Deutsche Bunkeranlagen

Kalter Krieg

Deutsche Bunkeranlagen

Mehr als 20 Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges gibt es in Deutschland noch immer Spuren aus dieser Zeit. Spannende Relikte sind die Bunkeranlagen. Ende der 1950er Jahre beschloss die Bundesregierung ein gewaltiges und kostspieliges Bunkerprogramm. Sie wollte für den Tag X gerüstet sein, auch wenn damals noch keine rechte Vorstellung bestand, was für Folgen ein Atomkrieg haben könnte.

Der Regierungsbunker in der Eifel

1959 begannen die streng geheimen Bauarbeiten für den Regierungsbunker der bundesdeutschen Eliten im Ahrtal. Keine Information durfte nach außen dringen. Die Beteiligten waren selbst ihren Angehörigen gegenüber zum Schweigen verpflichtet.

Mehr als zehn Jahre lang wurde an dem gigantischen Bunkerprojekt gebaut: Das Tunnelsystem unter den Ahrbergen hatte eine Länge von 17.336 Metern. Es gab 897 Arbeitszimmer, 936 Unterkunftsräume und sogar einen Friseursalon – falls einem Abgeordneten selbst im Atomkrieg noch der Kopf nach "Waschen, Föhnen und Legen" stand.

Rund 20.000 Menschen waren am Bau und Erhalt des Regierungsbunkers im Einsatz. Mehr als 3000 Regierungsmitglieder hätten hier Zuflucht gefunden. Der "Ausweichsitz der Verfassungsorgane der Bundesrepublik Deutschland in Krise und Krieg" – so der amtliche Titel des Bunkers – gilt nach heutigen Erkenntnissen als die teuerste und als eine der absurdesten Einzelinvestitionen in der Geschichte der BRD. Wie wäre das Leben nach einem Atomkrieg, dem Tag X, weitergegangen? Wen hätte die Bundesregierung da draußen noch befehligen wollen?

Mögliche Kriegsszenarien simulierten die Abgeordneten im Ahrweiler Bunker tatsächlich schon in den 1960er Jahren. Die Kommandostabsübung "Fallex 66" der NATO förderte 1966 schreckliche Erkenntnisse zutage. Wäre es zum nuklearen Showdown gekommen, dann wäre das gesamtdeutsche Territorium völlig verwüstet worden. Ein Fazit, das damals nicht für die Ohren der Öffentlichkeit bestimmt war.

Seit 2008 sind 200 Meter Tunnel der ehemals 17 Bunkerkilometer ein Museum. Der Rest wurde zwischen 2001 und 2006 komplett zurückgebaut.

Schalt- und Kontrollzentrale im ehemaligen unterirdischen Regierungsbunker in Marienthal

Die absurdeste Einzelinvestition in der Geschichte der BRD

Der Honecker-Bunker bei Prenden

Das Pendant zum bundesdeutschen Bunker existiert noch heute auf dem ehemaligen Territorium der DDR. Nördlich von Berlin, versteckt in einem Kiefernwald bei Prenden, ließ der DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker einen Bunker für die ostdeutsche Regierungselite bauen. Allerdings begann der Bau erst 1978.

Der Honecker-Bunker mit dem hübschen Tarnnamen "Perle" gilt als das technisch aufwendigste Bauwerk dieser Art im Ostblock. In nur fünf Jahren wurde der dreigeschossige Bunker mit einer Grundfläche von 65 mal 50 Metern erbaut. Im Ernstfall eines Atomkrieges hätten in den 170 Räumen bis zu 400 Menschen Platz gehabt. Nicht viel, wenn man diese Zahlen mit dem Regierungsbunker in Ahrweiler vergleicht.

Der Führungsbunker der DDR ist eine technische Meisterleistung: An starken Stahlkonstruktionen hing innerhalb des Bunkers eine dreigeschossige Überlebenskapsel von der Bunkerdecke. Diese frei schwebende Konstruktion hätte die Detonation einer atomaren Druckwelle abgemindert.

Doch trotz der überragenden Technik hatte Honecker für den Bunker nicht viel übrig. Er hat ihn nur ein einziges Mal besucht, zur Einweihung im Jahr 1983. Seit 2003 ist der Bunker denkmalgeschützt. Für die Öffentlichkeit ist "Objekt 17/5001" – so der militärische Code – heute nicht mehr zugänglich.

Das Haupttor zum Honecker-Bunker bei Prenden (Brandenburg) nördlich von Berlin

Ein Bunker für die ostdeutsche Regierung

Gebrauchsanleitung für die Zivilbevölkerung im Falle eines Atomkriegs

Für die Regierungseliten der beiden deutschen Teilstaaten war gesorgt. Wie aber hätte sich die Zivilbevölkerung im Falle eines Atomkrieges geschützt? Zu Beginn der 1960er Jahre lieferten filmische Gebrauchsanleitungen aus Amerika erste Verhaltensregeln.

Einer dieser Lehrfilme hieß "Duck and Cover" – "Ducke und bedecke Dich". Eine pfiffige Schildkröte zeigt Kindern, wie sie sich im Falle einer Atombombenexplosion verhalten sollen: hinlegen und die Schultasche über den Kopf ziehen. Dass diese Maßnahme nicht ausreichen würde, war kein Geheimnis.

Wie aber sollte man Millionen von Bundesbürgern vor dem Atomkrieg schützen? Der erste zivile Bunkerversuch in Dortmund sollte Licht in das Dunkel bringen. Im Juni 1964 probten 144 Testpersonen sechs Tage lang das Überleben im Atombunker. Der Dortmunder Bunker stammte noch aus den Zeiten des Zweiten Weltkrieges und war zu Beginn der 1960er Jahre für viel Geld in einen kernwaffensicheren Bau umgewandelt worden.

Schon im Vorfeld debattierten die Bundesbürger viel über Sinn und Unsinn eines solchen Tests. Der Bunkerbau war kostspielig und für mehr als 50 Millionen Bundesbürger überhaupt nicht zu bewältigen. Und so war es kein Wunder, dass der zivile Test im Dortmunder "Sonnenbunker" nicht nur der erste, sondern auch der letzte seiner Art blieb.

Autorin: Sandra Kampmann

Stand: 27.06.2018, 15:00

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