Amor – der Gott der Liebe

Ölgemälde 'Amour menacant' von C. van Loo (1761).

Liebesgeschichten

Amor – der Gott der Liebe

Von Sine Maier-Bode

Die Griechen nannten ihn Eros, die Römer Amor und manchmal Cupido. Er ist ein ziemlich dreistes Kerlchen, das mit seinen Pfeilen die Menschen seit Urzeiten in Liebesraserei versetzt. Was wir heute von ihm wissen, verdanken wir eigener Erfahrung und einigen Autoren des Altertums, die offensichtlich guten Kontakt zum Gott der Liebe pflegten.

Abstammung Amors

Er soll ein Kind des Chaos sein und mit Gaia (Erde), Erebos (Finsternis) und Nyx (Nacht) zu den ersten Göttern gehören. Geläufiger allerdings ist die Behauptung, er sei ein Sohn der Liebesgöttin Aphrodite und ihres Mannes, des Schmiede- und Künstlergottes Hephaistos.

Andere wiederum vermuten, dass der wahre Vater des Jungen der Kriegsgott Ares ist, Aphrodites Liebhaber. Unbestreitbar sind beide an seiner Erziehung beteiligt gewesen.

Bei solcher Art verwandtschaftlicher Beziehungen erstaunt es nicht weiter, dass ein rechter Tunichtgut aus dem Jungen wird. Pfeil und Bogen nutzt er nur dazu, die Herzen der Menschen in Flammen zu setzen, wobei es ihm einerlei ist, ob er damit Ehen zerstört oder anderes Unheil anrichtet.

Dabei sieht er aus wie ein Engelchen, mit seinen goldenen Locken, der zarten Haut und den rosigen Wangen. Unschuldig wirkt er, mehr wie ein Kind, denn wie ein Mann.

Doch eines Tages erwischt selbst ihn ein Pfeil aus seinem eigenen Köche und er entbrennt in Liebe zu einem menschlichen Wesen, dem schönsten, das zu jener Zeit lebte: Psyche.

Amors große Liebe

Psyche, das freundliche Erdenmädchen ist von so atemberaubender Schönheit, dass Aphrodite aus lauter Neid Amor auf sie ansetzt, damit sie an einen recht hässlichen Mann ihr Herz verliere.

Doch Amor lässt sich dieses eine Mal von seinen eigenen Pfeilen verwunden und verliebt sich in Psyche, so wie sie sich in ihn. Nur eines erbittet er von ihr: Psyche dürfe ihn niemals zu sehen bekommen, damit sie nicht erfahre, wer er sei.

Psyche bemüht sich ernsthaft darum, es ihrem Geliebten in allen Dingen recht zu machen, doch ihre Schwestern reden auf sie ein, bis sie eines Nachts ihre Neugierde nicht mehr zügeln kann und eine Lampe an Amors Gesicht hält.

Entzückt von seiner Schönheit und erschüttert von der Erkenntnis ihres großen Fehlers, lässt sie die Lampe los und Amor erwacht. Beide können es kaum fassen, doch es bleibt ihnen keine Wahl: Amor muss Psyche für immer verlassen.

Erst nach vielen Mühen findet sich im Götterhimmel ein Gönner der beiden. Zeus-Jupiter, der Göttervater, der seinen Liebesboten Amor ins Herz geschlossen hat (hatte er ihm doch schon einige Freuden bereitet), beschließt ein gutes Ende der Geschichte. Amor und Psyche finden sich wieder.

Stich aus dem Zyklus "Amor und Psyche" aus dem 16. Jahrhundert, ausgestellt im Wallraf-Richartz-Museum in Köln (Detail)

Amor und Psyche

Amors Zeugen

Ob die Liebesgeschichte auf tatsächlichen Begebenheiten beruht, ist ungewiss. Geschrieben hat sie im 2. Jahrhundert nach Christus der Philosoph Apuleius. Apuleius stammte aus gutem Elternhause und genoss eine vorbildliche Erziehung.

In Fragen der Liebe ist er eine durchaus vertrauenswürdige Person, wurde er doch selbst der Liebesmagie angeklagt, nachdem er eine reiche Witwe für sich gewinnen konnte. Er dürfte also einen guten Kontakt zu Amor gepflegt und seine Geschichte aus allererster Hand haben.

Ovidius Naso, kurz Ovid, war ebenfalls ein Meister in Sachen Liebe. Der römische Dichter lebte von 43 vor Christus bis circa 17 nach Christus, zunächst in seinem geliebten Rom, später in der Verbannung am Schwarzen Meer, auch er bestraft für seine "Liebeskunst".

"Liebeskunst", so heißt eins seiner großen Werke, das zur damaligen Zeit zwar aus den Bibliotheken entfernt wurde, bis heute aber nichts von seiner Poesie, Ironie und Weisheit verloren hat. Seine Erfahrungen in Sachen Liebe und Liebespoesie verdankte er Amor selber, doch er hat sie nicht erbeten, sie sind ihm regelrecht aufgezwungen worden.

Ovid, Rechtsprofil, Münzbild mit einer griechischen Schrift

Der römische Dichter Ovid schrieb die "Liebeskunst"

Amors Macht

Von Amors Pfeilen getroffen zu werden ist keinesfalls das Glück auf Erden, nein – es hat schon manch einen an den Rand der Verzweifelung getrieben. Doch es hat keinen Sinn sich gegen Amors Macht zu wehren, je mehr man sich dem Liebesgott widersetzt, desto grausamer verfolgt er einen – das wusste schon der römische Dichter Ovid.

Ovid selbst wurde gleich doppelt getroffen. Amor entflammte zunächst das Versmaß des Dichters und dann sein Herz. Denn eigentlich fühlte Ovid sich zu großer Lyrik berufen, hatte schon das Thema und das passende Versmaß, da lachte Cupido und sein Pfeil traf mitten ins Ziel.

Mit dieser Schilderung beginnt Ovids erstes großes Werk, die Amores, die Liebesgedichte, die nicht nur von den Lieben Ovids erzählen, sondern auch von ihrem Anstifter, dem "wilden Amor".

Ovid beschreibt Amor als einen tapferen Gott ohne Furcht, der keinen Müßiggang kennt. Und wo immer sein Pfeil trifft, wird er diese Eigenschaften verbreiten.

Die Liebenden werden rege und müssen manche Nacht durchwachen. Mutig sind sie wie Soldaten, bewaffnet allerdings mit Gedichten statt mit Kriegswerkzeug. Nur ein Ziel hat der Liebende: die Liebe selbst, gewonnen nicht durch Geld und Diamanten, sondern alleine durch die Kunst der Liebe.

Ein Herz mit Amors Pfeil in eine Baumrinde geschnitzt.

Amors Pfeil – auch heute noch ein beliebtes Symbol

Stand: 09.07.2019, 14:58

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