Wüsten als Lebensraum

Trockenwüsten

Wüsten als Lebensraum

Fast ein Fünftel der Erde besteht aus Wüstengebieten. Vor allem die scheinbar endlosen Sandmeere erscheinen extrem lebensfeindlich. In praller Sonnenhitze bei nur spärlichem Wasservorkommen sind auf den ersten Blick kaum Anzeichen für Leben zu erkennen. Doch selbst in solchen Gegenden haben Tiere, Pflanzen und Menschen dank spezieller Anpassungen eine Heimat gefunden.

Mehr als nur eine Einöde

Für viele ist die Wüste ein trostloser Ort. Ein Ort, den nur die Wenigsten freiwillig aufsuchen. Will man jemanden loswerden, schickt man ihn sprichwörtlich "in die Wüste". Wenn man etwas zerstört, dann "verwüstet" man es. "Wüst" steht auch für unzivilisiert und ungestaltet: "Am Anfang war die Erde wüst und leer ...", so übersetzt der deutsche Text den Beginn der biblischen Schöpfungsgeschichte.

Die Wüste ist weder leblos noch leer. Wüsten sind vielfältige Lebensräume und beherbergen die unterschiedlichsten Bewohner - Menschen, Tiere und Pflanzen. In extrem wasserarmen Regionen wie der chilenischen Atacama-Wüste oder der Wüste Namib im Südwesten Afrikas fällt so gut wie kein Niederschlag. Doch selbst dort gibt es Leben, wenn auch nur in Form von hochspezialisierten Überlebenskünstlern wie Geckos, Schlangen oder Spinnentiere. In den übrigen Wüstengebieten dagegen ist das Leben erstaunlich vielfältig.

Tiere der Wüste

Ein schwarzer Skorpion auf Sand.

Skorpione fühlen sich in Wüsten richtig wohl

Typische Wüstenbewohner sind Echsen, Schlangen, Insekten und Spinnentiere. Es kommen aber auch Säugetiere wie Springmäuse, Rennmäuse, Wüstenfüchse oder Wildkamele vor. Sie alle haben sich optimal an die Wüstenverhältnisse angepasst.

Einige kommen mit sehr wenig Wasser aus, andere müssen überhaupt nicht trinken. Sie beziehen Wasser aus der Nahrung, die sie zu sich nehmen. Kamele können dagegen Wasser in großen Mengen aufnehmen, speichern und damit lange Perioden ohne Wasserzufuhr überbrücken.

Perfekt angepasst

Die meisten Tiere der Wüste sind in der kühleren Nacht aktiv. Doch auch tagsüber kriecht und krabbelt es auf und unter dem Wüstenboden. Die besonderen Lebensbedingungen haben zu völlig unterschiedlichen Anpassungen geführt.

Der Apothekenskink, auch "Saharafisch" genannt, lebt unter der Sandoberfläche, um der brennenden Sonne zu entgehen. Der Palmatogecko in der Wüste Namib hat "Schwimmhäute" zwischen den Zehen ausgebildet. Mit ihnen kann er über lockeren Sand gehen, ohne einzusinken.

Großaufnahme eines Geckos auf Sand.

Ein Gecko in der Wüste Namib

Das bodenbrütende, im Süden Afrikas lebende Nama-Flughuhn steht über seinem Nest und beschattet die Eier während der heißen Stunden des Tages. Die westamerikanische Taschenmaus gräbt sich tief im Sand ein und bekommt so Kühlung. Wüstenhasen und Wüstenfüchse besitzen riesige Ohren, die ihnen helfen, Wärme abzugeben.

Wüstenpflanzen

Bei den Wüstenpflanzen unterscheidet man vor allem zwei Hauptgruppen. Mehrjährige Pflanzen können trotz der Trockenheit lange überdauern. Einjährige Pflanzen entwickeln sich vor allem nach seltenen Niederschlägen. Sie vertrocknen schnell wieder und lassen nur ihre Samen bis zum nächsten Regen im Boden zurück.

