Anden

Gebirge

Anden

Das längste Gebirge der Welt durchzieht den gesamten südamerikanischen Kontinent - von der Karibik bis Feuerland. Auf rund 7500 Kilometern wechseln sich faszinierende Landschaften ab: windumtoste Sechstausender, brodelnde Vulkane, karge Hochebenen und menschenleere Wüsten. Neben dem landschaftlichen Reichtum besitzt die gesamte Andenregion zudem riesige Vorkommen an Bodenschätzen.

Ein Forscher im siebten Himmel

Blick über einen See auf schroffe Berge.

Wild und ursprünglich - die Anden Patagoniens

"Nur die Reisenden, die die Gipfel des Montblanc und des Monte Rosa von Nahem gesehen haben, sind fähig, den Charakter dieser imposanten, ruhigen und majestätischen Szene zu erfassen. Die Schichten extrem dünner Luft, durch die man die Andengipfel sieht, tragen viel zum Gleißen des Schnees und zum magischen Effekt seiner Lichtreflexe bei."

So erlebt der deutsche Forscher Alexander von Humboldt die grandiose Bergwelt der Anden, als er 1802 den Gipfel des Vulkans Chimborazo (6267 Meter) in Ecuador besteigen will. Humboldt und seine beiden Mitstreiter erreichen den Gipfel jedoch nicht. Auf etwa 5900 Metern Höhe müssen sie umkehren. Doch für Humboldt ist das Scheitern keine große Enttäuschung. Als Wissenschaftler ist er weniger an der Erstürmung von Gipfeln interessiert als vielmehr an der Geologie und am Vulkanismus der Anden. Und davon bekommt er reichlich zu sehen, denn in nur wenigen Regionen der Welt gibt es eine so hohe Konzentration an Vulkanen.

Ein Gebirge im Wachstum

Weltkarte

Die Anden durchziehen den gesamten Kontinent

Was sich für Humboldt bei seinen Forschungen als wahrer Glücksfall herausstellte, ist auf die Entstehungsgeschichte des Gebirges zurückzuführen. Die Anden sind erdgeschichtlich gesehen ein noch recht junges Gebirge, das durch plattentektonische Prozesse aufgefaltet wurde. Vor etwa 150 Millionen Jahren traf die ozeanische Nazca-Platte auf die kontinentale südamerikanische Platte und begann, erste Sedimentgesteine emporzuheben. Dieses Gebirge hatte aber eine noch recht geringe Höhe.

Vor etwa 60 Millionen Jahren verstärkte sich der Druck der ozeanischen Platte so sehr, dass immer mehr Gesteinsmassen aufgetürmt wurden. Im Lauf der nächsten Jahrmillionen erreichten die Anden langsam die Höhe, die sie heute haben. Und sie wachsen weiter. Da sich die ozeanische Platte nach wie vor unter die kontinentale Platte schiebt, ist der Prozess der Gebirgsbildung noch nicht abgeschlossen - auch wenn sich das jährliche Wachstum nur im Millimeterbereich bewegt.

Es rumort unter den Anden

Das Aufeinandertreffen der beiden Erdplatten hat noch einen weiteren Effekt in den Anden. Überall, wo zwei Erdplatten aufeinandertreffen, kommt es zu einer erhöhten seismischen Aktivität. Das heißt, es rumort kräftig in der Erde. Die Anden sind Teil des sogenannten Pazifischen Feuerrings. Dieser Vulkangürtel umringt fast den gesamten Pazifischen Ozean. Mehrere Hundert dieser Vulkane befinden sich in den Anden, wovon allerdings längst nicht mehr alle aktiv sind. Nur rund 50 von ihnen brechen noch regelmäßig aus.

Blick auf den verschneiten Vulkan Cotopaxi.

Der Cotopaxi in Ecuador ist noch aktiv

Der gesamte Andenraum wird auch immer wieder von heftigen Erdbeben erschüttert. In Chile gibt es etwa 500 Beben im Jahr, doch nur wenige sind so stark wie jenes im Februar 2010. Dabei wurden rund 500.000 Wohnungen zerstört und mehrere Hundert Menschen getötet. Das Beben, das zu diesem Zeitpunkt das fünftstärkste jemals gemessene war, hatte noch weitere Auswirkungen. Wissenschaftler haben festgestellt, dass sich ganze Küstenstriche angehoben beziehungsweise gesenkt haben - und das um teilweise 2,5 Meter. Sogar die Erdachse soll sich geringfügig verschoben haben.

Altiplano - das Dach Südamerikas

Wenn man sich Südamerika vom Weltall aus anschaut, durchzieht auf rund 7500 Kilometern ein feines weißes Band den gesamten Kontinent von Nord nach Süd. Doch so einheitlich, wie es aus der Ferne wirkt, sind die Anden keineswegs. Das Gebirge besteht grob gesagt aus mehreren parallel verlaufenden Längsketten, die in einigen Knotenpunkten zusammenlaufen, um sich dann wieder in Längsketten aufzuspalten. In manchen Regionen liegen die Längsketten so weit auseinander, dass sich riesige Hochflächen zwischen ihnen gebildet haben.

