Kamele

Zwei Dromedare.

Wildtiere

Kamele

"Du dummes Kamel!" "Du Trampeltier!" – Kamele haben einen denkbar schlechten Ruf. Dabei sind die Tiere aus der Wüste ausgesprochen klug und besitzen faszinierende Fähigkeiten. Was ein Kamel ist, entscheiden nicht die Höcker. Denn zur Familie gehören, neben dem zweihöckrigen Trampeltier und dem einhöckrigen Dromedar, auch deren höckerlose südamerikanische Verwandte Vikunja, Guanako, Lama und Alpaka.

Vom Prototylopus bis zum Kamel

Die Ahnengalerie der Kamele beginnt vor etwa 40 bis 50 Millionen Jahren im Eozän. Als die Dinosaurier bereits ausgestorben waren, besiedelten die ersten Vorfahren der Kamele Nordamerika.

Das Prototylopus war so groß wie ein Hase. Während er im Laufe der Geschichte spurlos verschwand, waren nahe Verwandte in der Entwicklung von Überlebensstrategien erfolgreicher. Diese von den Wissenschaftlern als Vorkamele bezeichneten Gattungen begannen vor etwa zehn Millionen Jahren auszuwandern.

Die Vorfahren der Guanakos und Vikunjas besiedelten Südamerika. Andere liefen von Nordamerika über die damals noch zeitweise trockene Beringstraße in die Alte Welt.

In Nordafrika und Arabien entwickelten sie sich zu den einhöckrigen Dromedaren, in Asien zu den zweihöckrigen Trampeltieren. In ihrer ursprünglichen Heimat Nordamerika starben die Urahnen der Kamele vor etwa 10.000 Jahren aus.

Allgemeines zu Kamelen

Ob Kamele aus der Alten oder der Neuen Welt: Sie alle bilden im Tierreich die Familie der Schwielensohler. Sie laufen auf zwei Fingern, dem dritten und vierten, die mit dicken federnden Polstern ausgestattet sind.

Auch ihr schaukelnder Passgang eint die Kamele. Die Beine einer Seite werden stets gleichzeitig angehoben, was einen Reiter wie beim hohen Seegang hin und her schwanken lässt.

Unterscheiden kann man Dromedar und Trampeltier von ihren Verwandten aus Amerika vor allem durch den Körperbau. Nicht nur, dass nur sie Höcker aus Fett als Energiereserve auf ihrem Rücken tragen. Sie sind auch doppelt so groß und deutlich schwerer. Während ein ausgewachsenes Trampeltier bis zu 1000 Kilogramm auf die Waage bringt, wiegt ein Vikunja höchstens 55 Kilogramm.

Ein Dromedar steht in einer Wüstenlandschaft. Im Bildhintergrund sind verdorrte Bäume zu sehen.

Zäh sind sie alle

Trampeltier

Bis heute ist das Trampeltier in weiten Teilen Asiens verbreitet. Als Wildtier existiert allerdings nur noch ein kleiner Restbestand von etwa 1000 Tieren in entlegenen chinesischen und mongolischen Wüsten. Außer, dass sie nur mit Salzwasser überleben können, ist nicht viel über diese scheuen Tiere bekannt.

Als Haustiere bevölkern rund 4,5 Millionen Trampeltiere Asien. Bereits seit über 4000 Jahren werden sie domestiziert. Das zweihöckrige Kamel ersetzt alle anderen Nutztiere auf einmal: Es ist Lieferant von Milch, Wolle und Fleisch. Der Kot dient als Brennstoff.

Seine Knochen werden gerne als Elfenbeinersatz von Schnitzern verwendet. Ohne zu murren trägt es Lasten, zieht Karren und lässt sich reiten. Dabei ist es äußerst genügsam und freundlich.

Trampeltiere mit braunem Fell liegen und stehen im Sand. Deutlich sind jeweils die zwei Höcker zu sehen.

Trampeltiere sind gesellig

Dromedar

Auch das Dromedar ist als Haustier sehr beliebt und in Afrika und Arabien weit verbreitet. Wann die letzten wilden Dromedare ausgestorben sind, ist nicht bekannt.

Die Frage nach ihrem natürlichen Verhalten ließ die deutschen Biologen Birgit Dörges und Jürgen Heucke nicht los. Deshalb beobachteten sie über 20 Jahre lang verwilderte Dromedare im australischen Outback. Die Nachfahren ehemals importierter Arbeitskamele bilden dort die letzte große Population frei lebender Dromedare.

