Giraffen

Wildtiere

Giraffen

Schon als Neugeborenes ist ein Giraffenbaby so groß wie ein erwachsener Mensch. Ein ausgewachsener Giraffenbulle wird so groß wie ein zweistöckiges Haus und frisst bis zu 60 Kilogramm Akazienblätter pro Tag. Bei Giraffen scheint eben alles ein wenig größer, länger und mehr zu sein als bei den meisten anderen Tieren. Mit ihrem majestätischen Gang und dem individuell gezeichneten Fell faszinieren sie Wildtier-Fotografen und Safari-Touristen in der afrikanischen Savanne ebenso wie Zoobesucher.

Unsanfter Start ins Leben

15 lange Monate dauert die Schwangerschaft einer Giraffe. Wenn es endlich soweit ist, bringt die Giraffenkuh ihr Junges im Stehen zur Welt. Zuerst rutschen die Vorderbeine nach draußen, erst danach der Kopf. Die Hörner sind nach hinten angelegt. Wenn der Kopf geboren ist, ist für die Giraffenkuh der schwerste Teil geschafft. Schon wenig später fällt das Junge zur Erde - etwa zwei Meter tief.

Eine Giraffenmutter kümmert sich liebevoll um ihr Junges und neigt ihren langen Hals zu ihrem stehenden Kalb hinunter.

Das Fell des Jungtiers ist noch flauschig

rotz dieses unsanften Starts ins Leben hat die junge Giraffe allerdings kaum Zeit zum Ausruhen. Die Mutter leckt es mit ihrer kräftigen Zunge trocken und drängt es zum Aufstehen. Kaum steht es auf eigenen Beinen, fängt es an, bei seiner Mutter zu saugen. Nach einigen Stunden kann es dann sogar schon rennen. Das ist allerdings auch nötig, denn in freier Wildbahn lauern häufig Löwinnen den Giraffenjungen auf. Die Mütter können dann nur versuchen, ihr Junges mit Huftritten zu verteidigen.

Hauptsache Fressen

Drei Zentimeter wächst ein Giraffenjunges am Tag. Während der ersten Zeit bleibt es möglichst nahe bei der Mutter. Wenn es Angst bekommt, versteckt es sich zwischen ihren Beinen. Mehrere Giraffenkühe schließen sich häufig zu einer Art "Krabbelgruppe" zusammen. Sie beaufsichtigen ihre Kinder gemeinsam, sodass für alle Mütter genügend Zeit zum Fressen bleibt.

Das Foto zeigt zwei Giraffen beim Trinken im Etoscha-Nationalpark in Namibia.

Trinken ist umständlich für Giraffen

Wenn das Giraffenjunge zwei Wochen alt ist, beginnt es bereits, an den ersten Blättern zu knabbern. Allerdings kann es sie zu dieser Zeit noch nicht verdauen, sondern ernährt sich von Muttermilch. Wenn das Junge ein halbes Jahr alt ist, muss es dann Blätter fressen, um satt zu werden. Von nun an ist es, wie alle Giraffen, fast den ganzen Tag mit dem Fressen von Akazienblättern beschäftigt. Zum Spielen bleibt da wenig Zeit.

Wenn sie fressen will, greift sich eine Giraffe die Blätter eines Baumes mit ihrer langen Zunge - bei erwachsenen Tieren kann sie bis zu 45 Zentimeter lang werden - und rupft sie herunter. Ohne zu kauen werden die Blätter geschluckt. Später käuen die Giraffen das Gefressene wieder, ähnlich wie eine Kuh. Während Giraffen quasi ständig fressen oder wiederkäuen, trinken sie nur etwa alle zwei Tage. Da ihre Beine länger sind als der Hals, müssen sie die Vorderbeine weit spreizen, um überhaupt trinken zu können - eine Position, in der eine Giraffe besonders anfällig ist für den Angriff von Feinden.

Wenn die männlichen Giraffenbullen drei Jahre alt sind, verlassen sie das Rudel, um allein oder mit Altersgenossen zu leben. Sie kämpfen häufig untereinander, um ihre Kräfte zu messen. Denn später darf sich nur der stärkste Bulle mit den Giraffenkühen eines Rudels paaren. Während sich die Jungbullen alleine durchschlagen müssen, bleiben die Jungkühe dagegen häufig in der Nähe der Mutter in ihrem Geburtsrevier.

