Gab es eine dritte Generation der RAF?
Am 10. Oktober 1986 wurde der Spitzendiplomat Gerold von Braunmühl auf offener Straße erschossen. Am 30. November 1989 starb der Chef der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen, durch einen Sprengstoffanschlag. Am 1. April 1991 wurde der Treuhand-Chef Detlev Karsten Rohwedder in seinem Haus erschossen.
Nach allen Anschlägen erschienen Bekennerschreiben der RAF. Und trotzdem kamen in den 90er Jahren Fragen auf. Die drei Morde wurden mit einer ungeheuren Präzision ausgeführt, eher untypisch für die Verbrechen der ersten beiden Generationen. Und: Sie richteten sich gegen RAF-untypische Opfer. Der Diplomat Braunmühl war ein Gegner des amerikanischen Raketenabwehr-Projekts, der Banker Herrhausen forderte Schuldenerlass für die Dritte Welt und Manager Rohwedder wollte den Arbeiter- und Bauernstaat retten.
In ihrem Buch "Das RAF-Phantom" vertraten die Journalisten Wolfgang Landgraeber, Ekkehard Sieker und Gerhard Wisnewski Anfang der 90er die These, es habe nie eine dritte Generation der RAF gegeben. Die Morde seien in Wahrheit durch Geheimdienste begangen worden, um politisch andersdenkende und unbequeme Menschen loszuwerden.
Heute hat diese Verschwörungstheorie für die meisten ihren Reiz verloren. Aber die Geschichte der dritten RAF-Generation bleibt mysteriös. Nur zwei Mitglieder wurden verhaftet: Eva Haule und Birgit Hogefeld. Zwei wurden getötet: Wolfgang Grams 1993 in Bad Kleinen und Horst Ludwig Meyer 1999 in Wien. Nach drei RAF-Mitgliedern wird noch gefahndet: Ernst-Volker Staub, Daniela Klette und Burkhard Garweg. Wahrscheinlich gab es aber zehn bis 15 weitere Mitglieder, deren Namen und Gesichter bis heute unbekannt sind.
Und: Keines der drei Attentate ist bis heute aufgeklärt.
Christine Buth, Stand vom 01.06.2009






