Erste Phase: "Blitzkrieg" und Westfeldzug

Schwarzweiß-Kartenansicht von Belgien, England, Niederlande, Deutschland und Frankreich.

Der Zweite Weltkrieg

Erste Phase: "Blitzkrieg" und Westfeldzug

Von Martina Frietsch

Am 1. September 1939 überfiel die deutsche Wehrmacht Polen. Mit dieser Kriegshandlung begann der Zweite Weltkrieg. In den folgenden zwei Jahren weitete Deutschland seine Angriffe auf Länder in ganz Europa aus – von Großbritannien bis Griechenland.

Polen: Die deutsche Lüge und der Angriff

Gebäude des Rundfunksenders Gleiwitz mit Sendeturm

Den Überfall auf den Sender Gleiwitz hatte die SS inszeniert

Ab dem Frühjahr 1939 liefen bei der Wehrmacht intern die Vorbereitungen für den Angriff auf Polen. Unterdessen schlug Deutschland außenpolitisch einen aggressiven Kurs gegenüber Polen ein: Es forderte den Anschluss Danzigs ans Deutsche Reich, ebenso den Bau eines "Korridors" nach Ostpreußen; die Presse berichtete über angebliche polnische Grenzverletzungen. Als Auslöser für den Einmarsch wurde der Überfall auf den Rundfunksender Gleiwitz genannt – den die SS selbst inszeniert hatte.

Am Morgen des 1. September 1939 überfiel die Wehrmacht ohne Kriegserklärung Polen. Das Linienschiff "Schleswig-Holstein" beschoss um 4:45 Uhr polnische Befestigungen vor Danzig. Kurz zuvor hatten deutsche Bomber bereits die Kleinstadt Wielun angegriffen. Rund 1200 Einwohner starben in dieser Nacht, unter anderem die Patienten eines Krankenhauses. Im Sprachgebrauch der Nationalsozialisten wurde der Angriff ins Gegenteil verkehrt: Hitler sprach von einem polnischen Angriff und "Seit 5 Uhr 45 wird jetzt zurückgeschossen."

Polen wird aufgeteilt

schwarzweiß-Bild von Stalin.

Ende September 1939: Auf Befehl Stalins überfallen Sowjettruppen Ost-Polen

Bereits nach einer Woche erreichte die Wehrmacht die polnische Hauptstadt Warschau und begann die Stadt einzuschließen. Am 17. September verließ die polnische Regierung das Land. Als Hitler die Bombardierung Warschaus befahl, kapitulierte die Stadt. Noch am gleichen Tag, am 27. September 1939 erteilte Stalin der Roten Armee den Befehl zum Einmarsch in Ostpolen. Wie im Zusatzprotokoll zum Hitler-Stalin-Pakt beschlossen, teilten Deutschland und die Sowjetunion Polen unter sich auf.

Während der Besatzung Polens zeigt sich schnell, dass es Hitler keineswegs nur um Gebietsgewinne ging. Im Militärjargon wurde der Überfall „Blitzkrieg“ genannt; in Realität war es ein Vernichtungskrieg gegen ein Volk: Juden, Kritiker des Deutschen Reichs und die führende Bevölkerung Polens wurden in Konzentrationslagern inhaftiert; Teile der polnischen Bevölkerung zwangsweise umgesiedelt. Bis Ende 1940 verloren rund 325.000 Polen Besitz und Heimat. Darüber hinaus wurde Polen wirtschaftlich ausgeblutet: Arbeitskräfte, Lebensmittel und Rohstoffe wurden nach Deutschland gebracht.

Die Westmächte warten ab

Direkt nach dem deutschen Einmarsch in Polen forderten Frankreich und Großbritannien den Rückzug der Truppen, was Hitler ignorierte. Am 3. September erklärten beide Länder dem Deutschen Reich den Krieg; Australien, Neuseeland, Indien, Kanada und die Südafrikanische Union schlossen sich kurze Zeit später an. Die USA blieben neutral, ebenso Italien, das sich im Stahlpakt 1939 verpflichtet hatte, dem Deutschen Reich im Falle eines Angriffskriegs Unterstützung zu leisten.

Trotz Kriegserklärung griffen die Westmächte jedoch nicht militärisch ein, sondern warteten ab. So kam es trotz Kriegserklärung an der deutsch-französischen Grenze kaum zu Kämpfen. Währenddessen nutzten Frankreich, Großbritannien, aber auch die USA die Zeit, ihre Armeen aufzurüsten. Dieser Stillstand an der Westfront erhielt den Namen "Sitzkrieg".

