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Stimmt es, dass der kartografische Atlas nach dem Titanen Atlas benannt ist?

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Der flämische Kartograf Gerhard Mercator (1512-1594) führte als erster den Begriff "Atlas" für ein geographisches Kartenwerk ein. Sein bedeutendstes Werk, das erst 1595, ein Jahr nach seinem Tod, von seinem Sohn komplettiert und veröffentlicht wurde, trägt den Namen "Atlas sive Cosmograhicae Meditationes de Fabrica Mundi et Fabricati Figura" ("Atlas oder kosmographische Meditationen über die Schöpfung der Welt und die Form der Schöpfung"). Die Bezeichnung Atlas ist seither ein feststehender Gattungsbegriff für alle Kartensammelwerke.

Originaltitel des 1595 erschienen Kartensammelwerkes Atlas von Gerhardus Mercator. (Rechte: WDR Freeze)

Der Mercator Atlas erschien erstmals 1595

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Lange Zeit hat man angenommen, dass der Titan Atlas aus der griechischen Mythologie für dieses Werk Pate gestanden habe. Er ist der Sohn des Iapetos und der Klymene sowie der Bruder von Prometheus, Menoitios und Epimetheus. Als Strafe, dass Atlas am Titanenkampf teilgenommen hat, ruhen laut Homer seitdem auf seinen Schultern die Säulen, die Erde und Himmel auseinander halten. Erst 1993 wurde eine Einleitung der Originalausgabe von Mercators Atlas aus dem Lateinischen übersetzt. Diese Einleitung wurde von der katholischen Kirche seinerzeit verboten und geriet in Vergessenheit. Hierin erklärt Mercator, dass er dem mythischen König Atlas von Mauretanien sein Kartenwerk widmen wolle. Dieser König sei ein äußerst belesener, menschlicher und weiser Mann gewesen, habe ein enormes astronomisches Wissen besessen und sogar den ersten Himmelsglobus gefertigt. Die Existenz von König Atlas von Mauretanien kann nicht belegt werden, Gerhard Mercator gehört dagegen zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der modernen Kartografie.

Farbiger, historischer Stich von Gerhard Mercator mit Vollbart und Mütze. (Rechte: akg)

Gerhard Mercator

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Ein Leben für die Kartografie

Mercator wurde am 5. März 1512 als Gerard de Kremer im flandrischen Rupelmonde geboren. Er studierte von 1530 bis 1534 an der Universität Löwen Kosmografie, Mathematik, Philosophie und Astronomie. Nach dem Studium wandte er sich der Kartografie zu und arbeitete als Instrumentenbauer und Landvermesser. 1537 entwarf er eine Karte von Palästina und ein Jahr darauf eine - noch ziemlich unvollständige - Weltkarte. Dennoch konnte er sich schon dadurch einen Namen als Kartograf machen.

Als Anhänger der Reformation wurde Mercator, der seinen Namen in der Zwischenzeit latinisiert hatte (Kremer = Händler = Mercator), 1544 gefangen genommen und eingekerkert. Aus diesem Grund siedelte er mit seiner Familie 1552 nach Duisburg über, das unter der Herrschaft des gemäßigten Herzogtums Kleve stand. Zunächst unterrichtete er in Duisburg am akademischen Gymnasium Mathematik, Geometrie und Kosmologie bis er 1563 zum Kartografen des Herzogtums Kleve ernannt wurde. Fortan konnte er sich ausschließlich seiner großen Leidenschaft, der Kartografie, widmen. In der Folgezeit erwarb er sich schon bei seinen Zeitgenossen den Ruf, dass seine Karten eine noch nie da gewesene Detailtreue besitzen. Er fertigte für viele Adlige und Herrscher Karten an, unter anderem Karten von ganz Europa. Doch was ihn unsterblich machen sollte, war seine große Wandkarte der Welt, die er 1569 vollendete und für die er eine nach ihm benannte Projektion entwickelte.

Gerhardus Mercator Statue in Duisburg (Rechte: WDR Freeze)

Mercator-Denkmal in Duisburg

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Das Meisterwerk - die Mercator-Projektion

Mercator lebte im Zeitalter der großen Entdeckungen. Die Schiffswege wurden immer länger und gefährlicher, die Navigation immer schwieriger. Der Bedarf an guten Karten, die winkeltreu waren und für die Navigation eingesetzt werden konnten, stieg immer mehr. Alle Bemühungen dieser Art gipfelten in der Weltkarte, die Mercator 1569 vorstellte. Die Weltkarte war 131 Zentimeter breit, 208 Zentimeter lang und daher für die Seefahrt zu unhandlich. Sie wurde in 29 Blätter zerschnitten, die, zu einem Band zusammengefügt, als erster gedruckter See-Atlas erschienen.

Die Lösung der Probleme war so einfach wie genial: Mercator legte um einen Globus einen Zylinder, der die Erde am Äquator berührte. Vom Projektionszentrum in der Erdmitte übertrug er dann alle Punkte vom Globus auf den Zylinder. Danach rollte er den Zylinder ab und erhielt eine plane, winkeltreue Karte der Erde. Für die Navigation war diese Projektion eine ungeheure Bereicherung. Die Eigenschaft der Winkeltreue ermöglichte den Kapitänen, den genauen Kurswinkel vom Heimat- zum Zielhafen zu ermitteln und immer entlang dieses Winkels zu reisen. Die Mercator-Projektion hat jedoch auch einige Nachteile: Sie ist weder flächen- noch linientreu. Hauptkritikpunkt ist die mangelnde Flächentreue. Nur am Äquator ist die Fläche exakt wiedergegeben. Zu den Polen hin ergeben sich deutliche Verzerrungen, die dort gelegene Gebiete viel größer erscheinen lassen, als sie tatsächlich sind. Grönland hat auf einer Mercator-Projektion etwa die gleiche Größe wie Afrika, in Wirklichkeit ist Afrika aber 15 Mal größer als Grönland. Dennoch bildete diese Art der Projektion die Grundlage für alle später entwickelten, weiterführenden Projektionen und wird heute immer noch für alle Seefahrtskarten und einige kleinräumige topographische Karten angewendet.

Beatrix von Kalben/Tobias Aufmkolk, Stand vom 24.11.2009

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