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Die Römer in Germanien

Geschichte wird erst richtig lebendig, wenn wir sie anfassen können. In Deutschland finden sich zahlreiche Orte, an denen man einen Hauch von römischer Geschichte atmen kann. Die vielen Funde sind in diversen Museen zu bestaunen. Doch was wollten die Römer in Germanien? Warum sind sie in die kalten und feuchten Wälder des Nordens vorgedrungen?

Kampftechniken der Römer (2'36'')

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Die ersten Feldzüge nach Germanien

In den Jahren 58 bis 51 vor Christus eroberte Gaius Julius Caesar (100 bis 44 vor Christus) Gallien. Dieses Gebiet bestand aus dem heutigen Frankreich, Belgien, der Westschweiz und den größten Teilen des linksrheinischen Deutschlands.

Hierdurch wurde der Rhein zur Grenzlinie zwischen den rechtsrheinischen Siedlungsgebieten germanischer Stämme und dem Imperium Romanum. Doch die Römer hatten die Germanen unterschätzt. Regelmäßig fielen germanische Stämme in die gallischen Provinzen ein und sorgten für Unruhe.

Auf der Grafik ist eine Karte zu sehen, die das Imperium Romanum zur Zeit seiner größten Ausdehnung zeigt. (Rechte: SWF)

Das Imperium Romanum in seiner größten Ausdehnung

Vergrößern

Die Sicherheitslage war für Rom unbefriedigend. So erlitt zum Beispiel im Jahr 17/16 vor Christus M. Lollius, der römische Statthalter der gallischen Provinzen, eine schwere Niederlage gegen einfallende germanische Stämme. Dies nahm Kaiser Augustus (63 vor Christus bis 14 nach Christus) zum Anlass, die militärische Strategie gegenüber den Germanen rechts des Rheins entscheidend zu ändern.

Höchste Priorität hatte nun die Sicherung Galliens durch die Verteidigung der Rheingrenze. Die im Inneren Galliens stationierten Legionen verlegte Rom in Militärlager entlang der Rheinlinie. Durch diese strategische Lage konnten sie gleichzeitig mehrere Aufgaben übernehmen. Zum einen dienten sie als Truppenbereitstellungslager, um Einfälle der Germanen nach Gallien rechtzeitig abzufangen. Zum anderen ermöglichten sie als Ausfall- und Versorgungsbasen militärische Operationen in das rechtsrheinische Germanien.

Die Taktik der vorgelagerten Verteidigung

Doch auch diese Strategie ging nicht auf. Im Jahr 12 vor Christus fielen die germanischen Stämme der Sugambrer und Usipeter in Gallien ein. Der Stiefsohn von Kaiser Augustus, Drusus (38 bis 9 vor Christus), wurde beauftragt, eine neue Taktik der Grenzsicherung umzusetzen. Die Drususfeldzüge (12 bis 9 vor Christus) in das rechtsrheinische germanische Gebiet sollten eine vorgelagerte Grenzsicherung ermöglichen. Durch Kontrolle und Befriedung der dort siedelnden germanischen Stämme wollte Augustus weitere Einfälle nach Gallien verhindern.

Mit diesen Feldzügen, die ihren vorläufigen Abschluss in den Jahren 8 und 7 vor Christus hatten, gelang die Unterwerfung der stärkeren germanischen Stämme, die zwischen Rhein und Elbe siedelten. Es schien fast so, als habe das Imperium die Sugambrer, Usipeter, Cherusker, Chauken, Chatten und Markomannen nun endlich unter Kontrolle gebracht.

Nachgestellte Szene einer kleinen Gruppe römischer Soldaten mit Kettenhemden, Rundschilden, Helmen und Lanzen. (Rechte: dpa)

Militärische Macht führte nicht zum Erfolg

Vergrößern

Herrsche und Teile

Das Römische Imperium setzte nun auf eine Doppelstrategie. Neben der militärischen Unterwerfung versuchte man mit politischen und diplomatischen Mitteln Unruhen und Aufstände zu verhindern. Rom schmiedete strategische Allianzen, um die einzelnen germanischen Stämme gegeneinander ausspielen zu können. Ausgewählte Germanenoberhäupter ehrte man mit römischen Titeln und zahlreiche Germanen traten in die Dienste römischer Legionen. Das Ziel war es, die Germanen Schritt für Schritt zu romanisieren. Einer der ausgewählten Germanen war Armin (17 vor Christus bis 21 nach Christus), der unter dem römischen Namen Arminius schon bald einen Legende werden sollte.

Varus und der Arminius-Aufstand

Der Frieden schien gesichert als 7 nach Christus Publius Quinctilius Varus Statthalter der gallischen Provinzen wurde. In dieser Funktion war er auch Oberbefehlshaber über die Rhein-Legionen. Der um 46 vor Christus geborene Abkömmling alten römischen Adels hatte bereits eine erfolgreiche politische und militärische Karriere hinter sich. Im Jahr 13 vor Christus war er römischer Konsul gewesen, später dann Statthalter in Syrien und Afrika. Varus hatte den Auftrag Germanien unter strenges römisches Provinzialrecht zu stellen. Dies bedeutete Steuern einzutreiben und die Germanen wie Untertanen Roms zu behandeln.

Dem Germanen Arminius gelang es im Jahr 9 nach Christus einige zerstrittene germanische Stämme (Cherusker, Chattten, Angrivarer, Marser, Brukterer) unter seiner Führung zu vereinen und sich Varus zu widersetzen. Der Arminius-Aufstand kam völlig überraschend. Mehr als 20.000 Römer fielen in einer dreitägigen Schlacht durch die Hände der Germanen im Kessel von Kalkriese. Heute ist sie als die Varusschlacht bekannt. Varus selbst nahm sich während der Schlacht das Leben. Zu groß war der Ehrverlust für einen Mann seines Standes.

Auf dem Bild ist ein Modell eines Limes-Grenzüberganges zu sehen. Römische Soldaten kontrollieren die Waren der germanischen Händler. (Rechte: SWF Freeze)

Ein Grenzübergang am Limes

Vergrößern

Rom gibt seine Expansion auf

In den Jahren 14 bis 16 nach Christus führten Kaiser Tiberius (42 vor Christus bis 37 nach Christus) und sein Adoptivsohn Germanicus (15 vor Christus bis 19 nach Christus) Strafexpeditionen gegen Arminius durch, die dieser jedoch zurückschlagen konnte. Der Aufstand hatte die römische Herrschaft über die Germanen rechts des Rheins beendet. Wieder war der Rhein die Grenze zwischen der linksrheinischen römischen Provinz Niedergermanien und den rechtsrheinischen freien Germanen. Rom verabschiedete sich für lange Zeit vom Wunsch weiter in den Norden vorzudringen. Um die bestehenden Grenzen aufrecht zu erhalten, wurde später sogar ein Bauwerk errichtet, dessen Überreste auch heute noch zu finden sind: Der Limes.

Jo Siegler, Frank Endres, Stand vom 19.03.2013
Sendung: Zeittunnel - Schatzsuche im Kölner Untergrund, 19.03.2013

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