Mein Gartenjahr

Korb mit Gemüse.

Gartenkultur

Mein Gartenjahr

Gemüse ohne Pestizide und Gentechnik aus dem eigenen Garten oder vom Balkon schmeckt oft viel besser als gekaufte Ware. Man weiß genau, womit die Pflanzen behandelt wurden und dass sie nicht einmal quer durch Europa gefahren wurden. Aber ist das Anbauen wirklich so einfach? Was gibt es zu beachten, damit Tomate, Zucchini und Co gut wachsen? Es gibt auf jeden Fall das ganze Jahr über viel zu tun.

Winter – Die Planungsphase

Die eigentliche Arbeit des Gärtners beginnt jetzt. Er plant, was er im nächsten Jahr pflanzen und ernten möchte. Dabei gilt es einige Regeln zu beachten. Oberstes Ziel ist, den Boden nicht auszulaugen und ihn dauerhaft fruchtbar zu halten. Wie schon in der Dreifelderwirtschaft des Mittelalters pflanzen Sie daher am besten in einem Beet in drei Jahren hintereinander erst Stark-, dann Mittel- und schließlich Schwachzehrer.

Im ersten Jahr sollten Sie auf Starkzehrer setzen, also auf Pflanzen, die dem Boden viele Nährstoffe entziehen. Zu den Starkzehrern gehören unter anderem Lauch, Kartoffeln und Tomaten. Im zweiten Jahr sind dann Mittelzehrer oder Bodenschoner an der Reihe. Mittelzehrer laugen den Boden weniger aus als Starkzehrer. Dazu gehören etwa Spinat, Zwiebeln und Möhren.

Bei den Schwachzehrern im dritten Jahr kann sich der Boden dann erholen. Diese binden mit den Wurzeln sogar selbst Nährstoffe, sodass sie den Boden wieder anreichern. Zu den Schwachzehrern zählen zum Beispiel Erbsen oder Erdbeeren.

Außerdem sollten Sie keine Pflanzen aus der gleichen Familie in aufeinander folgenden Jahren anbauen, etwa Paprika und Tomate. Beide gehören zu den Nachtschattengewächsen.

Auch auf eine gute Nachbarschaft der Pflanzen sollten Sie achten: Ungleiche Nachbarn vertragen sich oft besser als gleiche, weil sie unterschiedliche Nährstoffe benötigen oder sich gegenseitig die Schädlinge vom Leib halten.

Die Zwiebel vertreibt zum Beispiel die Möhrenfliege und die Möhre die Zwiebelfliege. Gute Nachbarn können auch Pflanzen sein, von denen eine tief und eine flach wurzelt. So kommen sie sich unter der Erde nicht ins Gehege.

Und natürlich spielt auch die Pflanzzeit eine Rolle: So kann man Salat schon ernten, bevor Kohlrabi anfängt, sich richtig auszubreiten.

Wenn feststeht, was Sie pflanzen wollen, können Sie schon einmal Samen bestellen. Beim Samenkauf sollten Sie auf den Vermerk "ungebeizte Qualität“ achten. Das sind Samen, die nicht chemisch vorbehandelt wurden, um Bakterien abzutöten.

Kaufen Sie außerdem möglichst keine Hybriden. Das sind Pflanzen, die durch Selbstbefruchtung reinerbig gemacht wurden. Sie sind zwar im ersten Jahr meist sehr ertragreich, sind aber nicht nachbaufähig. Das heißt, sie müssen jedes Jahr wieder neu gekauft werden. Hybride erkennen Sie an dem Zusatz F1 hinter dem Sortennamen auf der Packung.

Auch spannend: Experimente mit alten fast vergessenen Sorten. Wie wäre es mit dem Salat "Indianerperle" oder der "Chinesischen Keule"?

Extra-Tipp: Digitaler Gartenplaner
Planen Sie Ihr Gartenjahr mit einem digitalen Gartenplaner. Ihn gibt's kostenlos im Internet (siehe Linktipp ganz unten auf der Seite).

