Die Wege des Elektroschrotts

Elektroschrott-Entsorgung

Müllentsorgung

Die Wege des Elektroschrotts

Genaue Zahlen gibt es nicht, weder über die exakten Mengen Elektroschrott, die jedes Jahr in Deutschland pro Kopf anfallen, noch über die Wege, die der Elektroschrott nimmt. Die Dunkelziffer des illegal entsorgten Elektroschrotts ist riesig, die meist illegalen Wege der riesigen Mengen Elektroschrott sind immer noch unbekannt.

Um die Menge Elektroschrott, die jedes Jahr in der EU anfällt, zu schätzen, orientieren sich Experten an den Verkaufszahlen neuer Elektrogeräte. In den 28 EU-Ländern (inkl. Schweiz und Norwegen) fallen demnach jedes Jahr etwa 9,45 Millionen Tonnen Elektroschrott an, auf den Sammel- und Recycling-Stationen kommt davon aber nur etwa ein Drittel an, etwa 3 Millionen Tonnen. Wohin also geht der Rest?

Relativ detaillierte Untersuchungen gibt es auf kommunaler Ebene. Am Beispiel München haben Wissenschaftler aus dem Lebensstandard und den verkauften Neugeräten die Menge Elektroschrott errechnet, die jedes Jahr pro Kopf anfällt: 20 Kilo. Jedoch landen nur 7 Kilo davon im Recycling.

Mit Elektroschrott zum Wertstoffhof Planet Wissen 18.11.2019 02:26 Min. Verfügbar bis 18.11.2024 ARD-alpha

Wertvolle Rohstoffe gehen verloren

Die sogenannte CWIT-Studie (Countering WEEE Illegal Trade) wurde von sieben Organisationen, darunter zwei UNO-Institutionen und Interpol, im Auftrag der EU erstellt und im August 2015 veröffentlicht. Die Ergebnisse schlugen hohe Wellen, denn der Bericht zeigt, dass Europa ein Elektroschrott-Problem hat. Durch die illegale Entsorgung von Elektroschrott gehen große Mengen an wertvollen, teils seltenen Rohstoffen (seltene Erden) verloren. Handys zum Beispiel sind wahre Schatzkästchen, die Gold, Silber, Kupfer, Aluminium, Iridium und Germanium enthalten.

Gesetze und EU-Richtlinie

Wie die Länder der EU mit Elektroschrott umgehen, regeln sie selbst. In Deutschland gibt es dazu das Elektronik- und Elektrogerätegesetz (ElektroG), das auch die sogenannte WEEE-Richtlinie in nationales Recht umsetzt. Das ElektroG soll die Gesundheit und die Umwelt vor schädlichen Substanzen aus Elektro- und Elektronikgeräten schützen und die Abfallmengen durch Wiederverwendung oder Verwertung verringern. Aufgrund der WEEE-Richtlinie ist Deutschland seit 2006 verpflichtet, der EU-Kommission über die Einhaltung vorgegebener Sammel- Quoten zu berichten.

Bislang wurden die Sammelziele nach Vorgaben der Elektroschrott-Richtlinie eingehalten. Allerdings wurde die letzte Neuregelung der Elektroschrott-Richtlinie zu spät eingeführt (Februar 2016). Deutschland wurde von der EU abgemahnt und hätte beinahe eine Strafe zahlen müssen, was noch abgewendet werden konnte.

Elektroschrott-Monitoring

Elektroschrott-Monitoring in Deutschland

Die Rolle des Umweltbundesamts

Für das Datenmonitoring in Sachen Elektroschrott ist in Deutschland das Umweltbundesamt zuständig und wird von der Stiftung Elektro-Altgeräte Register (ear) unterstützt. Das Umweltbundesamt sammelt für die Berichterstattung an die Europäische Kommission die Daten von Herstellern, Kommunen, Vertreibern und Entsorgern und bereitet sie den Anforderungen der Berichtspflichten entsprechend auf.

Eine weitere Aufgabe der Behörde ist es, die Fortentwicklung der Gesetzgebung auf nationaler und internationaler Ebene zu unterstützen und zu begleiten sowie die Öffentlichkeit über die abfallrechtliche Herstellerverantwortung für Elektro- und Elektronikgeräte zu informieren.

Gutgemeinte Theorie, ernüchternde Praxis

Wie weit Theorie und Praxis bei der Elektroschrott-Entsorgung auseinanderklaffen, zeigen Experten-Einschätzungen. Rüdiger Kuehr, The United Nations University Vice Rectorate in Europe (UNU-ViE SCYCLE), verweist darauf, dass es keine offiziellen Zahlen zur Menge an Elektroschrott gibt. Die Stoffströme werden nicht erfasst.

Dass das neue ElektroG die Elektroschrott-Entsorgung in Deutschland verbessere, wird von vielen Experten bestritten. Helmut Schmidt, ehemaliger Zweiter Werkleiter des Abfallwirtschaftsbetriebs München (AWM), bemängelt, dass die Stoffströme nach wie vor nicht erfasst werden.

Christian Hagelüken, World Resources Forum, und Rüdiger Kuehr kritisieren, dass nur große Händler kleine Elektro-Altgeräte zurücknehmen müssen, was den Anreiz seine Geräte zurückzubringen, kaum erhöhe. Insgesamt, so viele Experten, sähen sie die ElektroG-Novelle nicht als großen Wurf. Die Sammelquote wird von Experten bemängelt, weil nur mengenbasiert gesammelt wird, das heißt die Sammelquote ist hoch, wenn schwerer Elektroschrott gesammelt wird. Das sagt aber (noch) nichts über die Qualität der gesammelten Rohstoffe aus.

Empfehlungen CWIT-Studie

Empfehlungen der CWIT-Studie zur Verbesserung der Recycling-Infrastruktur

Empfehlungen der CWIT-Studie

Die Steuerung der Elektroschrott-Ströme lässt sich nur verbessern, wenn es eine Recycling-Infrastruktur auf nationaler und internationaler Ebene gibt, denn die nationalen Kanäle hängen mit den internationalen Kanälen zusammen.

Die wichtigsten Bausteine nennt die CWIT-Studie und gibt Empfehlungen für kurzfristige (1. Säule von links), mittelfristige (2. Säule) und langfristige (3. Säule) Maßnahmen. Deutschland sollte noch Nachbessern beim Sammeln von Elektroschrott und bei der Kontrolle der Entsorgung/Verwertung.

Stand: 19.11.2019, 11:00

Darstellung: