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Saunakultur

Die Finnen haben sie erfunden und ohne sie kommen sie einfach nicht aus: die Sauna. Man nutzt sie zum Entspannen, zur Körperpflege, gelegentlich auch für Geschäftsbesprechungen oder politische Diplomatie.

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Saunakultur

Wer in Finnland in die Sauna gehen möchte, der braucht meist keine langen Wege zurückzulegen. Die Sauna gehört zum Alltag und so findet sie sich in Privathäusern, in Sommerhäusern, in Mietwohnungen, manchmal gar in Ein-Zimmer-Wohnungen. Rund 1,7 Millionen Saunen soll es nach Angaben der Europäischen Union in Finnland geben. Je nach Lust und Laune saunt jeder so oft und so lange er mag. Das können Minuten sein, aber auch Stunden - selbstverständlich immer wieder unterbrochen durch Abduschen oder einen Sprung ins kalte Wasser. Die Finnen sind schon von Kindesbeinen an daran gewöhnt, sich im heißen Dampf aufzuhalten. Früher war es gar üblich, die Sauna als Ersatzbadezimmer zu nutzen, und manche Frauen gingen in den Saunaraum, um ihre Kinder zu gebären. Solche Zeiten sind auch in Finnland vorbei, doch die Sauna bleibt eine wichtige Institution.

Die amtierende Sauna-Weltmeisterin Leila Kulin im Viertelfinale bei der Sauna-Weltmeisterschaft 2009 in Heinola, Finnland. (Rechte: picture-alliance/ dpa)

Einzige Ausnahme: die Sauna-Weltmeisterschaft

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Bekleidet oder nackig?

Kleinere Familien gehen gemeinschaftlich in die Sauna, auch bei Familienfesten ist es üblich, zwischendurch in der Sauna zu entspannen. Doch schon hier kommt der entscheidende Unterschied zu deutschen Saunasitten: Sobald es über den engsten Familienkreis hinausgeht, wird nach Frauen und Männern getrennt gesaunt. Die gemischte Sauna wie in Deutschland ist für Finnen undenkbar. Auch die Variante, Badekleidung zu tragen, ist den Erfindern der Sauna äußerst fremd. Gesaunt wird grundsätzlich nackig - einzige Ausnahme ist die Sauna-Weltmeisterschaft. Wer also in anderen Ländern in die Sauna gehen möchte, ist gut beraten, sich vorher nach den Sitten oder Vorschriften zu erkundigen. In Skandinavien, den deutschsprachigen Ländern und den baltischen Ländern ist Kleidung nicht gestattet; in den meisten anderen Ländern ist genau das Gegenteil der Fall.

Sauna statt Schreibtisch

Das textilfreie Vergnügen hat in Finnland durchaus seinen Sinn. In der Sauna sind somit alle gleich - und das bietet eine gute Verhandlungsbasis, beispielsweise bei geschäftlichen Entscheidungen. Man geht eben nicht in den Konferenzraum oder zum ausgedehnten Geschäftsessen, sondern setzt sich auf die Bank und schwitzt. Viele große Firmen verfügen daher über eine eigene Sauna, die sie besonders gerne nutzen, wenn Geschäftspartner aus dem Ausland anwesend sind.

Nikita Chruschtschow während der Gipfelkonferenz der Staatschefs der vier Siegermächte des 2. Weltkriegs in Paris am 16./17. Mai 1960. (Rechte: akg-images / Erich Lessing)

Finnischer Saunagast: Nikita Chruschtschow

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Nackte Diplomatie

Was im Privat- und Geschäftsleben gut funktioniert, darf natürlich in der Politik nicht fehlen. Zur besonderen Ausstattung des finnischen Parlamentsgebäudes gehören ein Schwimmbad und eine Sauna. Hier treffen sich die Kabinettsmitglieder, um in entspannter Atmosphäre diskutieren zu können. Sowohl bei geschäftlichen Treffen als auch in der Politik wird diese Tradition jedoch allmählich problematisch: Da in Politik und Wirtschaft immer mehr Frauen vertreten sind, die Finnen jedoch nicht gemeinsam saunen, geraten die Frauen hier ins Hintertreffen. Einer, der das Schwitzen zur hohen Kunst der Diplomatie erhoben hat, war der ehemalige finnische Präsident Urho Kekkonen. Er lud sowohl finnische Politiker als auch ausländische Staatsgäste gerne in seine Sauna ein, die er sich kurz nach seiner Wahl zum Präsidenten hatte bauen lassen. Sowohl seine Gäste als auch der Inhalt der Gespräche wurden jedoch möglichst geheim gehalten und führten zu ständigen Spekulationen. Zu seinen bekanntesten Gästen gehörten Nikita Chruschtschow und der spätere sowjetische Ministerpräsident Alexej Kossygin. Zu den Gästen der finnischen Parlamentssauna zählen unter anderem der ehemalige deutsche Kanzler Helmut Kohl und der ehemalige russische Staatspräsident Michail Gorbatschow.

Teilnehmer der Weltmeisterschaft im Saunieren 2008 in Heinola, Finnland. (Rechte: Imago)

Ungeschriebenes Gesetz: Kein Streit in der Sauna!

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Geselligkeit

Es ist durchaus üblich, dass sich in Finnlands Saunen auch Arbeitskollegen, Studenten und andere Gruppen treffen. Durch die lockeren Treffen oder gar Partys verbessert sich der Umgang miteinander, im Arbeitsleben sollen dadurch Spannungen abgebaut werden. Auch Ausländer, die in Finnland zu Gast sind, werden gerne von ihren Gastgebern in die Sauna eingeladen. Wer nicht ins Fettnäpfchen treten möchte, sollte eine solche Einladung unbedingt annehmen! Auch wenn man es nur wenige Minuten aushält: Die Einladung ist eine Ehre und entsprechend sollte man sich verhalten. Auch hier gilt: Einige Regeln sollte man kennen, um bei den anderen Saunierenden nicht negativ aufzufallen. Wer die Sauna betritt, nimmt höflicherweise die Schöpfkelle und macht einen Aufguss - in Finnland gibt es keine Saunameister. Absolute Stille muss in der Sauna nicht herrschen, aber ein ungeschriebenes Gesetz lautet: In der Sauna wird nicht gestritten! Und wer eine Sauna betritt, in der außer Menschen doch tatsächlich auch ein Paar Würstchen schmoren, sollte dies gelassen hinnehmen. In Finnland gibt es eigens eine Saunawurst, die in der Hitze geschmort und anschließend mit Senf gegessen wird.

Martina Frietsch, Stand vom 26.03.2010
Sendung: Finnland - Skurriles und Urwüchsiges aus "europäisch Kanada", 29.03.2010

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