Neuseelands Natur

See, Baäume und Vulkan Mount Egmont, auch Mount Taranaki, Südinsel, Neuseeland

Australien und Ozeanien

Neuseelands Natur

Von Alexandra Stober

"Nachdem Gott die Erde erschaffen hatte, bemerkte er, dass in der Weite des Pazifiks noch Platz war – Platz genug für zwei Inseln, so dachte er. Also nahm er die schönsten und interessantesten Teile aller Kontinente und schuf sein Meisterwerk – Neuseeland." Wie sehr diese Legende der neuseeländischen Ureinwohner zutrifft, begreift man, wenn man sich die Vielfältigkeit des Landes vor Augen führt: fruchtbare Ebenen, zerklüftete Gebirge mit Fjorden, uralte Gletscher, immergrüne Wälder und kilometerlange Sandstrände, dazu eine einzigartige Pflanzen- und Tierwelt – das alles ist Neuseeland.


Am Rande der Welt

Die Neuseeländer wissen, wie es sich anfühlt, weit weg von allem anderen zu sein. Laut einem Sprichwort haben sie Angst davor, dass ihr Land irgendwann von der Weltkarte herunterfällt. Und noch viel größere Angst haben sie davor, dass es niemand bemerkt.

Das "Land der langen weißen Wolke" – so übersetzt man "Aotearoa", die Maori-Bezeichnung für Neuseeland – liegt geografisch isoliert im Südpazifik. Der große Nachbar Australien ist rund 2000 Kilometer entfernt.

Vor etwa 80 bis 100 Millionen Jahren – der genaue Zeitpunkt steht nicht fest – trennte sich das heutige Neuseeland vom Urkontinent Gondwana. Seitdem konnte sich auf den beiden Hauptinseln (Nord- und Südinsel) und den mehr als 700 kleinen Inseln eine einmalige Flora und Fauna entwickeln – auf einer Landfläche, die insgesamt etwas kleiner als die Italiens ist.

Unterhalb der Erdoberfläche rumort es in Neuseeland ganz gewaltig. Denn der Inselstaat liegt auf zwei verschiedenen tektonischen Platten (Australische und Pazifische Platte), die sich stetig verschieben.

Rauchende Vulkan-Insel.

Unter Neusseland rumort es kräftig

Zwischen Gebirgen und heißen Quellen

So entstand auch der Gebirgszug, der sich – getrennt durch die Cook-Straße – von der Nord- bis zur Südinsel erstreckt, durch die Kollision dieser beiden Platten. Die unterirdische Aktivität sorgt zudem dafür, dass es in Neuseeland einige der am häufigsten ausbrechenden Vulkane der Welt gibt.

Bei Einheimischen und Touristen ist die Stadt Rotorua auf der Nordinsel wegen ihrer geothermalen Aktivität bekannt . Dort gibt es zahlreiche heiße Quellen, und es weht ein permanenter Schwefelgeruch durch die Straßen.

Bei den Touristen außerdem sehr beliebt sind die verschiedenen Nationalparks des Landes, in denen zahlreiche einzigartige Tier- und Pflanzenarten leben. Besonders vielfältig ist die Vogelwelt Neuseelands.

Da manche Arten lange keine natürlichen Feinde hatten, wurden im Laufe ihrer Entwicklung Flügel überflüssig. Deshalb sind einige der heimischen Vögel flugunfähig, darunter der Kakapo-Papagei, der vom Aussterben bedroht ist.

Das Bild zeigt eine Quelle mit dampfendem Wasser in türkis, grün und orange.

Champagne-Pool in der Nähe von Rotorua

Gemäßigtes Klima – üppige Vegetation

Der Großteil des Landes liegt nahe an der Küste, was milde Temperaturen, relativ viel Regen und reichlich Sonnenschein bedeutet. Dieses gemäßigte Klima sorgt für eine üppige Vegetation.

80 Prozent der Bäume, Farne und Blütenpflanzen sind heimische Pflanzen. Besonders beeindruckend sind die immergrünen Wälder im Norden des Landes. Hier ist der größte neuseeländische Baum heimisch, der Kauri.

Auch der älteste und berühmteste Baum des Landes ist ein solcher: der Tane Mahuta, benannt nach dem Gott des Waldes der neuseeländischen Ureinwohner, der Maori.

Der Baum steht im Waipoua Forest im Norden der Nordinsel, hat einen Umfang von 13,8 Metern, ist 51,5 Meter hoch und mehr als 2000 Jahre alt.

Auf der Südinsel ist beinahe die gesamte Westküste von dichtem Regenwald bewachsen. Beeindruckend ist dessen Nähe zum Gebirge, das parallel zur Westküste verläuft und die Südinsel dominiert: An keinem anderen Ort der Welt reicht Regenwald so dicht an Gletscher heran.

Bergketten, die im Meer versanken

Im Gebirge der Südinsel haben sich im Laufe der Zeit etliche dieser Gletscher gebildet. Einer der bekanntesten ist der Franz-Josef-Gletscher, der 1865 von seinem deutschen Entdecker nach Kaiser Franz Josef I. von Österreich benannt wurde. Der Gletscher war vor etwa 150.000 Jahren so groß, dass er die umliegenden Berge komplett mit einschloss.

Besonders im Südwesten der Südinsel findet man schließlich die Art von Landschaft, die man wohl als Erstes mit Neuseeland verbindet: glasklare Fjorde inmitten von grünen Hügeln.

Die Marlborough Sounds und Fjordland waren einmal hohe Bergketten. Doch im Laufe der Jahrtausende sind sie quasi im Meer versunken und haben dabei jene Fjorde und Meerengen gebildet.

Das Bild zeigt einen Gletscher. Im Hintergrund ist ein schneebedeckter Gipfel zu sehen.

Der Franz-Josef-Gletscher ist eine Touristenattraktion

Wasser – so weit das Auge reicht

Apropos Meer: Neuseeland hat mehr als 15.000 Kilometer Küste, die landschaftlich sehr unterschiedlich ist. Im Norden der Nordinsel und an einem Großteil deren Ostküste findet man klassische Sandstrände.

Eisenreich und deshalb dunkel ist der Sand hingegen an der Westküste der Nordinsel, deren Küste zum Schwimmen und Surfen geeigneter ist als die der Südinsel.

Auf der Südinsel gibt es zwar im Norden auch einige Sandstrände, aber der Rest der Küste ist zerklüftet und steil, sodass man häufig keinen direkten Zugang zum Pazifik hat.

Dafür bieten die zahlreichen Fjordgebiete der Südinsel ideale Bedingungen für alle, die diese per Boot – beispielsweise per Kajak – erkunden wollen.

Im Hintergrund türkis-blaues Meer. Vorne noch feuchte Algen.

Manchmal versperren nicht nur Felsen den Weg zum Meer

Stand: 19.06.2019, 14:02

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