Willy Brandt

Willy Brandt

Von Tobias Fülbeck

Der erste sozialdemokratische Kanzler

Willy Brandt als Kleinkind mit seiner Mutter

Willy Brandt wird Dezember 1913 als Herbert Ernst Karl Frahm in Lübeck geboren. Seine Mutter Martha Frahm ist alleinstehend. Erst 1947 erfährt Herbert in einem Brief seiner Mutter den Namen seines Vaters: John Möller. Herberts Bezugsperson ist sein Großvater Ludwig Frahm, der – wie die Mutter – Sozialdemokrat ist.

Willy Brandt wird Dezember 1913 als Herbert Ernst Karl Frahm in Lübeck geboren. Seine Mutter Martha Frahm ist alleinstehend. Erst 1947 erfährt Herbert in einem Brief seiner Mutter den Namen seines Vaters: John Möller. Herberts Bezugsperson ist sein Großvater Ludwig Frahm, der – wie die Mutter – Sozialdemokrat ist.

Herbert Frahm wächst durch die Mutter und den Großvater von Kindheit an in die SPD hinein. Er besucht ihre Kinder- und Jugendgruppen, die er später selbst leitet.  Schon als Gymnasiast schreibt Herbert Frahm Artikel für den sozialdemokratischen "Lübecker Volksboten".  Noch vor dem Abitur schließt er sich der linksradikalen Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAPD) an und wird Vorsitzender des Jugendverbands.

Der SPD-Politiker Egon Bahr (rechts) prägte bereits in den 1960er-Jahren die Formel "Wandel durch Annäherung". Brandt setzte in der sozialliberalen Koalition auf eine neue Ostpolitik, die auf eine "Politik der kleinen Schritte" setzte, um die Verhältnisse zwischen der Bundesrepublik, der DDR und der Sowjetunion zu normalisieren.

Als Regierender Bürgermeister von Berlin empfing Brandt gemeinsam mit Bundeskanzler Konrad Adenauer den US-Präsidenten John F. Kennedy im Juni 1963. Damals sagte Kennedy auf dem Balkon des Rathauses Schöneberg die weltberühmten Worte "Ich bin ein Berliner".

Willy Brandt siegte 1969 als Kanzlerkandidat der SPD bei den Bundestagswahlen. Im Herbst nahm die erste sozialliberale Koalition aus SPD und FDP ihre Arbeit auf.

Am 12. August 1970 unterzeichnete Willy Brandt den Moskauer Vertrag zwischen der BRD und der Sowjetunion. Der Vertrag erkannte die Unverletzlichkeit der bestehenden Grenzen in Europa an – insbesondere der Oder-Neiße-Grenze als Westgrenze Polens und der Grenze von BRD und DDR.

Nach der Unterzeichnung des Warschauer Vertrags kniete Brandt am 7. Dezember 1970 vor dem Mahnmal für die Opfer des Warschauer Ghettos nieder. Es war eine Geste, die um die Welt ging. Sie sei ungeplant gewesen, ein spontaner Gefühlsausbruch, berichten Zeitzeugen. "Ich bitte für mein Volk um Verzeihung – bete auch darum, dass man uns verzeihen möge", erklärte Brandt später in einem Interview. Der damalige Außenminister Walter Scheel, der direkt hinter Brandt stand, sagte: "Er hat nach meiner Überzeugung mit dieser Symbolhandlung für das Ansehen der Deutschen in der Welt mehr getan, als viele Regierungen insgesamt mit ihrem guten Willen und ihrer guten Politik bewirkt haben."

Für sein Engagement um eine Entspannung im Ost-West-Konflikt erhielt Brandt 1971 den Friedensnobelpreis.

Misstrauensvotum gescheitert: Rainer Barzel (CDU) wollte mit einem konstruktiven Misstrauensvotum Kanzler Brandt stürzen. Doch das ging schief – zwei Stimmen fehlten. Brandt blieb im Amt.

Die Ostpolitik der sozialliberalen Koalition spaltete das Land. Während viele Deutsche die Entspannungsbemühungen lobten, sprachen andere von einem "Ausverkauf deutscher Interessen".

Triumph für die SPD und Willy Brandt: Bei der Bundestagswahl 1972 erreichten die Sozialdemokraten 45,8 Prozent der Stimmen.

Willy Brandt hatte mit seiner zweiten Ehefrau Rut drei Kinder. Peter Brandt (Jahrgang 1948) ist Historiker, Lars Brandt (1951) Schriftsteller und Filmemacher, Matthias Brandt (1961) Schauspieler. Mit seiner ersten Frau, der Norwegerin Carlota Thorkildsen, hatte Brandt eine Tochter namens Ninja (1940).

Willy Brandt starb am 8. Oktober 1992 in Unkel am Rhein. Er wurde auf dem Waldfriedhof Zehlendorf in Berlin beerdigt.

Die SPD-Parteizentrale in Berlin heißt Willy-Brandt-Haus.

Stand: 07.12.2020, 12:56 Uhr

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