Frühling – Die anstrengendste Jahreszeit

Um den Boden vorzubereiten, sollten Sie ihn im Frühjahr bis zu einer Tiefe von circa zwanzig Zentimetern mit einer Grabegabel nur lockern und lüften und nicht umgraben.

In einer Handvoll Gartenerde befinden sich mehr als vier Milliarden Lebewesen. Sie sorgen dafür, dass der Boden fruchtbar bleibt, wandeln Blätter und Laub in wertvollen Humus um und setzen Stickstoff und andere Nährstoffe frei, den das Gemüse zum Wachsen braucht.

Diese wertvollen Mikroorganismen leben vor allem in der oberen Erdschicht, der Muttererde. Gräbt man den Boden zu tief um, zerstört man deren Gemeinschaft und fördert für sie ungünstige Bodenschichten nach oben.

Ein großes Thema im Frühling ist auch das sogenannte Unkraut. Oft ist der Ruf dieser Pflanzen viel schlechter, als sie es verdienen. Denn etliche Unkräuter wie Giersch, Löwenzahn und Spitzwegerich sind essbar oder werden als Heilkräuter verwendet.

Andere zeigen an, wie der Zustand des Bodens ist. Brennnessel wächst beispielsweise nur auf stickstoffreichem Grund. Damit im Frühling die jungen Pflänzchen von den ungewünschten Kräutern aber nicht gestört werden, sollten Sie gerade jetzt gut jäten.

Dann kann es endlich mit dem Säen losgehen. Es gibt Lichtkeimer, deren Samen gerne oben liegen, und Dunkelkeimer, die nur in der Erde aufgehen. Wichtig außerdem: Die Erde immer schön feucht halten, aber nicht mit Wasser zuschütten. Staunässe schadet den jungen Wurzeln.

Jetzt können Sie auch die ersten im Gewächshaus oder auf der Fensterbank vorgezogenen Jungpflanzen ins Beet setzen. Starkzehrer freuen sich über etwas Kompost.

Eine Forke steckt in der Erde.

Mit einer Grabegabel lässt sich der Boden gut lockern

Extra-Tipp: Saatgut testen
Haben Sie Samen von der eigenen Ernte vom letzten Jahr? Wollen Sie wissen, ob sie gut wachsen werden? Dann machen Sie einen Keimtest: Geben Sie in der Wohnung ein paar Samen auf feuchtes Papier im Licht und warten Sie einige Tage. Wenn mindestens die Hälfte der Keime erste Wurzeln treibt, ist das Saatgut noch verwendbar.

Sommer – Jäten, Wässern, Düngen

Im Sommer kann man frühes Gemüse schon ernten und anderes neu pflanzen. Die Hauptarbeit besteht aus Jäten, Wässern und Düngen. Für die Pflanzen lieber keinen Kunstdünger, sondern organischen Dünger wie Mist, Jauchen oder Holzasche verwenden. Denn dieser wird von den Mikroorganismen im Boden vorverdaut.

Die Pflanze muss ihre Wurzeln kräftig entwickeln, um ihn aufzunehmen. Dadurch versorgt sie sich selbst auch reichlich mit allen anderen Nährstoffen, Spurenelementen und nicht zuletzt mit Wasser.

Bei Kunstdünger gelangen die Nährstoffe direkt in die Wurzeln. Es entsteht kein richtiges Wurzelgeflecht, was die Pflanze anfälliger für Krankheiten macht.

"Gegen alles ist ein Kraut gewachsen" – diese Redewendung stimmt auch, wenn es um die Gesundheit des Gartens geht. Jauchen und Brühen geben den Pflanzen Nährstoffe zurück und bekämpfen gleichzeitig Schädlinge.

Für eine Brühe weichen Sie Pflanzenmaterial wie Brennnesseln etwa 24 Stunden in Regenwasser ein und kochen es anschließend eine halbe Stunde leicht. Nach dem Abkühlen die Pflanzenreste aussieben. Dann die Brühe verdünnt oder unverdünnt auf die Pflanzen spritzen.