Die polnischen Truppen leisteten ohne Unterstützung Widerstand, bis sie am 6. Oktober 1939 kapitulierten. Allein 120.000 polnische Soldaten waren gestorben, über 900.000 kamen in Kriegsgefangenschaft. Die besetzten Gebiete, die nicht dem Deutschen Reich angegliedert wurden, wurden zum Generalgouvernement.

Angriffe im Norden, Besetzung Frankreichs

Am 9. April 1940 befahl Hitler den Angriff auf Dänemark und Norwegen. Vor allem Norwegen war für die Verschiffung des kriegswichtigen schwedischen Erzes enorm wichtig. Befürchtet wurde außerdem, Großbritannien könnte Norwegen besetzen oder durch eine Blockade den Rohstoffnachschub abschneiden. Dänemark kapitulierte bereits einen Tag später, Norwegen nach zwei Monaten.

Noch während in Norwegen gekämpft wurde, startete am 10. Mai 1940 der deutsche Angriff auf die Niederlande, Belgien, Luxemburg und Frankreich. Die Niederlande kapitulierten nach fünf Tagen, Belgien nach zweieinhalb Wochen. Deutschland besetzte beide Länder, die, ebenso wie Dänemark und Norwegen, neutral waren. Dieser Angriff war ein eklatanter Verstoß gegen das Völkerrecht.

Am 14. Juni 1940 erreichte die Wehrmacht Paris, sechs Tage später kapitulierte Frankreich. Das Land wurde in eine besetzte Zone im Norden und Westen sowie einen Reststaat im Süden mit eigener Verwaltung aufgeteilt. Das Elsass, Lothringen sowie Luxemburg wurden komplett dem Deutschen Reich zugeschlagen.

schwarzweiß-Bild: Hitler besucht Paris.

Juni 1940: Nach dem "Blitzkrieg" gegen Frankreich besucht Hitler Paris

Sitz der neuen französischen Regierung unter Marschall Pétain war der Badeort Vichy. Sie geriet wegen ihrer Kollaboration mit den Deutschen bei den Franzosen zunehmend in die Kritik. Im November 1942 verlor die Vichy-Regierung ihre Macht: Deutsche Truppen marschierten in das bisher unbesetzte Gebiet im Süden ein – als Antwort auf die Landung der Alliierten in Nordafrika.

Die Invasion Englands scheitert

Als am 13. August 1940 die deutsche Luftwaffe ihre Angriffe auf England startete, sollte sie die Voraussetzungen für eine Invasion schaffen. Gleichzeitig wollte Hitler durch einen Sieg über Großbritannien Handlungsfreiheit für den geplanten Krieg gegen die Sowjetunion haben. Doch es kam anders: Das Deutsche Reich erlitt seine erste Niederlage. Die Luftangriffe wurden zunächst auf militärische Ziele geflogen, später bombardierte die Luftwaffe auch Wohngebiete und Industrieanlagen. England wiederum startete seine ersten Luftangriffe auf Berlin. Im April wurde der Luftkrieg gegen England beendet.

Unterstützung für Mussolini

Im Oktober 1940 hatte Italien Griechenland angegriffen und war auf erheblichen Widerstand gestoßen. Zugleich kämpften Mussolinis Streitkräfte in Albanien und Nordafrika und gerieten in Bedrängnis.

Im März 1941 landeten schließlich britische Streitkräfte in Griechenland. Deutschland griff in den Konflikt ein, um sich auch weiterhin für den geplanten Angriff auf Russland die Südflanke freizuhalten. Wichtig war für Deutschland auch der ungehinderte Zugriff auf die rumänischen Ölfelder. Im April weitete Hitler seinen Feldzug auf Jugoslawien aus. Griechenland und Jugoslawien kapitulierten wenig später.

Schwarz-weiß-Bild: Das deutsche Afrikakorps unterstützt die italienischen Streitkräfte in Nordafrika.

Das deutsche Afrikakorps unterstützt die italienischen Streitkräfte in Nordafrika

In Nordafrika unterstützte das Deutsche Afrikakorps die italienischen Streitkräfte. Ihr Kampf gegen die britischen Truppen und schließlich alliierte Streitkräfte dauerte bis zur Kapitulation der italienisch-deutschen Verbände im Mai 1943.

Der Angriff auf Russland

Das Scheitern am Widerstand Englands und der amerikanische Schulterschluss mit Großbritannien beschleunigten Hitlers Vorhaben, in einem weiteren „Blitzkrieg“ Russland anzugreifen und einzunehmen. Es wurde ein schneller Sieg erwartet, auch angesichts des schlechten Zustands der Roten Armee. Doch aus dem geplanten schnellen Feldzug wurde für die Wehrmacht eine Katastrophe. Die schweren Verluste und Niederlagen brachten schließlich die Wende dieses Krieges.

SWR | Stand: 01.06.2020, 21:00

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