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Korruption

Der Leiter der Baubehörde spannt im Wellnesshotel aus – als Dankeschön für eine umstrittene Genehmigung. Der Arzt bekommt neue Geräte von einer Pharmafirma – im Gegenzug verordnet er die "richtigen" Medikamente. Und der Journalist schreibt einen freundlichen Bericht über das neue Auto, das er monatelang "testen" durfte. Kavaliersdelikte? Nein, denn Korruption schadet der Volkswirtschaft, der Demokratie – und letztlich uns allen.

Mann im Anzug nimmt Geldscheine hinterm Rücken an. (Rechte: WDR/Mauritius)

Be­ste­chung ge­deiht nur, wenn's kei­ner merkt

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Korruption – alles andere als neu

Der Gedanke, jemanden mit besonderen Zuwendungen auf seine Seite zu ziehen, ist so alt, dass er geradezu typisch menschlich erscheint. Wurden in grauer Vorzeit nicht Götter mit Opfergaben milde gestimmt? Eine Hand wäscht die andere - das praktizierte man schon im alten Rom. Ab 200 vor Christus gab es in der römischen Gesellschaft zwei miteinander verwobene Systeme: Das offizielle basierte auf den festgeschriebenen Regeln für Verwaltung und Militär, das informelle auf einer neuen Art von Gefolgschaft, belebt durch den Austausch von Gefälligkeiten und Spenden. In jener Zeit erkauften sich Generale häufig den Gehorsam ihrer Soldaten durch persönliche Zuwendungen und (Geld-)Geschenke. Doch schon die Römer wussten, dass Bestechung schädlich ist: In ihrem lateinischen Wortschatz existierte der Begriff "corrumpere", von dem das Wort "Korruption" abstammt. Es bedeutet verderben, zugrunde richten, zu Schande machen, untergraben.

Wann fängt Korruption an? (4'58'')

Wenn Beziehungspflege kriminell wird

"Man kennt sich, man hilft sich", sagt der Kölner. "Eine Hand wäscht die andere" und "kleine Geschenke erhalten die Freundschaft," heißt es im Volksmund. Die Grenze zu ziehen, wo aus der an sich positiven gegenseitigen Unterstützung, Hilfe und Kooperation kriminelle Korruption wird, ist oft gar nicht so einfach. Wohl auch deshalb gelten Fälle von Korruption oft immer noch als Kavaliersdelikte, ist bei den Beteiligten häufig kein Unrechtsbewusstsein vorhanden.

Die Organisation Transparency International (TI), die sich der Bekämpfung von Korruption widmet, definiert Korruption als "Missbrauch von anvertrauter Macht zum eigenen Vorteil". Korruption umfasst Delikte wie Bestechung und Bestechlichkeit, Vorteilsnahme und Veruntreuung, Zahlung von Schmiergeld, ja sogar Erpressung. Man kann unterscheiden zwischen Gelegenheitskorruption, zum Beispiel der Euroschein, der bei der Verkehrskontrolle im Führerschein liegt, und struktureller Korruption. Hierbei geht es um die Bildung langfristiger Netzwerke und Abhängigkeiten. Korruption findet überall dort ihren Nährboden, wo Entscheidungen getroffen werden, von denen jemand einen Vorteil haben kann. Sie gedeiht, wenn manipulatives Verhalten im Schutz der Heimlichkeit möglich ist und nicht ans Licht kommt. Kein Bereich der Bürokratie ist davon ausgeschlossen. Korruption war und ist überall möglich, in jedem Land, zu jeder Zeit.

Mehrere Aktenordner (Rechte: Joker)

Korruption füllt viele Ordner

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Das illegale Dankeschön - der Bürger zahlt's

Unverfänglich werden sie gereicht, die Appetithäppchen, die beim Empfänger den Wunsch nach mehr keimen lassen. Um in den Genuss von größeren Aufmerksamkeiten zu kommen, werden als Gegenleistung Wünsche erfüllt. "Anfüttern", so bezeichnet der Fachjargon diese Art langfristiger Beziehungspflege. Am liebsten werden Gefälligkeiten weltweit mit Bargeld bezahlt. Gern genommen sind außerdem Bordellbesuche, Schmuck, Geschenke für Familienangehörige, großzügig finanzierte Reisen, Zubehör für die Hobbyausstattung und kostenlose Leistungen aller Art.

Ob in der öffentlichen Verwaltung oder im Gesundheitswesen - die Kosten illegaler Tauschbeziehungen gehen zu Lasten der Allgemeinheit. Das schmierige Geschäft zahlen die Bürger - mit Steuern, höheren Preisen oder gestiegenen Gebühren. Wenn ein Unternehmen besticht, um seine Umsätze zu steigern, holt es sich das dafür benötigte Geld vom Verbraucher - indem es seine Ware verteuert und das Bestechungsgeld zusätzlich als Werbungskosten steuerlich absetzt. Oder das Bestechungsgeld wird bereits in die Rechnung an die Stadt eingerechnet. Die Allgemeinheit zahlt also Leistungen, die nie erbracht wurden.

Wie hoch die Kosten tatsächlich sind, die Korruption verursacht, lässt sich nur schätzen. Zu hoch ist die Dunkelziffer der Delikte. Doch vermutlich gehen die Schäden für die deutsche Volkswirtschaft, in die Milliarden. Eine Studie des Wirtschaftsprüfungsunternehmens PricewaterhouseCoopers ging 2010 von einem Gesamtschaden für Deutschlands öffentliche Verwaltung von weit über zwei Milliarden Euro jährlich aus.

Der Korruptionssumpf vor der Haustür

Spektakuläre Beispiele bieten nicht nur kolumbianische Drogenkartelle, die sizilianische Mafia oder Waffenschiebereien im Nahen Osten. Für reichhaltiges Anschauungsmaterial sorgen auch deutsche Bestechungsskandale: Im Korruptionsprozess um den Bau der Kölner Müllverbrennungsanlage ging es um gut elf Millionen Euro Schmiergelder, die beim Bau der etwa 400 Millionen Euro teuren Anlage in den 90er Jahren gezahlt wurden. Eine Million davon hatte allein die Kölner SPD kassiert.

Transparency International (TI) erstellt seit 1995 den internationalen Korruptionswahrnehmungsindex, der wiedergeben soll, als wie korrupt die Amtsträger und Politiker einzelner Länder gelten. Die Bewertungsskala reicht von 0 (als sehr korrupt wahrgenommen) bis 10 (als wenig korrupt wahrgenommen). Drei Viertel der 178 untersuchten Länder erzielten 2010 einen Index von unter 5. Korruption ist also ein weltweites Problem. Auch Deutschland bekleckerte sich nicht gerade mit Ruhm. Mit einem Index von 7,9 fand sich Deutschland auf Rang 15, während sich Dänemark, Neuseeland und Singapur mit einem Index von 9,3 den ersten Platz teilten. Positiv hervorgehoben wurde von TI, dass eine größere Anzeigenbereitschaft zu mehr Ermittlungsverfahren geführt habe und die Zahl der Präventionsmaßnahmen in Verwaltung und Privatwirtschaft gewachsen sei.

Karin Soltani/Christoph Teves, Stand vom 14.11.2011
Sendung: Dreckige Deals - Wie korrupt ist Deutschland?, 14.11.2011

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