Ein Lama-Warnschild an einer Schotterpiste.

Das "Dach Südamerikas" ist karg und vegetationsarm

Die bekannteste dieser Hochflächen ist das Altiplano in Bolivien und Peru. Diese karge und vegetationsarme Fläche, die etwa halb so groß wie Deutschland ist, ist seit Jahrtausenden einer der zentralen kulturellen Lebensräume der Anden. In einer Gebirgsregion, die durch steile Flanken geprägt ist, waren die Bewohner der Anden seit jeher froh, wenigstens ein bisschen ebene Fläche für Ackerbau und Viehzucht zu finden. Diese Bedeutung des Altiplano, das auch das "Dach Südamerikas" genannt wird, hat sich bis heute gehalten. Am östlichen Rand der Ebene liegt die bolivianische Millionenstadt La Paz - mit einer Höhe von 3100 Metern die höchstgelegene Großstadt der Welt.

Die "Juwelen" des Altiplano

Das Dach Südamerikas hat noch mehr Superlative zu bieten: Im Norden liegt mit dem riesigen Titicacasee das am höchsten gelegene (3810 Meter), kommerziell schiffbare Gewässer der Welt. Der größte See Südamerikas ist etwa 15 Mal größer als der Bodensee. Der im Süden gelegene Salar de Uyuni ist zwar nicht schiffbar, dafür aber der größte Salzsee der Welt. Unter seinen dicken Salzkrusten schlummern riesige Mengen des begehrten Rohstoffs Lithium.

Kakteen am Ufer des Salzsees Salar de Uyuni.

Unter dem Salar de Uyuni schlummert der Rohstoff Lithium

Früher war der Lithiumabbau eher unbedeutend. Das Leichtmetall wurde lediglich für einige Antidepressiva und in der Rüstungsindustrie benötigt. Doch mit dem Aufkommen leistungsfähiger Lithium-Ionen-Batterien in Laptops und modernen Mobiltelefonen werden die Lagerstätten immer begehrter. Dazu werden die Batterien auch für Elektrofahrzeuge benötigt - den Automarkt der Zukunft.

Atacama - die trockenste Wüste der Welt

Wüstenlandschaft in der Atacama-Wüste.

Kein Regen trotz Meeresnähe

Wer das Altiplano schon als leblos empfindet, dem wird die Atacama-Wüste im Norden Chiles wie eine Mondlandschaft vorkommen. In der trockensten Wüste der Welt fällt nahezu kein Niederschlag, obwohl sie in unmittelbarer Nähe zum Pazifik liegt. Verantwortlich für die Trockenheit ist die kalte Meeresströmung des Humboldtstroms. Dieser lässt durch seine Kälte nicht zu, dass die über dem Pazifik abgekühlten Luftmassen Feuchtigkeit aufnehmen können. Es entstehen keine Wolken, die über dem Land abregnen können. Regen aus dem Osten gibt es auch nicht, da dort das Gebirge alle Niederschläge abblockt. Trotz des fehlenden Regens haben sich zumindest in Küstennähe einige genügsame Pflanzen ihre Nischen gesucht. Sie ziehen ihre Feuchtigkeit aus den Küstennebeln, die vor allem im Winter an den Hängen hochsteigen.

Begehrte Rohstoffe

Menschen haben die Atacama-Wüste seit jeher gemieden - zu lebensfeindlich waren die Bedingungen für eine dauerhafte Besiedlung. Erst mit dem boomenden Salpeterabbau zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden erste Siedlungen. Salpeter kann heute synthetisch hergestellt werden und spielt daher in der Rohstoffförderung keine Rolle mehr. Doch die Ausbeutung geht weiter. Unter dem Wüstenboden lagern die wahrscheinlich größten Kupfervorkommen der Erde. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die größte Kupfer-Tagebaumine der Welt ebenfalls in der Atacama-Wüste liegt.

Blick in eine riesige Kupfer-Tagebaumine.

Die größte Kupfer-Tagebaumine der Welt

Trotz der weltweiten Bedeutung des chilenischen Kupferabbaus waren die schlechten Arbeitsbedingungen und die hohen Umweltbelastungen in den Medien lange nicht präsent. In den Fokus der Öffentlichkeit gerieten chilenische Minen erst, als 33 Bergleute am 5. August 2010 in der Kupfermine von San José unter Tage eingeschlossen wurden. In einer beispiellosen Rettungsaktion konnten die Arbeiter dank internationaler Hilfe am 13. Oktober unversehrt an die Oberfläche gebracht werden.

Autor/in: Tobias Aufmkolk

Stand: 14.05.2014, 13:00

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