Die Erforschung der Tiefe
Moderne "Tauchhelden" aus Stahl
Die Zeit der bemannten Tauchboote scheint sich dem Ende entgegen zu neigen. Die Zukunft gehört unbemannten, ferngesteuerten Tauchbooten oder auch Tauchrobotern. Tiefseeforscher können so gefahrlos an der Oberfläche bleiben, bekommen aber trotzdem wertvolle Daten.
Unbemannte Tauchboote, wie das japanische "Kaiko" oder das deutsche "Quest" können kilometertief abtauchen.Verbunden über Glasfaserkabel erkunden sie ferngesteuert von den Wissenschaftlern im Mutterschiff die fremde Welt der Tiefsee.
Die Vorteile: Unbemannte Roboter sind flexibler, billiger und tauchen auch mal 50 Stunden am Stück. Die neueste Generation von Tauchbooten sind sogenannte AUVs, "Autonumous Underwater Vehicels" ? eine weitere Revolution in Sachen Tauchboote: Sie bekommen ihre Mission einprogrammiert und gehen dann selbstständig auf Erkundungstour - bis zu zweieinhalb Tage können sie unterwegs sein und ihre Aufträge ausführen. Angetrieben von Brennstoffzellen reicht ihr Einsatzbereich bis hinunter auf 4000 Meter Tiefe. Dort inspizieren sie zum Beispiel Pipelines oder setzen Messsensoren und andere Forschungsgeräte aus.
Tiefenweltrekord geht an Kaiko
Kaiko ist ein ferngesteuertes japanisches Forschungs-Tauchboot und hält den Tiefenrekord für unbemannte Tauchboote. 1995 glitt es im Marianengraben in die Witjastiefe I, mit 11.034 Meter die tiefste Stelle der Ozeane, die wir kennen. Dort entnahm das Tauchboot Proben vom Meeresgrund und brachte sie zum Mutterschiff zurück.
Quest, Tieftauchroboter in deutschen Diensten
Der deutsche Tieftauchroboter Quest ist gleich im Auftrag von mehreren Instituten unterwegs ? entwickelt wurde er in Bremen. Mit knapp über 4000 Meter bestand der Tauchroboter im Juni 2003 den ersten Test im Atlantik bravourös. Ausgerüstet ist Quest mit bis zu 16 Kameras, zwei Greifarmen und viel Platz für wissenschaftliches Gerät. Da der Roboter "nur" 3 Tonnen wiegt, kann er auf verschiedenen Forschungsschiffen zum Einsatz kommen, ohne dass diese extra umgebaut werden müssen. Seine wichtigsten Aufgaben sind in Zukunft die Erkundung, Probenentnahme sowie die Wartung von Sensoren, die am Grund des Meeres Daten sammeln.
Alvin - Legende der Tauchboote
Von den bemannten Tauchboote hat vor allem Alvin Berühmtheit erlangt. Alvin blickt auf ein bewegtes Leben zurück: 1964 wurde es gebaut und hatte schon zwei Jahre später einen spektakulären Einsatz: Eine vom US-Militär im Atlantik verlorene Wasserstoffbombe wurde mit Alvins Hilfe wiedergefunden, 20 Kilometer vor der spanischen Küste. 1968 ging Alvin verloren, wurde aber ein Jahr später wieder gehoben. Das sollte sich lohnen! 1977 tauchte der Meeresforscher Dr. Robert Ballard in Alvin vor den Galapagos-Inseln ab. Was er dort unten in über 2000 Metern Tiefe entdeckt, war sensationell: Eine Tiefseelebensgemeinschaft aus Bakterien, Würmern, Krebsen und vielen anderen Organismen in der Nähe von heißen Quellen: den "Schwarzen Rauchern".
1986 folgt das nächste Highlight. Robert Ballard taucht mit Alvin ab zur ein Jahr zuvor wieder entdeckten Titanic. Von Alvin aus steuert Ballard eine ferngesteuerte Kamera bis in die Kajüte des Kapitäns. Auch James Cameron taucht mit Alvin zur Titanic ab. Das Tauchboot wird immer wieder technisch überholt und wurde so selbst zu einer Legende: Inzwischen ist Alvin über 40 Jahre alt, hat mehr als 4000 Tauchgänge auf dem Rücken - und taucht noch immer.
Forschung vor Japans Ostküste
Ein bemanntes Tauchboot der japanischen Tiefsee-Forscherflotte ist die Shinkai 6500. 1988 lief sie vom Stapel und tauchte mit Besatzung schon bis in eine Tiefe von 6500 Metern. Forschungsschwerpunkt der japanischen Tauchroboter ist die Tiefsee direkt vor Japans Ostküsten: Nirgendwo auf unserem Planeten bebt die Erde öfter: Vulkanausbrüche, See- und Erdbeben und die oft damit einhergehenden Tsunamis gehören in Japan fast schon zum Alltag. Für Tauchboote gibt es hier jede Menge Arbeit.
Dirk Beppler, Stand vom 16.01.2007





