Kreuzbund

Vor einem grünen Kreuz sind fünf menschliche Silhouetten zu sehen. Die Person in der Mitte wird von den anderen gestützt.

Alkohol

Kreuzbund

Seit rund 120 Jahren hat sich der Kreuzbund dem Kampf gegen die Sucht verschrieben. Der katholische Verband ist einer der größten Selbsthilfeverbände Deutschlands. Rund 12.300 Menschen trafen sich 2014 wöchentlich in den etwa 1400 Kreuzbundgruppen.

Ursprung in der Abstinenzbewegung

Gründer des Kreuzbundes war der katholische Pfarrer Josef Neumann. Während er in Aachen als Religionslehrer arbeitete, kam er dort 1895 mit der damals weit verbreiteten Abstinenzbewegung in Kontakt.

Diese Bewegung kämpfte gegen den sogenannten Elendsalkoholismus, der als Nebenprodukt der zunehmenden Industrialisierung immer weiter um sich griff. Viele Menschen aus den unteren Bevölkerungsschichten tranken aufgrund von dauerhafter Armut und schlechten Lebensbedingungen übermäßig viel Alkohol.

Durch das Vorbild der Abstinenzler angespornt, gründete Neumann 1896 in Aachen den Katholischen Verein gegen den Missbrauch geistiger Getränke, aus dem bereits drei Jahre später das Katholische Kreuzbündnis wurde.

In den Folgejahren gründete Neumann mehrere Einrichtungen zur Bekämpfung des Alkoholismus. So eröffnete er 1901 mit dem St. Kamillus-Haus in Essen die erste katholische Trinkheilstätte sowie 1906 das erste katholische Abstinenz-Sanatorium für Frauen in Mündt, das St. Anna-Haus. 1904 war er außerdem Mitbegründer des Vereins abstinenter Katholiken.

Ausbau der Kreuzbund-Aktivitäten

Fünf Jahre nach Josef Neumanns Tod im Jahr 1912 wurde das Kreuzbündnis erstmals offiziell als Fachorganisation des Deutschen Caritasverbandes bezeichnet. In den Statuten war inzwischen festgeschrieben, dass nur abstinent lebende Personen Mitglied werden und das Wahlrecht ausüben durften.

In den folgenden Jahren baute der Verband, der 1926 seinen heutigen Namen Kreuzbund erhielt, seine Aktivitäten in der Trinkerfürsorge aus und machte sich damit auch über Deutschland hinaus einen Namen.

Die erfolgreiche Arbeit wurde sogar im Vatikan registriert und befürwortet. 1930 empfing Papst Pius XI. eine Delegation des Verbandes.

Einschneidende Veränderungen

Das Jahr 1964 brachte zwei wichtige Änderungen für die Arbeit des Kreuzbundes. Zum einen wurde die moderne Gruppenarbeit eingeführt, die heute das wichtigste Instrument des Verbandes ist. In die Gruppen wurden nun auch die Partner und Partnerinnen der Abhängigen einbezogen, die oft genauso viel Hilfe benötigten, um mit der Sucht ihrer Liebsten fertig zu werden.

Zum anderen erkannte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Alkoholismus als behandlungsbedürftige Krankheit an. 1968 schloss sich das Bundessozialgericht dieser Ansicht an.

Aufgrund dieser neuen Voraussetzungen wandelte sich der Kreuzbund zunehmend von einem Verband zur Opferfürsorge zu einer Selbsthilfe- und Helfergemeinschaft. Es dauerte allerdings bis 1998, bevor der Verband Fördergelder aus Mitteln der gesetzlichen Krankenversicherung erhielt.

Mehrere Personen sitzen an einem runden Tisch. Ihre Gesichter sind nicht zu sehen.

Gesprächsrunden spielen eine große Rolle

Kreuzbund heute

Die Angehörigen der Betroffenen nehmen inzwischen einen immer wichtigeren Stellenwert in der Arbeit des Kreuzbundes ein. Mit Angelika Spitz wurde 2004 erstmals in der über 100-jährigen Verbandsgeschichte die Frau eines Betroffenen zur Bundesvorsitzenden gewählt. Auch aktuell hat eine Frau den Posten des Bundesvorsitz inne. Andrea Stollfuß wird das Amt bis zu den nächsten Wahlen 2017 bekleiden.

Entscheidend für die Arbeit der Organisation ist das Engagement ehrenamtlicher Helfer. Rund 6000 Mitglieder haben ehrenamtliche Aufgaben in den Gruppen und auf Vorstandsebene übernommen.

Die Bemühungen des Kreuzbundes scheinen Erfolg zu haben. Laut Erhebungen des Verbandes aus dem Jahr 2010 lebten knapp 90 Prozent der Suchtkranken, die regelmäßig eine Selbsthilfegruppe besuchen, dauerhaft abstinent. Ein Drittel der suchtkranken Gruppenmitglieder sollen den Weg in die Abstinenz sogar ohne ambulante oder stationäre Therapie geschafft haben.

Autor: Johannes Eberhorn

Weiterführende Infos

Stand: 21.12.2016, 10:12

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