Die zwei Biologen fanden heraus, dass Kamelhengste eine gute Kondition haben müssen. Denn blutige Revierkämpfe um ihre Stutengruppen und anstrengende Deckakte sind in der Fortpflanzungszeit an der Tagesordnung. Ein aufreibender Job, den so mancher Hengst nach einiger Zeit freiwillig an einen Geschlechtsgenossen weitergibt.

Die Stuten trennen sich nach zwölf bis 14 Monaten Tragzeit zur Geburt von der Gruppe. In einem Versteck bringen sie ihr Junges zur Welt, zu groß ist die Angst, dass aggressive Bullen das Neugeborene töten könnten.

Erst nach drei Wochen schließen sie sich wieder ihrer Gruppe an und bilden zusammen mit anderen Stuten und deren Nachwuchs einen Kindergarten. Während immer abwechselnd eine Mutter den Kamelnachwuchs bändigt, suchen die anderen in Ruhe nach Futter.

Autos fahren auf einer Straße durch eine Wüstenlandschaft. Am Straßenrand steht ein Schild, das vor über die Straße laufenden Kamelen warnt.

Achtung, Dromedare kreuzen

Wilde Verwandte aus Südamerika – Vikunjas und Guanakos

Ein heller Pfiff als Warnruf und schon rennen die scheuen Vikunjas davon. Sie sind die kleinsten und zierlichsten Kamele, aber sehr robust. Sie trotzen den eisigen Wintern und heißen Sommern auf der Hochfläche der Anden.

Um in einer Höhe von bis zu 5500 Metern leben zu können, ist ihr Herz ungewöhnlich groß. Ihre einzige Nahrung ist das harte, trockene Gras der Bergweiden, weshalb sie jeden Tag trinken müssen. Ihr Fell hat die kuscheligste und teuerste Wolle der Welt. Sie ist sogar feiner als Kaschmir. Nur noch etwa 300.000 wilde Vikunjas leben in ganz Südamerika.

Von ihren Verwandten, den wilden Guanakos, gibt es immerhin doppelt so viele. Sie sind viel flexibler als die Vikunjas. Die Guanakos bewohnen nicht nur die luftigen Höhen der Gebirge, sondern auch die Niederungen der Täler. Sie besiedeln saftige Weiden und karge Graslandschaften. Auch in extremen Trockengebieten kommen sie vor.

Aus Blättern und andere Pflanzen beziehen sie – wie ihre Verwandten aus Afrika und Asien – genügend Feuchtigkeit, um längere Zeit ohne Wasser auszukommen.

Zwei erwachsene Guanakos und ein Jungtier stehen an einer Böschung.

Guanakos haben lange, schwarzgraue Schnauzen

Gepäckträger und Wolllieferanten – Lamas und Alpakas

Wenn ein Lama oder Alpaka die Ohren anlegt und dabei besonders unglücklich schaut, sollte man lieber in Deckung gehen. Zwar bespucken die Tiere nur selten einen Menschen, aber wenn ihn die Mischung aus Spucke und Mageninhalt trifft, ist das äußerst unangenehm.

Geerbt haben die beiden Haustierrassen das unappetitliche Verhalten von ihren wilden Vorfahren, den Guanakos und Vikunjas. Sie klären damit vor allem ihre Rangordnung in der Herde.

Die Lamas wurden bereits in vorkolumbianischer Zeit als Lastentiere aus den wilden Guanakos gezüchtet. Die großen und starken Tiere tragen ohne Murren bis zu 35 Kilogramm. Als Reittiere sind sie damit zu schwach, doch in schwer zugänglichen Gebieten sind sie noch heute ein beliebtes Transportmittel.

Die kleineren Alpakas werden hingegen wegen ihrer Wolle gezüchtet. Ob sie von den Guanakos, den Vikunjas oder von beiden abstammen, ist noch nicht endgültig geklärt. Vor allem aufgrund ihres sanften Wesens finden Alpakas und Lamas auch in Deutschland immer mehr Halter.

Drei braun-weiß gescheckte Lamas auf einer grünen, aber kargen Ebene.

Alpakas sind beliebte Wolllieferanten

Autorin: Birgit Amrehn

Stand: 19.10.2016, 15:59

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