Rekonstruktion am Modell
Fossilien und wissenschaftliche Erkenntnisse
Ausgangspunkt für den Entwurf eines Modells sind die tatsächlich erhaltenen Überreste der Dinosaurier: die fossilen Funde. Neben versteinerten Knochenfunden und Fußspuren sind manchmal auch noch Zähne, Krallen, Hörner, Panzerplatten und Eier erhalten. Ganz selten ist auch die schuppige Haut einiger Dinosaurier langsam fossilisiert, sodass sie die Jahrmillionen bis heute als Versteinerung überstehen konnte.Die Funde allein reichen allerdings kaum aus, um ein wirklichkeitsgetreues Modell eines Dinosauriers zu entwerfen.
Die Weichteile sind nur in absoluten Ausnahmefällen erhalten und von vielen Arten gibt es noch nicht einmal ein vollständiges Skelett. Übergreifende Vergleiche mit verwandten Arten und heutigen Tieren helfen dann, ein genaues und möglichst wirklichkeitsnahes Bild zu entwickeln. Auch Computersimulationen und Analysen aus dem Labor bringen immer neue wissenschaftliche Erkenntnisse, die im Idealfall alle in die Modell-Vorstellung einfließen.
Von der Skizze zum Modell
Der erste Schritt zur Herstellung eines Modells ist eine Skizze. Diese Zeichnung geht dann an ein auf die Produktion von prähistorischen Modellen spezialisiertes Unternehmen. Vor der eigentlichen Umsetzung wird zunächst ein verkleinertes Modell aus Holz geschnitzt, um einen räumlichen Eindruck zu gewinnen und die unterschiedlichen Vorstellungen in Einklang zu bringen. Ein Prototyp aus Styropor in Originalgröße dient als Vorlage für das endgültige Modell, das in der Regel aus Glasfaser-verstärktem Kunstharz gefertigt wird. Wie die Modelle am Ende möglichst realistisch lackiert werden, kann eigentlich niemand mit Sicherheit sagen. Denn welche Hautfarbe die Dinosaurier tatsächlich hatten, ist bis heute nicht genau bekannt und eine der größten Herausforderungen für die Rekonstrukteure.
Im Wandel der Zeit
Neue Funde und wissenschaftliche Erkenntnisse führen dazu, dass sich die Vorstellungen von den Dinosauriern ständig ändern. Veraltete Modelle spiegeln diese Veränderungen besonders deutlich wider. Die ersten Dinosaurier-Modelle überhaupt wurden Mitte des 19. Jahrhunderts für eine Ausstellung im Londoner Crystal Palace Park angefertigt und wirken heute geradezu bizarr. Die Modelle stellen extrem plumpe und schwerfällige Kreaturen dar, eine Art Mischung aus Elefant und Krokodil. Mittlerweile gilt dieses sehr Echsen-artige Bild von den Dinosauriern als überholt. Im Laufe des 20. Jahrhunderts rückten die Dinosaurier immer mehr in die Nähe der Vögel, da sich immer mehr gemeinsame Merkmale offenbarten: zum Beispiel die Leichtbauweise des Skeletts oder die gerade Beinstellung. Auch in den letzten Jahren zeigten sich noch weitere vogelartige Merkmale: Neue Funde brachten immer häufiger auch gefiederte Arten zutage. Viele Forscher gehen mittlerweile davon aus, dass die meisten Dinosaurier Federn besaßen. Praktisch alle Raubsaurier-Modelle müssten heute gegen gefiederte Exemplare ausgetauscht werden. Wer weiß: Vielleicht erscheint auch der furchteinflößende Tyrannosaurus Rex demnächst im weichen Federkleid.
Tobias Schlößer, Stand vom 27.05.2010
Sendung: Giganten der Urzeit - Dinosaurier in Deutschland, 28.05.2010