Kühe und Bullen auf getrennten Wegen

Giraffenkühe leben im Rudel. Dort sind alle gleichberechtigt. Ein Leittier haben sie nicht. Auch die Zusammensetzung eines Rudels ändert sich häufig. Der Zusammenhalt ist eher lose. Zum Fressen können sich die Tiere durchaus schon einmal einen Kilometer voneinander entfernen. Es genügt ihnen, dass sie sich nicht aus den Augen verlieren. Miteinander verständigen sich Giraffen über Infraschall (Töne mit niedriger Frequenz, die der Mensch nicht hören kann) oder durch Hals- oder Schwanzbewegungen. Droht Gefahr, fallen die Giraffen in schnellen Galopp. Dabei bewegen sie sich im Passgang fort, wie beispielsweise auch Kamele. Dies bedeutet, dass sie immer erst die beiden Beine der einen Seite heben, dann die der anderen. Eine Giraffe kann ebenso schnell rennen wie eine Löwin. Wenn es sein muss, erreicht sie Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 60 Kilometern pro Stunde.

Rennende Giraffen.

Bis zu 60 Kilometer pro Stunde schnell

Im Gegensatz zu den Giraffenkühen sind die Bullen eher Einzelgänger. Sie werden bisweilen mehr als 5,50 Meter groß. Wenn sie auf einen männlichen Artgenossen treffen, kämpfen sie um die Vorherrschaft im Revier. Dabei schlägt ein Bulle mit dem Kopf gegen den Hals des anderen. Auch die Hörner - normalerweise zwei, in seltenen Fällen vier sowie meist ein Mittelhöcker - werden im Kampf eingesetzt. Den gegnerischen Bullen geht es jedoch nicht darum, einander ernsthaft zu verletzen. Wenn sie wissen, wer der Stärkere ist, zieht sich der Unterlegene zurück.

Der Sieger darf sich mit den Giraffenkühen eines Rudels paaren. Welche Kuh paarungsbereit ist, erkennt der Bulle am Geruch. Von da an folgt er ihr auf Schritt und Tritt. Irgendwann bleibt die Kuh stehen und schlägt mit dem Schwanz, um ihre Bereitschaft anzuzeigen. Die eigentliche Paarung ist dann ein Akt von Sekunden. Bereits nach wenigen Tagen trennen sich Kuh und Bulle wieder. Um den Nachwuchs kümmern sich die männlichen Tiere nicht.

Fellzeichnung wie ein Fingerabdruck

Zwei Netzgiraffen stehen nebeneinander im Samburu-Nationalpark in Kenia.

Zwei Netzgiraffen in Kenia

Ähnlich wie bei einem Fingerabdruck ist die Fellzeichnung einer jeden Giraffe einzigartig. Sie bleibt bei jedem Tier ein Leben lang erhalten, lediglich die Farbe des Fells dunkelt mit zunehmendem Alter etwas nach. In freier Wildbahn werden Giraffen bis zu 25 Jahre alt, in Zoohaltung bis 35 Jahre. An der Art der Zeichnung kann man verschiedene Unterarten der Giraffen unterscheiden. So gibt es beispielsweise die Netzgiraffen, die in den Halbwüsten im Norden Kenias leben, die Angolagiraffe und die Massaigiraffe in Südkenia und Tansania.

Die Giraffe zählt zu den Paarhufern. Heutzutage leben die meisten Giraffen in Naturschutzgebieten Ostafrikas. Der Name "Giraffe" stammt übrigens aus dem Arabischen und bedeutet "die Liebliche". Seine lateinische Bezeichnung, "giraffa camelopardalis", verdankt das Tier den Römern. Sie erinnerte das eigentümliche Wesen mit dem langen Hals und dem gemusterten Fell an eine Art Mischung aus einem Kamel und einem Leoparden.

Autor/in: Christina Lüdeke

Stand: 31.07.2014, 13:00

Darstellung: