Namensforschung
Namen als Identitätsstifter
Aber warum gibt es einige Namen häufiger, andere wiederum seltener? Woher kommen sie überhaupt, unsere Namen? Und welche Geschichten verbergen sich dahinter? Fragen, die normalerweise kaum jemand stellt. Schließlich kennen wir es ja gar nicht anders. Kaum sind wir geboren, haben wir auch schon einen Namen, mit dem wir gerufen werden, der später in unserem Pass, Führerschein, Zeugnis, auf unserer Kreditkarte und hoffentlich nicht in irgendwelchen Polizeiberichten auftaucht... Namen machen uns identifizierbar. Sie kennzeichnen uns als Individuum, heben uns von anderen Menschen ab, und machen so einen reibungslosen organisatorischen Ablauf innerhalb einer Gesellschaft überhaupt erst möglich.
Sprachfossil "Name" - Fundgrube für die Wissenschaft
Namen sind nicht nur nützlich - sie sind auch überaus spannend für Wissenschaftler. Vor allem für Sprachwissenschaftler. Es gibt sogar eine eigene wissenschaftliche Disziplin, die sich ganz der Namensforschung verschrieben hat: die Onomastik (abgeleitet vom griechischen Wort "onoma": "Name"). Namensforscher untersuchen in erster Linie Herkunft und Bedeutung von Vor- und Familiennamen, Ortsnamen und Gewässernamen. Für die Sprachforscher sind Namen "konservierte Sprache", "Sprachfossilien". Denn die Namenworte ändern sich, im Gegensatz zu anderen Wörtern, im Laufe der Jahrhunderte kaum.
Ein Wort, das sich zum Beispiel hinter einem Familiennamen verbirgt, kann durchaus ein Begriff aus dem Mittelalter sein, den es im normalen Sprachgebrauch heute gar nicht mehr gibt. Der Grund dafür liegt in einer rasanten Entwicklung der Bevölkerung im Mittelalter.
Heute sind Nachnamen eine Nnotwendigkeit
Die Geburtsstunde der Nachnamen
Im Mittelalter besaßen die Menschen zunächst nur einen Rufnamen. Es waren keine schlechten Zeiten damals. Mildes Klima bescherte den Bauern reiche Ernten. Und wegen der guten Ernährungssituation wuchs die Bevölkerung bis zum Jahr 1300 in Europa rasant. Städte bildeten sich, in denen viele Menschen auf engem Raum zusammenlebten. Und plötzlich gab es ein Problem: Wenn man in solch einer Stadt nach - zum Beispiel - "Hans" fragte, kam man nicht sehr weit. Es gab einfach zu viele "Hansens" dort. Die Suche musste also verfeinert werden. Und so bekam man zur Antwort: "Welchen Hans meinst Du? Den Rothaarigen, den Geizigen oder den, der am Ende des Ortes wohnt?" Voilà! Der Nachname war geboren! Auch heute noch heißen Nachkommen dieser Menschen zum Beispiel Otto Rothaar, Sandra Geiz oder Michael Ende.
Spannend. Die Entstehungsgeschichte von Namen
Rätsel um die Bedeutung
Nicht alle Nachnamen lassen sich so einfach erklären. Manchmal wird man zunächst auf eine falsche Fährte geleitet. "Rescheisse" zum Beispiel, lässt heutzutage anderes und (zum Leidwesen der Namensträger) Anrüchigeres vermuten, als zur mittelalterlichen Entstehungszeit gemeint war. Der Name "Rescheisse" ist eine Abwandlung des Wortes "Röscheisen". Ein Werkzeug des Schmiedes, der damit das Eisen von der Schlacke befreite. Daraus wurde dann das Resch-eisen, das sich wiederum zu Resch-eisse wandelte. Auch Frau Elvira Morgenschweiß hatte keinen müffelnden Vorfahren, sondern einen fleißigen. Vorbildlich machte der sich zu früher Stunde, während andere noch in den Federn lagen, ans anstrengende Tagwerk. Schon morgens standen ihm also die Schweißperlen auf der Stirn.
Alles andere als Schall und Rauch
So viele Namen es gibt, so viele Geschichten stecken dahinter. Genug Arbeit also für unsere Namenforscher - es dürfte ihnen wohl auch in Zukunft niemals langweilig werden. Das zeigt auch schon das Interesse der Menschen an ihrem Namen. Das ist nämlich ungebrochen und die Tendenz steigend. Namenanalysen sind ja auch immerhin der erste Schritt zur Ahnenforschung.
Susanne Decker, Stand vom 01.06.2009







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