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Werkstoffe aus Pflanzen

Was haben Baumwolle und Bambus, Schilf und Sisal gemeinsam? Sie alle sind Baustoffe der Natur, sie sind "pflanzliche Baumeister". Seit Jahrtausenden nutzt der Mensch Fasern und Halme, Blätter, Rinde und Holz, um sich zu kleiden, Möbel und andere Gegenstände herzustellen oder Gebäude daraus zu bauen. Einige der Pflanzen, wie etwa der Miscanthus, könnten als nachwachsender Rohstoff künftig wieder große Bedeutung erhalten.

Aufgewickeltes Hanfseil. (Rechte: WDR)

Hanfseil - ein starkes Naturprodukt

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Pflanzenbaustoffe sind besser

Die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten der nachwachsenden Rohstoffe sind längst nicht ausgeschöpft. Noch immer entdecken Forscher neue nützliche Patente aus dem Reich der Pflanzen. Und das mit großem Gewinn, denn pflanzliche Baustoffe sind weitaus besser als künstliche: Sie sind umweltverträglich, recycelbar und gehören zum natürlichen Stoffkreislauf. Nicht zuletzt sind Naturprodukte auch deshalb so attraktiv, weil sie sich sehr viel positiver auf unsere Gesundheit auswirken.

Nahaufnahme von Baumwollpflanzen. (Rechte: Mauritius)

Garne aus Pflanzenfasern haben eine lange Tradition

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Der Stoff, aus dem die Kleider sind

In Jeans, T-Shirts und Hemden stecken sie drin: Pflanzenfasern. Die langen oder kurzen Stränge werden aus den Blättern und Stängeln von Pflanzen gewonnen. Der Faseraufbau und die Mikrostrukturen der Zellwände sind sehr komplex und von der Natur über Millionen von Jahren optimiert worden. Pflanzenfasern dienen von jeher der Herstellung von Textilien. Mit dem Aufkommen synthetischer Fasern ging ihr Anbau jedoch stark zurück.

Ein Großteil unserer Kleidung besteht aus Baumwolle, die von der Baumwollpflanze (Gossypium) stammt. Die Fruchtkapseln dieser in den Tropen und Subtropen verbreiteten Pflanze enthalten weiße Samenhaare (Baumwolle), die sich beim Öffnen der Frucht zu einem wolligen Flausch auflockern. Die weichen Haare bestehen aus nahezu reiner Zellulose. Zur Gewinnung von Rohbaumwolle müssen zuerst die erbsengroßen Samen von den Samenhaaren getrennt werden. Dann werden die Baumwollfasern gebleicht, gefärbt, versponnen, verwebt und schließlich zu Hemd und Hose verarbeitet.

Ein anderer aus Pflanzenfasern hergestellter Stoff ist Leinen. Das Gewebe ist relativ fest, nur wenig geschmeidig und wird häufig für Wäsche- und Dekorationsstoffe verwendet. Es wird aus dem auch bei uns heimischen Flachs, oder Lein (Linum) genannt, gewonnen. Die zellulosehaltigen Fasern liegen im Rindengewebe des Stängels und müssen erst isoliert werden. Dazu sind mehrere Schritte notwendig: Beim sogenannten Rösten werden die Fasern durch Einwirkung von Bakterien und Pilzen oder durch Beigabe entsprechender Chemikalien freigelegt. Zu "Röststroh" getrocknet, kommt der Flachs in die Schwinganlage, die Holzteile von den Fasern löst und lange von kurzen Fasern trennt.
Ähnlichen Verarbeitungsprozessen unterliegen auch die Bastfasern der Stängel von Hanf (Cannabis), Roseneibisch (Hibiscus) und Jute (Corchorus). Aus ihren robusten, widerstandsfähigen Fasern werden beispielsweise Taue, Säcke und Bodenbeläge hergestellt. Zur Produktion von Teppichen und Seilen werden auch die langen Blattfasern der Sisalagave verwendet.

Blick durch eine Öffnung in den Dachstuhl eines Hauses. Die Wände sind deutlich erkennbar aus Zement mit Pflanzenfasern aufgebaut. (Rechte: WDR)

In der Schweiz bereits realisiert: ein Haus mit Miscanthus-Wänden

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Gewächs-Häuser

Während Dächer aus Reetgras und Häuser aus Holz schon lange fester Bestandteil unserer Kulturgeschichte sind, hat man in Europa seit einiger Zeit den aus Asien stammenden Bambus sowie das Chinaschilf entdeckt. Die gigantischen Stangen des Bambusgrases dienen neben der Fabrikation von Möbeln auch der Konstruktion von Häusern und aus dem schnellwüchsigen Schilf (Miscanthus giganteus) lässt sich aufgrund bambusähnlicher Eigenschaften vieles herstellen, was der Bauherr so braucht: Aus dem exotischen Rohstoff entstehen Wände und Estrich, die wegen des Luftgehalts in den Pflanzenstängeln einen ausgezeichneten Dämmwert besitzen.

Chinaschilf kann - anders als Bambus - auch in Deutschland großflächig angepflanzt werden, es wächst überall dort, wo Mais angebaut wird. Darüber hinaus ist die Pflanze aus Fernost sehr anspruchslos und unempfindlich gegenüber Schädlingen. Durch das rasche Wachstum bindet das Schilf rund 30 Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid. Und da Miscanthus erst im Frühjahr geerntet wird, bietet es im Winter vielen Tieren Unterschlupf.
Wer ein (ökologisches) Haus bauen will, kann auch auf Stroh setzen: Das Bauen und Dämmen mit gedroschenem Getreide ist in den USA bereits seit 1900 eine bewährte Technik. Dabei werden Strohballen als Hauptbestandteil für Wandkonstruktionen eingesetzt, sie werden mit Holz stabilisiert und mit Lehm verputzt. Der Strohbau trägt zu einem gesunden Raumklima bei und spart durch den hohen Wärmedämmwert enorme Heizkosten.

Susanne Wagner, Stand vom 01.06.2009
Sendung: Stoffe - Leinen, Tweed und Seide, 27.09.2007

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Bildcollage zum Thema Pflanzen (Rechte: WDR)

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