Alkohol

Schnapsregal im Supermarkt.

Rauschmittel

Alkohol

Alkohol ist ein gesellschaftlich anerkanntes Genussmittel. Er ist wichtiges Kulturgut und Bestandteil vieler religiöser Rituale. Doch Alkohol ist neben Nikotin auch Suchtmittel Nummer eins. Weltweit sterben pro Jahr rund drei Millionen Menschen in Folge von Alkoholkonsum.

Geschichte des Alkohols

Das Gemälde zeigt einen Jüngling mit Toga und Weinreben auf dem Kopf. Er hält ein Glas Rotwein.

Der römische Weingott Bacchus

Alkohol ist ein Stoffwechselprodukt von Mikroorganismen, das neben Kohlendioxid entsteht, wenn Hefen oder Bakterien Zucker abbauen. Es handelt sich dabei um einen biochemischen Prozess, der über zwei Milliarden Jahre alt ist.

Alkohol hat als Genuss-, Rausch- oder Nahrungsmittel eine jahrtausendealte Tradition. Vermutlich sind alkoholhaltige Speisen so alt wie die Menschheit.

Der Verzehr überreifer Früchte, die bereits in Gärung übergegangen sind, hat eine berauschende Wirkung – auch wenn das eher eine zufällige Entdeckung gewesen sein dürfte. Erst viel später, mit der Einführung des Ackerbaus, beginnt auch die gezielte Herstellung alkoholischer Getränke.

Alkohol ist sogar ein Kulturgut. Schon die alten Ägypter brauten Bier. Die Römer verehrten Bacchus als Gott des Weines, bei den Griechen war es Dionysos. Die Germanen stellten aus Honig und Wasser Met her und in Tibet wurde aus Gerste Bier gebraut.

Alkohol dürfte auch die älteste Droge sein, die für religiöse Riten verwendet wurde. Die ersten alkoholischen Erzeugnisse wurden vorwiegend bei kultischen Handlungen konsumiert und blieben wohl hauptsächlich einem kleinen Kreis von Schamanen und Ältesten vorbehalten.

Neben anderen Drogen erleichterte Alkohol bei Festen und Riten den Übergang in den Trance-Zustand. Noch heute gehört Rotwein als Symbol des Erlöserblutes im Christentum zur Abendmahlsfeier.

Die uralte Tradition des Bierbrauens

Das älteste bekannte Bier wurde im Sudan nachgewiesen. Es stammt aus dem 8. Jahrtausend vor Christus und wurde aus einer Hirseart hergestellt. Um 3000 vor Christus brauten die Sumerer und Akkader ebenfalls ihr eigenes Bier.

Von den Sumerern existiert das "monument bleu" – kleine Steintafeln, die die Göttin Nina bei der Zubereitung von Opferbier zeigen.

Der ägyptischen Mythologie zufolge soll Osiris selbst, der Gott der Landwirtschaft, die Ägypter den Weinbau und die Bierherstellung gelehrt haben.

Bier wurde allerdings vor allem in den kühleren Regionen Nordeuropas hergestellt, wo es keinen Weinbau gab. Als Grundstoffe dienten gemälzte Gerste, Wasser und Hefe. Die frühen Biere waren nicht lange haltbar.

Erst die Einführung von Hopfen durch Händler aus Flandern und Holland im 15. Jahrhundert änderte das. Das herbbittere Hopfen-Malz-Gebräu verdrängte die ungehopften Biersorten bis zum 18. Jahrhundert fast vollständig.

Eine Frau spritzt mit einem Schlauch Wasser in einen großen, kupferfarbenen Kessel.

Bier wird seit Jahrtausenden gebraut

Entwicklung des Weinanbaus

Die gezielte Herstellung von Wein aus Früchten liegt lange zurück. Erste Hinweise auf den Anbau von Weinreben und die Weinbereitung stammen aus Mesopotamien und dem Iran, fünf Jahrtausende vor Christus.

Die Weinkultur verbreitete sich später in Ägypten und kam schließlich auch nach Europa – zunächst nach Griechenland und Spanien. Im ersten Jahrtausend vor Christus wurden die ersten Reben in den heutigen Weinländern Italien und Frankreich angebaut.