Zu den mehrjährigen Pflanzen gehören die sogenannten Sukkulenten. Diese können in ihren Organen große Mengen Wasser speichern. Zudem besitzen Sukkulenten oberflächennahe Wurzeln, um bei den seltenen Regenfällen möglichst viel Wasser aufnehmen zu können. Andere Pflanzen, wie Tamarisken, Dattelpalmen oder Büffelgras entwickeln so tiefe Wurzeln, die bis in die Grundwasserschichten reichen.

Kakteen haben sich besonders an die Trockenheit angepasst. Sie haben ihre Blätter zu Stacheln reduziert. Das verringert ihre Oberfläche über die bei starker Sonneneinstrahlung Wasser verdunsten kann. Stacheln und Seitenrippen erzeugen zusammen einen windstillen Raum, in dem die Luft steht. Morgens können sich aus der Luftfeuchtigkeit dort Tautropfen bilden und von den Pflanzen aufgenommen werden. Haben Kakteen Wasser aufgenommen, schützt die dicke Außenhaut vor Verdunstung.

Lebensraum für den Menschen

Auch der Mensch siedelt in Wüstengebieten. Allerdings sind Menschen im Gegensatz zu Tieren oder Pflanzen physiologisch nicht an das Leben in der Wüste angepasst. Ein unbekleideter Mensch wird einen Tag in der Sahara kaum überleben, wenn er weder Schatten noch Wasser hat. Die Menschen, die sich in der Wüste angesiedelt haben, haben sich in ihrer Lebensform und Kultur an das Leben in dieser unwirtlichen Gegend angepasst. Sie haben gelernt mit Wassermangel, extremen Temperaturschwankungen, Trockenheit, Hitze und Sonneneinstrahlung umzugehen.

Auf einem ausgedörrten, rissigen Boden wachsen ein paar spärliche Pflanzen.

Spärliche Pflanzen- und Wasservorkommen

Während der Mittagshitze ziehen sie sich in ihre Zelte und Behausungen zurück. Sie graben Brunnen, um die Grundwasservorräte zu nutzen. Mithilfe von Kamelen oder Fahrzeugen können sie mit einem geschulten Orientierungssinn Hunderte von Kilometern in lebensfeindlichen Räumen zurücklegen. Nicht zuletzt schützen sie sich durch Kleidung vor Austrocknung und Sonnenstrahlung. Angepasstes Verhalten und die Kenntnis bestimmter Techniken sind unabdingbare Voraussetzungen für das Überleben in der Wüste.

Unterschiedliche Lebensformen

Prinzipiell gibt es für Wüstenvölker drei Lebensformen: den Nomadismus, das Sammeln und Jagen sowie die Oasenwirtschaft. In Regionen, in denen Ackerbau unmöglich ist, leben bis heute nomadisierende Viehzüchter. Sie können mit den wenigen natürlichen Ressourcen vor Ort auskommen und ziehen weiter, wenn diese erschöpft sind. Spärliche Pflanzen- und Wasservorkommen machen eine sesshafte Weidewirtschaft in Wüstenkerngebieten unmöglich und Nomadismus ist die einzig mögliche Alternative.

Bei der Besiedlung der Wüstenregionen halfen dem Menschen vor allem Kamele. Ohne Kamele wären die Wüsten wahrscheinlich bis in die Neuzeit hinein unbewohnt geblieben. Auch heute gibt es weltweit noch mehrere Millionen domestizierte Großkamele in Wüstengebieten.

Oase in der Sahara.

Wo Wasser ist, ist auch der Mensch

Entlang von Flüssen oder in anderen Gebieten, in denen künstliche Bewässerung möglich ist, haben sich Ackerbaukulturen entwickelt. Schon vor 5000 Jahren bauten die alten Ägypter Dämme, um umliegende Felder zumit dem Wasser des Nils zu bewässern. Wo ausreichend Wasser vorhanden war, konnten in Wüstenregionen bedeutende Zivilisationen entstehen, deren Kulturleistungen - von handwerklichen Fertigkeiten über naturwissenschaftliche Erkenntnisse bis zur Philosophie und Religion - bis in die heutige Zeit von Bedeutung sind.

Autor/in: Siegfried Klaschka/Kerstin Zeter

Stand: 18.10.2013, 13:00

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