Um eine Jauche herzustellen, nehmen Sie man am besten eine große Regentonne, füllen Pflanzenmaterial und Wasser ein und wartet etwa zwei Wochen. Durch den Gärprozess entsteht ein schrecklicher Gestank. Dagegen einfach etwas Steinmehl, also ganz klein verriebene Steine, in die Tonne schütten.

Brennnessel in der Sonne.

Brennnessel - toller Dünger

Am häufigsten verwendet man im Garten Brennnessel-Jauche. Im Verhältnis 1:10 mit Wasser verdünnt, ist sie ein guter Dünger und stärkt die Widerstandskräfte der Pflanze. Bis zu vier Tage alte Brennnessel-Jauche hilft gegen Schädlinge wie Milben und Blattläuse. Sie sollte etwa vierzigfach verdünnt sein und mehrmals aufgesprüht werden.

Das Zentrum jedes Gartens sollte der Kompost sein. In ihm entsteht das Gold des Gärtners. Wichtig ist es, richtig zu mischen: nasses und schweres Material wie Fallobst oder Rasenschnitt mit Trockenem und Sprödem wie dünne, klein geschnittene Äste und trockene Stängel.

Der Kompost sollte möglichst windgeschützt und im Schatten stehen. Wichtig ist der direkte Bodenkontakt. Denn aus der Erde kommen die Kleinstlebewesen, die aus organischem Abfall fruchtbare neue Erde machen.

Extra-Tipp: Richtig gießen
Am Wurzelansatz gießen – viele Pflanzen wie Tomaten und Basilikum mögen es nicht, wenn ihre Blätter nass werden. Gießen Sie am besten morgens. So können die Pflanzen trocknen, bevor die Sonne zu stark wird. Gießt man abends, bleiben die Pflanzen über Nacht feucht. Gewächsen, die zu Schimmelpilz neigen, bekommt das nicht gut. Dafür freuen sich Schnecken über die feuchte Umgebung umso mehr.

Herbst – Zeit der Ernte

Der Herbst ist die große Zeit der Ernte, der Lohn für die Arbeit. Wichtig ist danach die richtige Lagerung von Gemüse und Obst: Auf jeden Fall sollten Äpfel getrennt von Gemüse und Kartoffeln aufbewahrt werden. Denn sie geben Äthylengas ab, das die anderen Gemüse schneller reifen und verderben lässt.

Lagergemüse sollte bei kaltem Wetter geerntet und verstaut werden. Lagern Sie nur gesunde Pflanzenteile ein, denn verletzte oder wurmstichige faulen leichter. Bei Karotten, Knollensellerie und Roter Beete am besten das Laub abdrehen, nicht schneiden – sonst verderben die Wurzeln schneller.

Der Lagerraum sollte kühl und dunkel sein, nicht zu feucht. Zwiebeln und Kürbisse mögen es jedoch nicht so feucht und kalt. Sie sollte man in einem luftigen Raum, wie dem Dachboden, aufbewahren.

Ein Mann hält Zwiebeln in den Händen.

Der Lohn der Arbeit: reiche Ernte

Im Herbst ist es wichtig, dem Boden Nährstoffe wieder zurückzugeben, am besten mit einer sogenannten Gründüngung. Dazu baut man beispielsweise Klee, Bienenfreund oder Lupinen an. Diese Pflanzen durchlockern den Boden mit ihren Wurzeln und reichern ihn mit Nährstoffen an. Im Winter gefrieren sie und verwandeln sich in Mulch, der den Boden schützt und den Mikroorganismen wiederum als Nahrung dient.

Extra-Tipp: Überwintern
Grünkohl, Rosenkohl, Lauch und Feldsalat kann man gut in den Beeten lassen und bei Bedarf auch im Winter direkt von den Beeten ernten.

Autorin: Monika Sax

Weiterführende Infos

Stand: 13.06.2016, 11:59

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