Massenevents

Massenevents

Von Barbara Garde

Die Faszination von Megaveranstaltungen

Menschen auf der abgesperrten Autobahn A40 in Essen

Massenveranstaltungen sind überall auf der Welt beliebt. Hier treffen sich Gleichgesinnte, können ihre Leidenschaften ausleben und in der anonymen Masse untertauchen. An einem solchen Ereignis teilzunehmen, erzeugt ein Macht- und erhöht das Selbstwertgefühl.

Massenveranstaltungen sind überall auf der Welt beliebt. Hier treffen sich Gleichgesinnte, können ihre Leidenschaften ausleben und in der anonymen Masse untertauchen. An einem solchen Ereignis teilzunehmen, erzeugt ein Macht- und erhöht das Selbstwertgefühl.

Massenveranstaltungen gibt es viele. Von Megaevents sprechen Forscher erst ab einer Besucherzahl von mehr als einer Million. Megaevents sind inszenierte und zeitlich begrenzte Veranstaltungen, die sich in der Regel an ein internationales Publikum richten und einen hohen Gesprächswert haben.

Als Mutter aller modernen Megaevents gilt die Weltausstellung. Die erste "Expo" fand 1851 in London statt. Über die Jahrzehnte bescherte sie uns Erfindungen wie das Zündholz, den Aufzug oder das Telefon und Bauwerke wie den Eiffelturm. Bis heute ist sie ein großer Erfolg: Zur Expo 2010 in Shanghai kamen mehr als 73 Millionen Besucher.

Große Sportveranstaltungen sollen die Beziehungen zwischen Völkern und Gruppen verbessern. Schon in der Antike gelang das nicht immer: Die Olympischen Spiele waren immer auch von der Rivalität unter den Großmächten geprägt – ob früher zwischen Athen und Sparta oder in der Neuzeit zwischen den USA und der Sowjetunion. "Dabei sein ist alles" war sportlich wie politisch noch nie genug.

Eine der populärsten antiken Sportveranstaltungen mit Massencharakter war das Wagenrennen. Während seiner Hochzeit im 4. Jahrhundert nach Christus kamen im Circus Maximus bis zu 350.000 Zuschauer aus dem gesamten Römischen Reich zusammen. Die Schlägereien zwischen rivalisierenden Fangruppen waren gefürchtet. Ein Phänomen, das bis heute im Sport fortbesteht.

Fans steigern durch eine Teilnahme an einem Megaevent ihr Selbstwertgefühl, sie sonnen sich im Ruhm anderer. Soziologen bezeichnen dieses Phänomen als "BIRGing" (engl. "Basking in reflected glory"). So sollen rund eine Million Amerikaner angegeben haben, beim Boxkampf zwischen Joe Louis und Max Schmeling dabei gewesen zu sein – obwohl es nur 20.000 Zuschauerplätze gab.

Unter Gleichgesinnten: Musik ist ein Lebensgefühl und auf Festivals können die Fans es ausleben. Seit sich 1969 in Woodstock 400.000 Musikfans trafen, wurden musikalische Großevents zum Teil der Jugendkultur.

Dem Himmel näher: Wenn sich Katholiken zu Weltkirchentagen oder Moslems zur Hadsch aufmachen, um sich öffentlich zu ihrem Glauben zu bekennen, lösen sie damit mittlere Völkerwanderungen aus. Für die Organisatoren sind diese oft nur schwer zu bewältigen.

Ob die Hochzeit von Prinz William und Kate Middleton oder die Beerdigung von Prinzessin Diana: Royale Familienfeste sind immer Megaevents, denn das ganze Volk feiert mit. Bürgerlichen Paaren wird eine solche Ehre nicht zuteil, selbst wenn sie über die finanziellen und medialen Mittel verfügen. Ihnen fehlt die Tradition und die Autorität, um Menschenmassen so zu vereinnahmen.

Nicht nur zusehen, sondern mitmachen: Auf volkstümlichen Megaevents wie dem Karneval in Rio und am Rhein oder dem Münchener Oktoberfest herrscht Anarchie auf Zeit. Die Masse übernimmt die öffentliche Macht, soziale Grenzen verschwinden: Einmal Prinz sein? Alles ist möglich!

Gut inszenierte politische Megaevents lösen beim Zuschauer Gänsehaut aus. Besonders totalitäre Regime beherrschen die propagandistische Inszenierung – egal ob früher die Nationalsozialisten oder Nordkoreas Kim Jong-un heute. Der Einzelne soll in der Masse aufgehen und so das Gefühl haben, an der Macht beteiligt zu sein.

Megaevents als Teil von Demokratiebewegungen: Ob früher in kommunistischen Systemen oder 2011 in Ägypten, Libyen und Tunesien. Massendemonstrationen der außerparlamentarischen Opposition haben häufig politische Signalwirkung auf das ganze Land.

Immer wieder kommt es zu Katastrophen: Im Fußballstadion Hillsborough in England starben 1989 bei einer Massenpanik 95 Menschen. Während der Umrundung der Kaaba kamen in Mekka 1990 mehr als 1400 Pilger zu Tode. 21 Menschen verloren auf der Loveparade 2010 in Duisburg ihr Leben. Neue Leit- und Erfassungssysteme sollen Megaevents in Zukunft sicherer machen.

Stand: 15.07.2019, 10:40 Uhr

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