Die Römer führten die Kunst des Weinanbaus in die von ihnen eroberten Gebiete ein, so zum Beispiel im Elsass sowie an Rhein und Mosel. Bei den Römern diente Wein als Sakralgetränk, Nahrungs- und Genussmittel. Der edle Tropfen war aber auch eine Medizin zur inneren und äußeren Anwendung, da er desinfizierend wirkte.

Nach seinem Siegeszug durch Europa gelangte der Wein ab dem 16. Jahrhundert auch nach Übersee. Missionare hatten die Reben im Gepäck, als sie nach Südamerika, Kalifornien, Südafrika und Australien reisten.

Weintrauben an einem Rebstock.

Vom Zweistromland in die ganze Welt

Vergeblicher Kampf gegen den Alkohol

Bereits im Mittelalter wurde Alkohol auch zunehmend zum Problem. Da der Stoff in großen Mengen verfügbar war, wurden Leibeigene und Tagelöhner mit Alkohol bezahlt. Diese Praxis war auch im beginnenden Industriezeitalter noch üblich und führte zum so genannten Elendsalkoholismus.

Seit 1750 versuchten die Regierungen Englands und der amerikanischen Kolonien erfolglos, dem übermäßigen Alkoholkonsum Herr zu werden.

In den USA wollte man dieses Problem zwischen 1919 und 1933 durch ein Alkoholverbot, die sogenannte Prohibition, lösen. Doch es blieb bei dem Versuch. Der blühende Schwarzmarkt unterwanderte die Gesetze, wodurch dem Staat erhebliche Steuergelder verloren gingen.

Trotz des Verbots gab es während der gesamten Phase der Prohibition Kneipen, "Speakeasy" genannt, die Alkohol ausschenkten. Zudem stieg die Kriminalität enorm an.

Der illegale Alkoholschmuggel wurde überwiegend von der amerikanischen Mafia kontrolliert. Eine der berühmtesten Figuren dieser Zeit, die sich mit dem Alkoholgeschäft eine goldene Nase verdienten, war der legendäre Gangsterboss Al Capone.

Das Schwarzweiß-Foto zeigt einen Mann mittleren Alters mit Anzug, Krawatte und Hut.

Alkohol-Pate Al Capone

Gesellschaft und Alkohol heute

Anders als in der islamischen Welt, deren Glaubensgrundsätze überwiegend Alkoholkonsum verbieten, sind alkoholische Getränke in der westlichen Welt als Genussmittel anerkannt. Die Kehrseite dieser Anerkennung ist allerdings bedenklich. Die legale Droge Alkohol gilt zusammen mit Nikotin als Suchtmittel Nummer eins.

Im Jahr 2013 lag laut Fachverband Sucht der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch alkoholischer Getränke in Deutschland bei 137,2 Litern. Der Pro-Kopf-Verbrauch von reinem Alkohol lag bei 9,7 Litern.

Damit steht Deutschland im europäischen Vergleich auf Platz 13. Doch für viele ist der Genuss zur Sucht geworden, knapp 1,8 Millionen Deutsche sind alkoholabhängig.

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) war 2012 bei 3,3 Millionen Todesfällen weltweit Alkohol im Spiel. In Deutschland sterben nach Angaben des Drogen- und Suchtberichts 2015 der Bundesregierung rund 74.000 Menschen im Zusammenhang mit Alkoholkonsum.

Bis zu 12 Gramm Alkohol bei Frauen (0,14 Liter Wein oder 0,3 Liter Bier) und 24 Gramm bei Männern (0,25 Liter Wein oder 0,6 Liter Bier) werden vom Fachverband Sucht als unbedenklich eingestuft.

Trotzdem warnen Experten vor regelmäßigem Konsum, denn Alkohol ist ein Zellgift, das in die natürlichen Stoffwechsel-Konzentrationen unseres Körpers eingreift und zu nachhaltigen Schäden führen kann.

Autorin: Andrea Wengel

Stand: 21.12.2016, 10:18

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