die Bediensteten. Das Vieh war zu wertvoll, um es frühzeitig zu schlachten. Es kam erst auf den Tisch, wenn es seinen Dienst erwiesen hatte, etwa als Lastentier auf dem Feld. Dann war es oftmals alt und zäh.

Wasser, Milch, Bier und Wein - auch das Angebot an Getränken auf einer Burg war nicht sonderlich vielseitig. Da das Wasser häufig verunreinigt war und zahlreiche Krankheitserreger beheimatete, tranken die Burgbewohner lieber alkoholhaltige Getränke. Wurden ausreichend Obstbäume in der Umgebung kultiviert, gab es zumindest in den Sommermonaten Säfte aus Birnen, Äpfeln, Kirschen oder Pflaumen. Die Säfte hielten jedoch nicht lange und mussten getrunken werden, bevor sie kippten.

Im Winter zum Nichtstun verdammt

Verschneite Burgruine.

Burgen waren im Winter oft eingeschneit

Die Jahreszeiten prägten den Alltag der Burgbewohner. Im Winter waren die Menschen quasi zum Nichtstun verdammt, da drinnen wie draußen Eiseskälte herrschte. Nur wenige Räume konnten überhaupt beheizt werden. Auch die Felder lagen brach, die Landwirtschaft musste ruhen. Schneite es, war manche Höhenburg für längere Zeit von der Außenwelt abgeschnitten.

Erst nach der kalten Jahreszeit gingen die Burgbewohner wieder auf die Felder, um Getreide und Gemüse auszusäen. Das Frühjahr war auch die Zeit der Ritterturniere, Schlachten und Fehden, da die Arbeit in der Landwirtschaft noch nicht allzu viel Einsatz erforderte.

Im Sommer ruhten meist die kriegerischen Auseinandersetzungen. In stillem Einvernehmen kümmerten sich die Burgherren darum, die Ernte einzufahren. Im Spätsommer war bereits das meiste getan und die Burgbewohner feierten dies mit rauschenden Festen. Waren die Felder im Herbst abgeerntet, veranstalteten manche Burgherren Jagden auf ihrem Grund. Manche zogen in den Krieg.

Willkommene Abwechslungen

Der Alltag auf einer Burg war hart. Die Burgbewohner nahmen jede Unterbrechung des eintönigen Alltags begeistert auf. Gaukler und Spielleute versprachen eine willkommene Abwechslung. Sie zogen von Dorf zu Dorf und machten auch auf den Burgen für ein paar Tage halt. Messerschlucker, Feuerspucker, Zauberer und Dompteure gehörten ebenso dazu wie Musiker oder Rezitatoren großer Ritterepen.

Das fahrende Volk trat meist auf größeren Festen auf - oder es wurde extra für sie ein Fest veranstaltet. Dazu gehörten auch die Tanzvorführungen der Burgbewohner und Spiele mit Bällen unter den männlichen Adligen.

Zu den Festen waren die Tische reich gedeckt, vor allem, wenn andere Adlige zu Besuch kamen. Wildschweine, Hirsche und Hasen wurden von der Jagd mitgebracht und auch Kraniche, Reiher, Pfaue oder Schwäne wurden gebraten und den teuren Gästen kredenzt. Wer es sich leisten konnte, ließ Gewürze und Zucker aus fernen Ländern herbeischaffen. Diese waren oft so teuer, dass ein ganzer Kuhstall dafür als Bezahlung herhalten musste.

Die Weinauswahl war erlesen: Weine aus Bayern hatten einen schlechten Ruf, Mosel- und Rheinweine standen hingegen hoch im Kurs. Und hatte der Burgherr das nötige Kleingeld, kaufte er Weine aus Frankreich, Italien oder dem Heiligen Land. Derart opulente Feste wurden nicht oft veranstaltet und dauerten oft mehrere Tage. Für die Burgbewohner waren sie der Höhepunkt des Jahres.

Autor: Tobias Aufmkolk

Stand: 07.10.2015, 11:13

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